Ein bisschen Handarbeit
Um mit dem Platz in der verbleibenden oberen Leiste auszukommen, sind noch ein paar Anpassungen sinnvoll: Das »Gnome-Hauptmenü« besteht - anders als die gewöhnliche Gnome-Menüleiste - statt aus drei Toplevel-Menüs nur aus einem Icon. So bleibt in der Taskleiste Platz für die Fensterleiste und einige Schnellstart-Icons. Da das »Orte«-Menü nun nicht mehr direkt in der Taskleiste sichtbar ist, sollte sich darunter ein Shortcut für den Dateimanager befinden.
Alles in allem erschöpft sich die Anpassung von Debian-Eee-PC im Einbinden eines zusätzlichen Repository [8], in zusätzlichen Kernelmodulen für WLAN- und Ethernet sowie einem auf den Eee-PC angepassten ACPI-Skript. Erstere sorgen dafür, dass der leicht angestaubte Kernel 2.6.26 mit der im Netbook verbauten Hardware zurechtkommt. Letzteres setzt den Hotkey für Suspend-to-RAM in Gang, mehr aber auch nicht.
Eine echte Alternative
Auch wenn Linux-Netbooks bei durchschnittlichen Elektonikmärkten kaum mehr zu kriegen sind, braucht sich niemand mit dem altbackenen Windows XP abzufinden. Linux hat mit Atom-CPUs keine Probleme, aktuelle oder speziell gepatchte Kernelversionen auch nicht mit der restlichen Hardware.
Was das GUI angeht, ist Ubuntu Netbook Remix der Star der getesteten Distributionen: Dank Maximus verschwendet keine Fensterleiste unnötigen Platz auf dem kleinen Display. Der alternative Anwender Netbook-Launcher ist praktisch und optisch angenehm. Neuere Eee-PCs machen unter Ubuntu allerdings nur mit dem bei Redaktionsschluss noch nicht stabilen Jaunty oder einem gepatchten Kernel Spaß.
Das gilt auch für Debian 5.0, der Standard-Lenny-Kernel taugt für die meisten Netbooks nicht, Debian für Eee-PC patcht ihn aber für die gängigen Chipsätze. Leider gibt es die Anpassungen an kleine Displays aus Ubuntu nicht für Debian. Mit den Hardwaretreibern aus dem Eee-PC-Repository [5] ist die freie Distribution mit dem großen Angebot an mitgelieferten Anwendungen für den Eee-PC dennoch keine schlechte Wahl.
Das gilt auch für den Netbook-Spezialisten Flux-Flux. Bei der Bedienung mutet er zwar dem Benutzer mit den winzigen Maximieren- und Minimieren-Schaltflächen am meisten zu. Dem steht jedoch zumindest beim Eee-PC 900 die beste Unterstützung der Hardware gegenüber. Lediglich Open Suse überzeugte auf dem Eee-PC nicht: Hier reagierte der Rechner unangenehm träge.
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Gespräch mit Björn |
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Björn Balazs ist Diplom-Psychologe und Gesellschafter der Firma Apliki [http://www.apliki.de]. Das Berliner Unternehmen bezeichnet sich als psychologische IT-Beratung, bei der Psychologen Hand in Hand mit IT-Spezialisten zusammenarbeiten. Linux-Magazin:Wie sieht es bei den Netbooks mit der Usability aus? Björn Balazs:Bei diesen Geräten muss man verschiedene Aspekte betrachten. Zunächst gibt es die Ergonomie der Hardware. Sie ist noch schlechter als bei herkömmlichen Notebooks, die auch schon nicht als dauerhafte Arbeitsgeräte geeignet sind, weil Tastatur und Display zu klein sind. Linux-Magazin:Wie steht es mit der Software, etwa einer Linux-Desktop-Umgebung? Balazs:Was mir hierzu einfällt, ist als Apple-Phänomen bekannt: Dieser Hersteller gilt als unglaublich benutzerfreundlich. Das liegt zum größten Teil daran, dass sich Apple auf eine kleine Zielgruppe, im Grunde die Grafikdesigner, spezialisiert hatte. Je klarer eine Zielgruppe definiert ist, desto besser kann man ihre ergonomischen Bedürfnisse erfüllen. Im Usability-Geschäft gibt es den Merksatz "One design for all fits none". In anderen Worten: Ein Produkt, dass sich für alle beliebigen Einsatzzwecke eigenen soll, wird scheitern. Linux-Magazin:Was heißt das konkret für ein Linux-Netbook? Balazs:Bei den Netbooks verabschiedet man sich von der Idee des mobilen Allround-Geräts, auf dem Computerspiele und DVD-Filme laufen. Die Netbook-Klasse konzentriert sich auf Internetsoftware plus notdürftiges Arbeiten. Das ist eine Einschränkung, die gleichzeitig die Chance für gute Usability bietet. Dank der offenen Linux-Entwicklung war es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis sich eigene Oberflächen und Distributionen speziell für Netbooks entwickelten. Bei den Arbeiten am KDE-4-Flavour für Netbooks kann man das auch beobachten. Durch das genaue Zuschneiden auf die Zielgruppe wird Linux ungemein gewinnen. |
| Infos |
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| [1] Ubuntu-Netbook-Remix-Image: [http://cdimage.ubuntu.com/ubuntu-netbook-remix/daily-live/current/] [2] Eee-Kernel für Ubuntu 8.10: [http://array.org/ubuntu/setup-intrepid.html] [3] USB-Writer für Windows: [http://shounen.ru/soft/flashnul/] [4] USB-Image-Writer: [http://ppa.launchpad.net/ogra/ubuntu/pool/main/u/usb-imagewriter/usb-imagewriter_0.1-1~ppa1_all.deb] [5] Open Suse 11.1: [http://de.opensuse.org/OpenSUSE_11.1] [6] Suse-Netbook-Desktop: [http://download.opensuse.org/repositories/home:/hfiguiere:/Netbooks/openSUSE_11.1/repodata/] [7] Flux-Flux: [http://fluxflux.ne] [8] Debian für Eee-PC: [http://Eee-PC.debian.net/debian/images/debian-Eee-PC.img] [9] Debian-Repository für Eee-PC: [http://eeepc.debian.net] |
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