Asus konnte das kaum ahnen: Im Juni 2007 zuerst auf der Computex in Taiwan [1] vorgestellt, erwies sich der Eee-PC 701 im Netbook-Massenmarkt als Volltreffer. In Deutschland kam der erste Eee Anfang 2008 wegen Lieferschwierigkeiten verspätet in die Läden. Der Hersteller hatte dennoch eine Welle ausgelöst, die ihn frontal auf der Cebit 2008 erfasste: Heiß begehrt war der kleine Neue sowie sein Nachfolger-Eee 900. Der diensthabende Marketingleiter machte wegen der angespannten Lieferlage ein angespanntes Gesicht, anstatt sich über die heftige Nachfrage zu freuen.
Bekannte und unbekannte Hersteller lieferten sich in den Folgemonaten ein Rennen um die Einführung neuer Netbooks. Die Bezeichnung geht dem Vernehmen nach auf Intel zurück. Der Chiphersteller brachte den neuen Atom-Mobilprozessor ebenfalls im Frühjahr 2008 auf den Markt [2] - und traf bei den neuen Ultramobil-Notebooks ebenfalls ins Schwarze. Die Atom-CPU N270 gilt derzeit als Quasi-Standardausrüstung der Netbooks.
100 Euro pro Akkustunde
Dem Durchschnitt der zurzeit in Deutschland erhältlichen Netbooks entsprechen neben der Atom-CPU drei USB-Anschlüsse, ein VGA-Ausgang, zehn Zoll Bildschirmgröße, UMTS und vier bis fünf Stunden Akkulaufzeit zum Preis von ungefähr 450 Euro. Die meisten Mini-Laptops kommen mit spiegelndem Display. Die Übersicht ist nach Bildschirmgröße sortiert (Tabelle 1).
Mobilfunk mit UMTS oder GPRS integrieren immer mehr Hersteller. Diente in den Anfängen Flash-Speicher als minimalistischer, aber stromsparender und unempfindlicher Festplattenersatz, rotieren in den aktuellen Modellen nun wieder die gewohnten Magnetscheiben. Solid State Drives (SSD) sind zwar vereinzelt im Einsatz, gelten meist aber als zu teuer. So ist etwa Sonys kleiner Vaio P19 mit 128-GByte-SSD erhältlich, jedoch nur auf Anfrage, wie ein Sprecher von Sony dem Linux-Magazin mitteilte. Der Preisunterschied zur Festplattenvariante beläuft sich auf schmerzliche 500 Euro.
Eine Kombination bietet MSI an und möchte mit gekoppeltem SSD und HDD bis zu 13 Stunden Akkulaufzeit herausschlagen. Dieser vielversprechende Dauerlauf hat ebenfalls seinen Preis, mit fast 600 Euro liegt das MSI U115 Hybrid am oberen Rand der aktuellen Netbook-Preisliste.
WLAN-Adapter der Hersteller Ralink, Atheros, Intel oder Broadcom enthalten fast alle Geräte. Für diese WLAN-Chips gibt es im Prinzip Linux-Treiber. Kaum ein Hersteller rückt aber mit der Information heraus, welches konkrete Modell er einsetzt. Ein Testlauf vor dem Kauf mit einer gängigen Live-CD oder einem Live-Stick mit Linux bietet sich an.
Microsoft überall
Neben Intel suchte zu Beginn des Hype eilig ein weiterer Teilnehmer Anschluss an das Netbook-Geschehen: Wählten anfangs die Hersteller das Geld und Systemressourcen sparende Linux, gilt inzwischen Microsofts Windows XP als Standard-Betriebssystem. Dazu mag beigetragen haben, dass der Softwarekonzern dem Kostenargument für Linux eine klare Kampfansage entgegensetzte [3]: Hersteller sollten einen Rabatt von 10 US-Dollar pro Gerät auf ein vorinstalliertes Windows XP erhalten, wenn das Gerät 1 GByte RAM und 10 Zoll für den Bildschirm nicht überschreitet.
Mit diesem versilberten Ausstattungsdeckel versuchte Microsoft zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen will der Softwarekonzern verhindern, dass hochwertige Kleinstnotebooks dem ohnehin zäh gestarteten Windows Vista den Markt zusätzlich verderben - Vista erwies sich schlicht als zu Ressourcen-fressend für die kleinen Geräte. Zum anderen lockt der Rabatt die Hersteller von Linux weg.
Zuletzt erneuerte Microsoft auf einem OEM-Treffen im März [4] seine Kuschelangebote und stimmte die Hersteller schon mal auf den Nachfolger von Vista ein, Windows 7. Der Erscheinungstermin der "7" ist noch ungewiss. Bei der Cebit 2009 aber tummelte sich bei Asus auch von Microsoft entsandtes Standpersonal, das ein recht fließend werkelndes Windows 7 auf Netbooks zeigte und unumwunden zugab, dass Ähnliches mit Vista nicht denkbar gewesen wäre.
Fast alle Netbooks zeigen dem Nutzer derzeit ein XP-Gesicht, was sich auf dem kleinen Display nicht besonders gut macht. Für die Eee-PC-Reihe hat Asus daher die Oberfläche angepasst. Für Linux ist das auch eine Chance, wieder Boden gutzumachen: Es gibt bereits einige angepasste Benutzeroberflächen, zum Beispiel von Canonical für HP und Dell oder von Linpus für Acer (siehe auch folgenden Artikel).