Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2009

Bücher über Latex-Textsatz und den Webserver Lighttpd

Tux liest

Latex-Fans schwören auf die Qualität ihrer Textsatz-Lieblingssoftware. Ein neues Buch möchte diese Software auch Uneingeweihten nahebringen. Klein, aber fein sind Format und Thema des anderen besprochenen Buchs: der schlanke Webserver Lighttpd.

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Es gibt Technologien, an die sich außer einem verschworenen Kreis Eingeweihter kaum jemand heranzuwagen scheint. Dazu gehört selbst unter Open-Source-Benutzern der Textsatz mit Latex.

Freude am Textsatz

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Tobias Berndt:

Latex: Der typographische Einstieg

Addison-Wesley, 2008

460 Seiten, 30 Euro

ISBN 978-3-8273-2659-1

Das möchte Tobias Berndt mit seinem Buch "Latex: Der typographische Einstieg" ändern. Er stößt die Tür auf und lädt den Leser ein ins Reich des Didot-Punktes, der Dokumentenklassen und der formschönen Drucksachen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Als vollständige Latex-Umgebung empfiehlt Berndt die Distribution Texlive, die auch auf der Buch-DVD mitgeliefert wird. Als "Tipp eines gebrannten Kindes" legt er dem Leser ans Herz, nachgerüstete Pakete und Schriften nicht in den System-Verzeichnissen, sondern unter »texmf« im Homedirectory abzulegen.

In Kapitel 4 geht es rasch zur Sache, denn der Autor steigt unmittelbar in das Schreiben von Latex-Quelltext ein. Danach folgen Druckseiten, Textabschnitte und Überschriften sowie automatisch erstellte Inhaltsverzeichnisse. Im Anschluss behandelt der Autor weitere Feinheiten aus dem Setzerhandwerk wie Durchschuss, Sperrung und Kapitälchen und die "Skalpellarbeit" an den Abständen mit dem Paket Xspace. Ein eigenes Kapitel widmet sich den Schriftarten und ihrer Installation, bevor das Buch mit Anleitungen zum mathematischen Formelsatz und Diagrammen schließt.

Dieses Werk ist spürbar mit Liebe zum Textsatz und seinen Details geschrieben, darum macht auch das Lesen Vergnügen. Wer wissen möchte, was es mit der schwarzen Latex-Kunst auf sich hat, findet hier eine wesentlich niedrigere Einstiegsschwelle als beispielsweise beim "Latex-Begleiter" von Goossens et al. Und fast nebenbei gibt es noch eine Einführung in den Editor Emacs, den Berndt zusammen mit der Erweiterung Auctex als Latex-IDE empfiehlt.

Lighty-Schnellstart

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Michael Krieg:

Lighttpd - kurz & gut

O'Reilly, 2009

110 Seiten, 10 Euro

ISBN 978-3-89721-549-8

Der freie Webserver Lighttpd tauchte im April 2007 erstmals in den Serverstatistiken auf. Seither behauptet er zwar nur einen bescheidenen Marktanteil von ein bis zwei Prozent aller Websites, besitzt aber gleichzeitig eine Fangemeinde, die den Ressourcen-sparenden und leistungsfähigen "Lighty" schätzt.

Die deutsche Tochter des O'Reilly-Verlags hat dem kleinen Webserver ein schlankes Büchlein von rund 100 Seiten gewidmet und bietet damit auf dem hiesigen Buchmarkt das einzige Buch zum Thema. "Lighttpd - kurz & gut" macht seinem Namen Ehre und bietet schon nach der Installation eine kleine Troubleshooting-Liste, die für einen funktionierenden Server sorgen soll.

Das folgende Kapitel beschreibt die Konfiguration im Detail. Dabei beweist der Autor Michael Krieg Praxiserfahrung: Wer wüsste sonst schon, dass Lighttpd bei den Konfigurationsanweisungen zwar Groß- und Kleinschreibung nicht unterscheidet, bei den Datei- und Modulnamen aber schon?

Anschließend geht es um die Erweiterung des Lighttpd durch Module. Das wichtigste ist hier Mod_fastcgi, das eine Schnittstelle zu PHP, Ruby und Python herstellt. Kürzer behandelt der Verfasser die Module zur Authentifizierung, für Caching und Komprimierung sowie Mod_rewrite, das zum Umschreiben von Anfragen dient. Die weiteren Module sind auf rund einem Dutzend Seiten mit Kurzbeschreibungen aufgelistet.

Kapitel 5 widmet sich der Performance-Optimierung und stellt dazu HTTP-Tools wie Apachebench, Siege oder Flood vor. Danach macht sich Krieg auf die Suche nach Bremsen: Sind mehrere Logdateien geöffnet, unnötige Module geladen? Weitere Optimierung bietet fallweises Request-Handling durch Lua-Skripte. Das Buch schließt mit einem Umsteiger-Kapitel für Apache-Kenner.

Der kleine Band behandelt die aktuellen Releases des Lighttpd-Zweigs 1.4 und gibt Ausblicke auf die kommende Version 1.5. Das Buch wird dem Anwender einen Blick in die Online-Dokumentation nicht ersparen, es bietet ihm aber Struktur und Übersicht. Zum Preis von rund 10 Euro empfiehlt es sich als Starthilfe für Lighttpd-Ein- und Umsteiger.

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