Aus dem Alltag eines Sysadmin: Serendipity
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Gelegentlich muss auch Sysadmin Charly ausgetretene Pfade verlassen und Arbeitsfelder weit jenseits seiner Kernkompetenz beackern. Gut, wenn er dafür das richtige Werkzeug zur Hand hat.
Gelegentlich muss auch Sysadmin Charly ausgetretene Pfade verlassen und Arbeitsfelder weit jenseits seiner Kernkompetenz beackern. Gut, wenn er dafür das richtige Werkzeug zur Hand hat.
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Aus der Praxis der Berliner Charité: Individuelle 82 | LDAP-Tools
Im bunten Durcheinander eines LDAP-Verzeichnisses den |
Auch Scotty [1] kommt in "Star Trek" nicht umhin sich fachfremd zu betätigen, auch wenn er noch so oft "I\'m a mechanic, not a doctor" brüllt. Entsprechend unorthodox sehen die Lösungen aus, mit denen er die Enterprise gefühlte 27 Male vor der Warpkern-Schmelze rettet. Was Werkzeuge angeht, besitzt der Schotte eine fest gefügte Meinung: "Always use the proper tool. If the proper tool isn\'t available, use a hammer."
Wenn ich Webseiten bauen muss, fühle ich mich an Scottys Seite. Ich bin Sysadmin, kein Webdesigner! Dass ich mein HTML im Vi produziere, verhilft den Ergebnissen zu einer asketischen, aufs rein Funktionale begrenzten Schlichtheit. Sprich: Es tut den Job, sieht aber armselig aus. Scotty nickt mir zufrieden zu.
Manchmal reicht mir Warp 1 nicht: Kürzlich benötigte ich eine Webseite, bei der die Benutzer Teile der Inhalte kommentieren sollten, ähnlich einem Blog. Die Blog-Engine Serendipity [2] ist flexibel genug, um als Hilfs-CMS herhalten zu können, und liefert garantiert schnelle Ergebnisse. Das Wort Serendipity bezeichnet übrigens eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als überraschende Entdeckung erweist [3].
S9y, wie die Anhängerschaft Serendipity verkürzt nennt, benötigt halbwegs aktuelle PHP-Pakete und eine Datenbank-Anbindung. Die entpackten Quelldateien kopiere ich in ein Verzeichnis des Webservers. Die Installation läuft von dort aus mustergültig im Browser ab. Fertig installiert sieht S9y aus, wie man sich einen Blog vorstellt. In der Administrationsoberfläche jedoch wartet eine fett dreistellige Anzahl von Plugins auf ihren Marschbefehl (Abbildung 1).
Mit Hilfe einiger Plugins blende ich sehr einfach externen HTML- oder PHP-Code in die Seitenstruktur ein. Diese Funktion benötige ich ziemlich oft, beispielsweise, um RRD-Graphen oder Nagios-Ergebnisse einzubinden. Dazu gesellen sich - gebeamt direkt aus dem Plugin-Repository - Diskussionsforen, Galerien, Anbindungen an eine große Zahl von Instant Messengern und Dutzende weitere Annehmlichkeiten. Auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz. Dem Team um Hauptentwickler Garvin Hicking liegt sauberer Code sehr am Herzen. Sie versehen Plugins, mit denen man sich in den Fuß schießen kann, mit deutlichen Warnhinweisen.
Das Kommentarsystem, das mir besonders wichtig ist, besitzt bei seiner »Abonnieren«-Funktion seit Serendipity 1.4 ein Double-Opt-In. Leider haben findige Juristen schon Abmahnungen verteilt, weil sie die Ansicht vertreten, die Mails von einem abonnierten Kommentar-Thread seien rechtlich mit einem Newsletter zu vergleichen - und dafür ist nun mal ein Double-Opt-In vorgeschrieben. Scotty sagt dazu nur: "I\'m a mechanic, not a lawyer." (jk)
| Infos |
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| [1] Lt. Commander Montgomery Scott: [http://de.wikipedia.org/wiki/Personen_im_Star-Trek-Universum#Lt._Commander_Montgomery_.E2.80.9EScotty.E2.80.9C_Scot] [2] Serendipity (Tool): [http://www.s9y.org] [3] Serendipity (Begriff): [http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipity] |
| Der Autor |
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Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch. |
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