In Zeiten von Home Office und Standortvernetzung wird es für die meisten Anwender immer wichtiger, jederzeit und überall auf ihre Daten zugreifen zu können. Diese zu verwalten, ist das Grauen der meisten Sysadmins. Dazu kommt das Sicherheitsrisiko, das Aufbewahren oder Mitführen von Daten außerhalb der Geschäftsräume mit sich bringt.
Einen möglichen Ausweg bietet X2go [1]: Der gesamte Arbeitsplatz mit all seinen Programmen und Diensten steht an einer zentralen Stelle bereit, alle Benutzer arbeiten ausschließlich auf dem Terminalserver. Auf diesem laufen auch vollständige Linux-Desktopumgebungen, und die X2go-Clients gibt es für zahlreiche Plattformen, darunter Windows, Mac OS X und sogar Maemo (für verschiedene Nokia-Geräte), siehe [2].
Der Zugriff auf die grafische Arbeitsoberfläche oder einzelne Applikationen erfolgt entweder über das lokale Netzwerk oder über das Internet - dank der zugrunde liegenden freien NX-Bibliotheken der italienischen Firma Nomachine [3] läuft das alles auch über Anschlüsse mit geringer Bandbreite und hoher Latenzzeit äußerst performant.
Zugriff der Clients
Trotz dieser Vorlage ist X2go nicht kompatibel zu NX, sondern geht seinen ganz eigenen Weg. Anders als der NX-Server oder die GPL-Variante FreeNX [4] setzt X2go für den Dateizugriff nicht auf das SMB-Protokoll, sondern auf SSHFS [5] und Fuse [6], was es auch nicht-privilegierten Benutzern ermöglicht, entfernte Dateisysteme einzubinden. Der Datenaustausch findet sicher und verschlüsselt über das SSH-Protokoll statt.
Neu in Version 3.0 ist das Reverse Tunneling der Dateifreigaben. Es bremst zwar die Datenübertragung ein bisschen aus, macht aber weitere Firewall-Einstellungen überflüssig. Anwender, die viel in fremden Netzen unterwegs sind, werden dies schätzen lernen - so können sie nun jederzeit auf Daten des Servers zugreifen und diese bei Bedarf auf die lokale Platte oder ein externes Speichermedium transportieren.
Admins in Firmennetzwerken dürften sich angesichts dieses Features hingegen die Haare raufen und auch den X2go-Entwicklern ist das Umgehen der Firewall mit der Brechstange laut eigenen Aussagen eher unsympathisch. Aufgrund der hohen Nachfrage aus der Community implementierten sie das Feature dennoch.
Audio-Ausgabe
X2go leitet auf Wunsch auch die Soundausgabe der Session auf den Clientrechner um. Die neue Version 3.0 unterstützt neben den beiden altbekannten Soundservern Arts [7] und ESD [8] auch die neuere Soundarchitektur Pulseaudio [9]. Alle drei genannten Soundserver sind netzwerktransparent. Diese Eigenschaft macht sich X2go zunutze - der Terminalserver bietet die Möglichkeit, den Sound über die X2go-Tunnel weiterzuleiten (siehe Abbildung 1).