Neues bei Debian
Debianopolis
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Das Debian-Projekt ist so vielfältig wie kaum ein anderes in der FOSS-Szene. Eines dieser Unterprojekte machte im April Furore: Debian KFreeBSD hat als erstes System ohne Linux-Kernel den Weg auf die Debian-Mirrors gefunden.
KFreeBSD soll sich von Debian Linux nur durch die Tatsache unterscheiden, dass im Hintergrund nicht Linux, sondern der Kern von FreeBSD werkelt. Linux und FreeBSD haben in technischer Hinsicht einiges gemeinsam: Beide sind mit dem Posix-Standard kompatible Betriebssysteme nach Unix-Machart, sodass praktisch alle Bibliotheken und Programme, die sich auf Linux kompilieren lassen, auch auf FreeBSD ohne Weiteres zu bauen sein müssten. Theoretisch. Praktisch scheitert vieles an der C-Bibliothek (Libc) des GNU-Projekts. Sie ist die Grundlage von Debian und historisch tief mit dem Linux-Kernel verwachsen.
Die KFreeBSD-Entwickler stellte dies vor Probleme: Erste Versuche, die Bibliothek auf FreeBSD zu kompilieren, scheiterten kläglich. Erst durch die Arbeit von Bruno Haible entstand ein »gnu-freebsd«, das den Einsatz der Glibc auf FreeBSD ermöglichte. Haible schickte seine Libc-Patches an die GNU-Autoren - viele seiner Flicken fanden mittlerweile Eingang in die Quellen.
Ein Löwenanteil der Arbeit sei damit erledigt - dachten zumindest die KFreeBSD-Enthusiasten. Bald kristallisierte sich jedoch heraus, dass kaum ein GNU-Programm ohne Schwierigkeiten auf dem BSD-Kernel mit der C-Bibliothek lauffähig war. Damit aus FreeBSD ein KFreeBSD wurde, sollten aber eben auch all jene GNU-Tools auf dem BSD-Kernel laufen - Programme wie »grep«, »awk« oder »sed« haben jeweils ihre eigenen BSD-Pendants und nutzen in den seltensten Fällen die GNU-Tools.
Über Jahre hinweg gingen immer wieder kleine und große Patches an die GNU-Autoren. Die meisten beschäftigten sich mit Problemen bei Autoconf und Automake - die GNU-Autosuite erkennt eine GNU-Umgebung mit BSD-Kernel mittlerweile zuverlässig. Allerdings gab es auch im Programmcode selbst viele Linux-Spezifika, die es gegen generische Implementationen auszutauschen galt.
Um die Arbeit zu kanalisieren und um Interessierte zur Kooperation zu überreden, gründete sich das Debian-KFreeBSD-Unterprojekt. Im August 2008 konnte es die ersten echten Erfolge verbuchen - hatten die Beteiligten es doch geschafft, eine komplette Toolchain zu realisieren, die zuverlässig ihren Dienst tut [1].
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