Open Source im professionellen Einsatz

Profi-Tool Podofo

Podofo [16] ist in erster Linie eine mächtige Low-level-C++-Bibliothek, die direkten Zugang zu allen Objekten einer PDF-Datei ermöglicht. Damit ist sie vor allem für Programmierer interessant. So verwenden die Scribus-Entwickler Podofo seit Version 1.3.5 für den direkten Import von PDF- und PDF-basierten Illustrator-Dateien. Gleichwohl enthalten die Installationspakete auch interessante Skripte, die zum Teil über die Funktionalität von Multivalent und »pdftk« hinausgehen. Das Skript »pdfimgextract« extrahiert zum Beispiel alle Pixeldaten aus einem PDF-Dokument, was aber auch »pdfimages« aus dem XPDF-Paket beherrscht.

Besonders nützlich ist das Skript »podofoimpose«, denn eine konkurrenzfähige freie Lösung zum "Ausschießen", also zum Anordnen verschiedener Seiten auf einem Druckbogen, fehlt bisher. Weil das Ausschießen mit Hilfe dieses Skripts jedoch alles andere als trivial ist und fortgeschrittene XML-Kenntnisse erfordert, hat der Autor sein Programm in einer leichter zu bedienenden Version auch als kostenlosen Webservice verfügbar gemacht [17].

Darüber hinaus hat das Podofo-Projekt eine grafische Benutzeroberfläche mit dem Namen Podofo Browser [18] veröffentlicht. Diese ist jedoch in erster Linie ein Werkzeug für Entwickler oder Experten, die mit den Interna des PDF-Formats vertraut sind. In deren Händen ist es freilich ein ungemein mächtiges Werkzeug zum Bearbeiten von PDF-Dateien.

PDFedit

Deutlich weiter in Sachen Benutzerfreundlichkeit ist das in Tschechien beheimatete PDFedit [19] (Abbildung 2). Ziel des Entwicklerteams ist es, einen leicht zu bedienenden PDF-Editor zu schreiben. Trotz zunehmender Verlagerung der Funktionen in eine grafische Benutzeroberfläche ist das ursprüngliche Konzept von PDFedit eine Sammlung von Qt-QSA-Skripten (die Programmiersprache Qt Script for Applications erinnert stark an Javascript), die sich auch ohne ein GUI aufrufen lassen. Sogar die Benutzeroberfläche blendet standardmäßig eine Skript-Konsole ein.

Abbildung 2: PDFedit ermöglicht es auch, den Inhalt einer PDF-Datei am Bildschirm zu bearbeiten.

Abbildung 2: PDFedit ermöglicht es auch, den Inhalt einer PDF-Datei am Bildschirm zu bearbeiten.

Das Konzept von PDFedit als grafische Oberfläche für eine Skript-Sammlung zeigt seine Tücken, wenn QSA an seine Grenzen stößt. Daher legt das Programm zuweilen eine kleine Denkpause ein, wenn es eine bestimmte Aktion ausführt.

Ähnlich wie Podofo Browser bietet auch PDFedit etliche Funktionen, die nur PDF-Experten ansprechen. Dennoch bietet das Programm auch für fortgeschrittene Benutzer, sprich: Acrobat-Anwender, ein beeindruckendes Arsenal an Werkzeugen zum Bearbeiten von PDF-Dateien. Es erlaubt beispielsweise das Ändern, Löschen oder Hinzufügen von Text - jedenfalls, solange alle für die Ersetzung von Text erforderlichen Zeichen im Dokument vorkommen. In eine PDF-Datei, die nach Schweizer Rechtschreibung kein "ß" enthält, diesen Buchstaben einzufügen, ist daher nicht möglich. Daneben kann der Anwender Text hervorheben oder durchstreichen sowie die Schriftfarbe und den Schrifthintergrund ändern.

Obwohl die grafische Oberfläche Optionen zum Verschieben oder Löschen von Grafiken vorsieht, funktioniert derzeit weder das eine noch das andere. Der Skriptdialog vermeldet lakonisch, dass die Funktion noch nicht implementiert ist. Auch die Auswahl von Grafikobjekten mit der Maus zeigt so manche Merkwürdigkeit: Das Auswählen eines einzelnen Objekts führt oft zum Markieren der ganzen Seite.

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