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Linux-Magazin 07/2009

Neues bei Debian

Debianopolis

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

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Das Debian-Projekt ist groß - sehr groß. Das gilt nicht nur für die Menge der Pakete und Architekturen, sondern auch für die Anzahl der Entwickler. Daher hat Debian ein großes Repertoire an Servern und Entwicklungsmaschinen. All diese Rechner bekommen Pflege durch DSAs - die Debian System Administrators. Sie sind die heimlichen Helden des Projekts, denn von ihrer Arbeit hängt einiges ab.

Abbildung 1: Für jeden Zweck und Geschmack – die rund 80 unterschiedlichen Maschinen der Debian-Infrastruktur decken verschiedenste Aufgaben ab.

Backen oder braten?

Wann immer jemand eine Debian.org-Seite aufruft, landet er auf einem von mehreren Dutzend Debian-Servern. Informationen über den New-Maintainer-Prozess (NM) finden sich zum Beispiel auf Merkel.debian.org - mit dem die deutsche Bundeskanzlerin entgegen allen Unkenrufen übrigens nichts zu tun hat. Der Rechner ist benannt nach Gustav Merkel, einem deutschen Organisten und Komponisten aus dem 19. Jahrhundert. Neben dem NM-System hostet Merkel die Qualitätssicherungsseite Qa.debian.org und spielt Backup für das Bug-Tracking-System sowie den FTP-Master-Server. Zugleich ist der Rechner eine der wenigen tatsächlich in Produktion stehenden IA64-Maschinen.

Andere Debian-Maschinen sind kaum weniger wichtig: Gluck.debian.org hostet zum Beispiel das Debian-CVS-Verzeichnis und den Popularity Contest, der die Beliebtheit einzelner Pakete ermittelt. Klecker.debian.org, so benannt zum Andenken an den verstorbenen Entwickler Joel Klecker, beherbergt die öffentliche Hauptseite »www.debian.org« sowie das Archiv alter Debian-Versionen Archive.debian.org. Der Haupt-Mailserver heißt Master.debian.org, als FTP-Master dient Ries.debian.org. Dieser hat eine besondere Funktion: Die Entwickler laden neue Pakete auf den FTP-Master, der täglich die Updates sämtlicher FTP-Mirror-Server anstößt.

Der Rechnerpark umfasst derzeit Dutzende Maschinen. Das Besondere: Auf viele davon haben Debian-Entwickler automatisch und ausschließlich Zugriff, reguliert von einem LDAP-Verzeichnis. Ein Entwickler-Account im Debian-LDAP ist die Eintrittskarte in den Park.

Daher ist das Projekt bei der Auswahl seiner Entwickler seit jeher vorsichtig. Der oft als träge und langwierig erlebte Einbürgerungsprozess neuer Maintainer gewinnt vor diesem Hintergrund vielleicht an Plausibilität. Debian lässt sich übrigens in die Töpfe schauen. Eine Übersicht über alle Rechner im Dienste des Projekts findet sich unter [1].

Profiköche

Natürlich bedeutet ein Entwickleraccount nicht, auf den Rechnern Narrenfreiheit zu genießen. Dafür hat das Debian-Projekt die DMUP (Debian Machine Usage Policy, [2]) geschaffen, der jeder neue Entwickler zustimmt. Die Regeln legt das DSA-Team fest. Wer gegen sie verstößt, muss mit Verbannung von den Maschinen rechnen. Bisher sah aber nur selten jemand die rote Karte - alle sind sich ihrer Verantwortung bewusst.

Die derzeit sieben Sysadmins [3] sind sämtlich altgediente Debian-Entwickler und haben sich teilweise schon um die Rechner gekümmert, bevor es das Amt des Debian-System-Administrators formal überhaupt gab. Sie sind für den Alltagsbetrieb der Rechner verantwortlich und sorgen beispielsweise dafür, dass wichtige Updates zeitnah eingespielt werden. Bei Problemen sind sie die ersten, die den Kopf hinhalten. Es bleibt aber nicht die ganze Arbeit an ihnen hängen: Um Teilbereiche wie das FTP-Archiv kümmern sich die eigens dafür eingerichteten Teams. (ake)

Infos

[1] Übersicht über Debian-Maschinen:[http://db.debian.org/machines.cgi]

[2] Debian Machine Usage Policy:[http://www.debian.org/devel/dmup]

[3] Debian-Sysadmins:[http://wiki.debian.org/Teams/DSA]

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