Open Source im professionellen Einsatz

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Das Headbangen packt auch (oder gerade) gestandene Admins. Mit Frets on Fire trainieren sie für einen Luftgitarren-Wettbewerb. Etwas ernsthafter, doch immer noch spielerisch, geht es bei freien Klonen der Wirtschaftssimulation Transport Tycoon Simutrans und OpenTTD zu.

Wenn in ferner Zukunft Historiker unsere Zivilisation erforschen, könnten sie auf eine für sie unerklärliche Verhaltensweise stoßen: Luftgitarre spielende Hard-Rock-Fans. Manche untermalen ihr Spiel mit dem lautlosen und unsichtbaren Instrument mit Bewegungen, die sich zu einer Art Tanz entwickeln.

Legendenbildung

Glaubt man dem zugehörigen Wikipedia-Eintrag [1], dann erfand ein Amerikaner namens Jack Philson das virtuelle Instrument 1951, um seine Freundin zu beeindrucken. Eine Google-Suche fördert zwar viele weitere Zeitungsartikel zutage, die ihn als Erfinder einer Philson Stratoblaster Air Guitar benennen. Fehlende Quellenangabe lassen allerdings den Verdacht aufkommen, dass sie sich bloß auf den genannten Wikipedia-Artikel stützen.

Bleibt auch der Erfinder im Dunklen, so lässt sich in Joe Cocker der Prophet der Luftgitarren-Epoche ausmachen. Sein Auftritt in Woodstock 1969 sorgte dafür, dass sich heute vom Rocker in Lederjacke bis zum biederen Angestellten kaum noch jemand schämt, in der Öffentlichkeit ein nicht existierendes Instrument zu spielen und dabei das Gesicht zu verziehen. Seit den 90ern gibt es sogar Luftgitarren-Wettbewerbe.

Mit der Einführung von Meisterschaften von einer Professionalisierung zu sprechen, wäre eine Übertreibung. Allerdings haben sich einige finnische Entwickler zusammengetan und entwickelten eine Software, die dem Nutzer durch angeleitetes Training beim nicht ganz ernst gemeinten Wettbewerb Vorteile verschafft. Sie trägt den Namen "Frets on Fire" [2] (siehe Abbildung 1) und bringt auf spielerische Weise Präzision in die Akkorde, indem sie die Computertastatur an die Stelle der luftigen Gitarre setzt; das Hauptmenü des Programms illustriert die empfohlene Körperhaltung (Abbildung 2).

Abbildung 1: Frets on Fire greift das Konzept der 2D-Shooter auf. Statt feindlicher Raumschiffe geht es hier jedoch darum, die richtige Note auf der Luftgitarre zu treffen.

Abbildung 1: Frets on Fire greift das Konzept der 2D-Shooter auf. Statt feindlicher Raumschiffe geht es hier jedoch darum, die richtige Note auf der Luftgitarre zu treffen.

Abbildung 2: Ein echter Luftgitarren-Liebhaber hält die Tastatur wie der abgebildete Guitar Hero.

Abbildung 2: Ein echter Luftgitarren-Liebhaber hält die Tastatur wie der abgebildete Guitar Hero.

2D-Shooter remixed

Das Spielprinzip von Frets on Fire ist schnell erklärt. Die Tasten [F1] bis [F5] simulieren die Gitarrensaiten. Im Stil eines 2D-Shooters kommen verschiedene Noten von oben auf den Spieler zu, der dann durch Drücken der passenden Taste im richtigen Moment Punkte sammelt. An die Stelle des Weltraums, der Fahrbahn oder des Dschungel-Kampffelds tritt ein virtueller Gitarrenhals mit fünf Saiten. Das bedeutet aber nicht, dass das Spiel lediglich alte Ideen abkupfert.

Allein die kreative Nutzung der Tastatur verdient Hochachtung: Nimmt man sie so in beide Hände, dass die Finger der linken Hand auf den ersten fünf Funktionstasten liegen, ergeben sich die vom Spiel vorgegebenen Akkorde fast von selbst und die Finger werden mit dem Üben immer flotter - auch wenn sich die Griffe, anders als bei einer echten Gitarre, auf fünf Seiten beschränken.

Die zu treffenden Noten entstammen der Melodie eines Rock-Songs, den der Benutzer bei Spielstart aussucht. Leider verhindern die Urheberrechte, dass das Spiel populäre Smash-Hits enthält. Stattdessen steuert die Community aber Hunderte selbst komponierter Lieder bei.

Die finnische Entwicklergruppe, die unter dem Namen Unreal Voodoo [3] auftritt, ist nicht die erste, die die Luftgitarren-Begeisterung in Software umgesetzt hat. Die Firma Redoctance publizierte schon 2005 den ersten Teil ihrer Videospielserie Guitar Hero [4], bei dem eine eigens entwickelte Gitarrenattrappe als Controller dient. Als kommerzieller Hersteller konnte es sich Redoctance nicht leisten, auf die Rocklegenden der letzten Jahrzehnte zu verzichten, die Spiel-DVD enthält also zahlreiche bekannte Stücke.

Besitzer des ersten oder zweiten Teils der Guitar-Heroes-Serie dürfen die Musikdateien auch mit Frets on Fire verwenden. Die im Programm integrierte Importfunktion benötigt lediglich einen Ogg-Vorbis-Encoder, um die Songs aus dem kommerziellen Spiel für das freie nutzbar zu machen. Der rechenintensive Prozess braucht je nach CPU-Leistung allerdings meist mehrere Stunden

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