Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2009
© Joujou, Pixelio.de

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Frühjahrsfachgespräche der GUUG 2009

Frühblüher

Der Hauskongress Mitte März der German Unix User Group (GUUG), die heuer auf ein Vierteljahrhundert ihrer Existenz zurückblickt, führte in Karlsruhe wieder eine runde Hundertschaft Administratoren bei interessanten Vorträgen zusammen.

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Womöglich ist es vor allem das tief verwurzelte Bedürfnis nach Halt und Orientierung, das gerade gestandene Admins so gerne "Weißt-du-noch"-Geschichten erzählen lässt. Denn ohne Rückversicherung würden sie womöglich die enormen Kapazitätssprünge und rasanten Tempoverschärfungen selbst nicht glauben, die die Technikgeschichte so noch keiner vorhergehenden Generation zugemutet hat: Von der 5,25-Zoll-Floppy zur Terabyte-Platte, vom 1200-Baud-Modem zu Highspeed-DSL - eine gute Handvoll Zehnerpotenzen in einem halben Arbeitsleben.

Vielleicht hatte das auch Snoopy, Urgestein und Hauskolumnist der GUUG, bewogen, seine Keynote während der diesjährigen Frühjahrsfachgespräche als chronologisch sortierte Anekdotensammlung anzulegen. Zumal es heuer einen besonderen Anlass gibt: Den 25sten Geburtstag der German Unix User Group.

Weißt Du noch?

Im Gründungsjahr der GUUG war kaum etwas von dem zu erahnen, was ihr Frühjahrstreffen nach einem Vierteljahrhundert bestimmen sollte. Das heute allgegenwärtige Internet war damals noch das obskure Medium eines Geheimbunds, der sich mit Akustikkoppler und UUCP auskannte.

Ein Vortrag wie der interessante Beitrag über "Rechtsdurchsetzung in anonymen Netzen" von Rechtsanwalt Joachim Dorschel aus diesem Jahr hätte damals auf blankes Unverständnis stoßen müssen, stand doch der komplette Pfad zum Absender in der Mail- oder News-Adresse:

sophos.toppoint.de!tpki.toppoint.de!news.netuse.de!newsfeed.dpn.de!news-out1.du.gtn.com!news-in2.du.gtn.com!RRZ.Uni-Koeln.DE!fu-berlin.de!news.nordwest.net!not-for-mail

Von Linux wurde der GUUG auch nichts an der Wiege gesungen. Das kam erst ein Jahrzehnt später auf und die organisierten Unix-Usern beäugten es zunächst durchaus misstrauisch. Inzwischen hat es sich nicht nur etabliert, sondern sogar seine Geschwister fast alle aus dem Nest gestoßen. In diesem Jahr spielte Solaris in etlichen Referaten eine Rolle - etwa in Zusammenhang mit ZFS oder Virtualisierung - aber Net- oder FreeBSD, die sich noch auf den Fachgesprächen zu Anfang des Jahrtausends mit eigenen Jahresrückblicken feierten, kamen kaum mehr vor.

Größeren Raum als in den vergangenen Jahren nahm diesmal das Thema Storage ein. Einen spannenden Ansatz mit SSDs, die sich dank ZFS geschickt als Caches integrieren lassen, stellte Franz Haberhauer vor. Um hoch performantes Parallel-NFS ging es Oliver Tennert. Cluster-Filesysteme beleuchteten Daniel Kobras und Frank Kraemer und Frank Felix sprach zu Object Storage in AFS.

In den Abgründen der Geschichte verschwunden sind die dicken Tagungsbände, in den besten Zeiten über 300 Seiten stark, inzwischen aber zu einer schmalen Uptimes abgemagert.

Déjà-vu

Natürlich gibt es neben aller Veränderung auch Konstanten. Die Themen beispielsweise: Security, Netzwerke, Hochverfügbarkeit, Monitoring - kurz, die zentralen Themen des Administratorenhandwerks bildeten auch beim diesjährigen Kongress den Kern des Programms.

Oder die Referenten: So gab es heuer wie in fast jedem Jahr wieder den aktuellen Samba-Vortrag von Volker Lendecke. Ralf Spenneberg referierte über SE-Linux und bescherte damit Fachgesprächs-Veteranen ebenfalls ein Déjà-vu.

Von einer Randgruppe zum Personal des Rechenzentrums, so ungefähr brachte Snoopy, der Keynote Speaker, das letzte Vierteljahrundert GUUG auf einen Nenner, um alsdann der Frage ins Auge zu sehen, ob man heute überhaupt noch Usergruppen braucht? Er schien sich nicht so sicher. Dabei sind doch gerade die Fachgespräche ein gutes Argument.

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