Open Source im professionellen Einsatz

Linearisierte PDF-Dateien

Viele PDF-Dateien sind "linearisiert", das heißt, sie sind in ähnlicher Weise für das Internet optimiert wie so genannte progressive JPEG-Dateien. Bei solchen Dateien kann der Browser oder ein passendes Plugin den Anfang einer PDF-Datei bereits anzeigen, während der Rest noch lädt. Linearisierte PDF-Dateien kann PDFedit nicht direkt bearbeiten, aber das Programm ermöglicht es, eine Datei zu delinearisieren. Erfreulicherweise besteht es dabei darauf, das Ergebnis der Umwandlung in einer neuen Datei zu speichern, sodass keinerlei Gefahr besteht, die Originaldatei zu beschädigen.

Eine weitere interessante Option ist der Export von PDF nach XML, der allerdings noch verbesserungsbedürftig ist, denn die Qualität der XML-Datei hängt davon ab, wie die Texte in der PDF-Datei abgelegt sind. Darüber exportiert das Tool Sonderzeichen wie Umlaute oder das "ß" unter den Namen, die sie in der PDF-Datei hatten, und diese hängen vom Programm ab, das die PDF-Datei erzeugt hat.

Aktuell ist PDFedit 0.4.1, die letzte Qt-3-basierte Version. Derzeit arbeiten die Entwickler daran, das Programm auf Qt 4 zu portieren. Das nutzt Qtscript als QSA-Nachfolger, so dass ein erheblicher Umbau der Interna ansteht.

Alleskönner

Die derzeit vielseitigsten und verlässlichsten freien PDF-Bearbeiter mit einer grafischen Benutzeroberfläche sind allesamt Java-Programme. Von einer Ausnahme abgesehen, verwenden alle im Folgenden vorgestellten Anwendungen die höchst verlässliche I-Text-Bibliothek [20] zum Bearbeiten von PDF-Dateien. Während diese Anwendungen weitgehend plattformunabhängig sind, gibt es Probleme mit der Übersetzung der Oberflächen und der Desktop-Integration, die mit Java zusammenhängen.

Bookbinder [21] ist ein schlichtes Java-Programm, das vor allem dem Zweck dient, Seiten für verschiedene Ausgabezwecke neu anzuordnen (Abbildung 3). Der Autor hat dabei nicht den professionellen Digitaldruck im Auge, sondern Privat- und Büroanwender, die erweiterte Druckfunktionen mit einfacheren Druckern umsetzen wollen. Benutzer, die wissen, was sie wollen, und die Englisch verstehen, werden mit Bookbinder keine Enttäuschungen erleben, zumal die Software die Originaldatei nicht antastet und eine optische Kontrolle der neuen Datei erlaubt.

Abbildung 3: Bookbinder ist das ideale Tool, um Seiten für die Ausgabe auf normalen Druckern zu sortieren.

Abbildung 3: Bookbinder ist das ideale Tool, um Seiten für die Ausgabe auf normalen Druckern zu sortieren.

Auch JPDF Tweak [22] (Abbildung 4) nutzt die I-Text-Bibliothek, erlaubt aber wesentlich weitgehendere Bearbeitungen, etwa Wasserzeichen hinzuzufügen, Überblendeffekte von Präsentationen zu verändern und zahlreiche weitere Details zu verändern. Beim Einstieg hilft das relativ umfangreiche Online-Handbuch.

Abbildung 4: JPDF Tweak gilt als „Schweizer Offiziersmesser“ unter den freien PDF-Bearbeitern. Es kennt auch Wasserzeichen und Überblendeffekte zwischen Präsentationsfolien.

Abbildung 4: JPDF Tweak gilt als „Schweizer Offiziersmesser“ unter den freien PDF-Bearbeitern. Es kennt auch Wasserzeichen und Überblendeffekte zwischen Präsentationsfolien.

Pre-press-Profis können ein Lied über Probleme mit zahlreichen kommerziellen und freien Programmen zur PDF-Bearbeitung singen, und auch Adobe-Produkte verursachen zuweilen Probleme. Hier hat sich PDF Sam ("Split and Merge") [23] als heimlicher Star etabliert (Abbildung 5). Obwohl ebenfalls Java-basiert und auf den ersten Blick eher spartanisch ausgestattet, gilt die Software wegen ihrer Verlässlichkeit gerade im Print-Bereich als Geheimtipp. Wer unter Linux PDF-Dateien bearbeiten muss, die für den professionellen Druck bestimmt sind, sollte sich auf dieses Werkzeug verlassen.

Abbildung 5: PDF Sam hat sich auch in der besonders kritischen Druckvorstufe bewährt. Seine Hauptaufgabe ist, PDF-Dateien in mehrere Dokumente aufzuteilen oder diese zusammenzusetzen (split and merge).

Abbildung 5: PDF Sam hat sich auch in der besonders kritischen Druckvorstufe bewährt. Seine Hauptaufgabe ist, PDF-Dateien in mehrere Dokumente aufzuteilen oder diese zusammenzusetzen (split and merge).

Neben Tools zum Lesen und Bearbeiten gibt es mit »pdfposter« [24] auch ein Werkzeug, das ein PDF-Dokument in eine aus mehreren vergrößerten Seiten bestehende PDF-Datei umwandelt.

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