Unter den naturwissenschaftlichen Disziplinen stellt die Chemie ganz besondere Anforderungen an die Software: Bevor der Forscher sich mit komplexen Molekülverbindungen befassen kann, braucht er eine ausgefeilte Anwendung, um sie grafisch darzustellen. Ohne eine dreidimensionale Ansicht ist es schwer, dabei den Überblick zu bekommen. Die freie Software Avogadro ([1], Abbildung 1) legt die Einstiegshürde niedrig, macht aber, was den Funktionsumfang angeht, trotzdem keine Kompromisse.
Abbildung 1: In Avogadro navigiert der Benutzer per Mausklick durch selbst gebaute Molekülstrukturen. Vergrößern, Verkleinern und Drehen erledigt der 3D-Renderer souverän.
Bekannter Namensgeber
Mit seinem Namen erinnert das Chemieprogramm an den italienischen Physiker und Chemiker Amedeo Avogadro. Er stellte im 19. Jahrhundert unter anderem das Avogadro\'sche Gesetz auf, nach dem alle Gase bei gleichem Volumen, gleichem Druck und gleicher Temperatur auch stets dieselbe Anzahl Moleküle enthalten. Avogadro entdeckte auch die ebenfalls nach ihm benannte Konstante, die die Anzahl der Teilchen pro Stoffmenge angibt.
Personalunion
Die Entwickler um den Projektinitiator Marcus D. Hanwell [2] treten also in die Fußstapfen einer berühmten historischen Persönlichkeit. Doch auch der Hauptentwickler kann immerhin auf einen Doktortitel der Chemie verweisen, den er an der Universität von Pittsburgh erworben hat. Er ist zugleich KDE-Entwickler. Daraus ergibt sich folgerichtig, dass die Avogadro-Oberfläche auf QT basiert. Wie die zugrunde liegende Programmiersprache Python läuft das Programm dadurch nicht nur unter Linux, sondern auch unter Windows und Mac OS X. Mit der nun erschienenen Version 0.9 erreicht das Projekt nach knapp zwei Jahren die Betaphase.