Business, Intelligenz und Software passen einfach nicht zusammen. So jammern SAP-Kunden gerne, die in langwierigen Prozessen ihr Unternehmen der Software anpassen mussten, und sich danach im wohlig warmen Käfig des Vendor-Lock-in wiederfinden. Aber der Begriff Intelligence im Kürzel BI [1] steht ja auch nicht für intelligent oder schlau, sondern entspricht dem I in CIA oder MI5: Es geht um die Informationsbeschaffung als Grundlage für Entscheidungen der Unternehmensführung.
Seit 1958
Zum wahrscheinlich ersten Mal prägte der deutsche Wissenschaftler Hans Peter Luhn den Begriff in seinem Beitrag "A Business Intelligence System" im IBM Journal von 1958 [2]. Seitdem sind mehr als 50 Jahre vergangen und obwohl das Thema immer wieder in den Medien auftaucht, findet sich derartige Software im deutschen Mittelstand gar nicht oder nur sehr sporadisch. Die Software sei zu teuer, die Einrichtung und Anbindung an die lokalen Datenbanken der ERP- und CRM-Systeme zu aufwändig, und es bestünde dafür einfach kein Bedarf, lauten die Argumente.
Das zeigt sich auch in einer Umfrage des Institut für Business Intelligence (IBI, [3]), das im Zeitraum vom 15. Juli bis zum 30 Oktober 2008 in einer Online-Erhebung den Mittelstand nach seinen BI-Werkzeugen befragte. Das Ergebnis: Das Tool Nummer eins heißt Microsoft Excel. In den meisten Fällen muss den Benutzern die Tabellenkalkulation für die Analyse und Aufbereitung der geforderten Daten reichen. Gerade kleinere Betriebe finden sich dann mit umständlichen, aber funktionierenden Umwegen ab und schrecken vor der Einführung einer BI-Software zurück.
Dafür ist in der Regel viel Vorbereitung und Abstimmung zwischen unterschiedlichen Abteilungen notwendig. Vor der intensiven Kooperation mit den Kollegen aus der Buchhaltung und dem Controlling graut so manchem Admin. Bei der Einführung einer BI ist es eben nicht mit ein paar Installationsroutinen getan, es sind Sachkenntnisse sowohl bei der Software, beim eigenen Datenbestand und in den Produktionsabläufen gefragt.
Im Gegensatz zur Einführung einer ERP-Software [4] reicht es eben nicht, ein paar Kunden undArtikel anzulegen und damit Testläufe zu fahren. Die Anschaffungskosten sind da meist der kleinste Kostenfaktor, schwerer wiegen die nötige Arbeitszeit und das externe Consulting.
Vorgehensweise
Prinzipiell scheint eine BI-Software nur ein Statistik- und Reporting-Tool zu sein, das Informationen, zum Beispiel aus dem ERP-System, detailliert darstellt. Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch ein deutlich komplexeres Bild: Eine moderne BI kann mandantenbezogen oder firmenübergreifend Analysen erstellen und bindet dazu verschiedenste Systeme wie Webshops, Buchhaltung und die Groupware ein.
Um die Last auf den anderen Servern zu minimieren, nutzen alle gängigen Programme eine eigene Datenbank, die als Zentrale alle relevanten Informationen aus den verschiedensten Quellen für die Auswertung speichert, ein so genanntes Data Warehouse [5].
Für die komplizierte Aufgabe, Daten aus den verschiedenen Systemen auszulesen und weiter zu verarbeiten, bieten die meisten Programme Zusatzmodule, so genannte ETL-Server. Das Kürzel steht für Extract, Transform, Load [6] und umfasst einen breiten Bereich von Software. Schon ein PHP- oder Perl-Skript, das Daten aus einer MySQL-Datenbank liest und diese umformatiert einer anderen Anwendung für die Weiterverarbeitung durch die BI übergibt, kann als ETL-Tool durchgehen.
Auch auf Shell-Ebene ergeben sich dabei hilfreiche Möglichkeiten: Regelmäßig ausgewertete Apache-Logfiles können der BI-Software als Basis für das Verhältnis Umsatz pro Monat im Vergleich zur Anzahl der Besucher im Webshop dienen. Mit einem Asterisk-Server ließe sich dazu problemlos noch die Anzahl der eingehenden Calls des Kunden in Beziehung setzen.