Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2009
© jarts, Photocase.com

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Cloud Computing und Open Source

In der Falle?

Richard Stallman wettert: Cloud Computing sei eine Falle und das Ende von freier Software. Unbeeindruckt davon streben Hard- und Softwarehersteller, Rechenzentren und Dienstleister zu den Wolken.

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Glaubt man Richard Stallman [1], dann ist das Ende von Open-Source-Software nah, wenn sich Cloud Computing erst mal durchgesetzt hat. Im viel beachteten Franklin-Statement hat dazu auch die FSF [2] ihre Bedenken veröffentlicht und Admins einen kurzen Leitfaden an die Hand gegeben, mit dem sie trotz der Auslagerung ganzer IT-Infrastrukturen die Fäden in der Hand behalten.

Die Industrie klotzt

Solche Bedenken teilen die Hersteller nicht, im Januar 2009 überschlagen sich die Meldungen aus der Cloud-Computing-Szene: Sun übernimmt Q-Layer und erwirbt mit deren Produkt Nephos die Schlüsselsoftware für seine Cloud-Strategie. Fast gleichzeitig wechselt der Debian-Gründer und bisherige Open-Solaris-Chef Ian Murdoch auf den Posten des Chefstrategen für diesen Bereich. Reasonably Smart, Hersteller einer Open-Source-Web-Wolke, die auf Javascript und Git basierende Dienste anbietet, wird von Joyent geschluckt. HP, Intel, Yahoo und mehrere wissenschaftliche Einrichtungen starten das Onlineportal des Open-Cirrus-Projekts [3]. Auch wenn die Webseite noch etwas leer daherkommt: Ab Mitte Februar gibt es hier eine offene Testumgebung mit Zugriff auf die Ressourcen zahlreicher Hardwarelabors.

Die Branchengrößen schlagen zu, als hätten sie sich abgesprochen. Wie wichtig die Big Player das Thema nehmen, zeigt sich schon auf ihren Webseiten: Sowohl bei Sun [4], IBM [5], Yahoo [6] und HP [7] als auch bei Microsoft [8] finden sich die Angebote prominent platziert auf oberster Ebene des Webangebots.

Gleichzeitig laufen die Marketingabteilungen auf Hochtouren: SaaS (Software as a Service) war gestern, jetzt kommen PaaS (Platform as a Service, [9]), IaaS (Infrastructure as a Service, [10]), Cloud Computing und EaaS (Everything as a Service, [11]). Die Clouds eignen sich für alle Szenarien, sagen die PR-Strategen. Nach ihrer Meinung werden sie in wenigen Jahren die Rechenzentren übernehmen und die lokalen Software-Installationen und Infrastrukturen verdrängen. (Kasten "Der Begriff Cloud Computing").

HP, IBM und Amazon

Dabei hat jeder Hersteller naturgemäß seine eigene Vision, sogar seine eigene Definition vom Cloud Computing. Amazon machte den Anfang, die Elastic Compute Cloud EC2 [12] ging 2006 als ein Produkt im Rahmen der Amazon Web Services online. Der Buchhändler bietet seinen Kunden hier virtuelle Computer, auf denen diese eigene Applikation laufen lassen.

Übers Webinterface bestellen und kündigen die Admins virtualisierte Maschinen, die Abrechnung erfolgt flexibel anhand der CPU-Stunden, in denen die Instanz lief. Der Preis reicht von 10 US-Cent pro Stunde für das kleinste Linux-System bis zu 1,20 Dollar für das Extra Large Windows System, wobei aber die Redmonder Systeme bisher nur amerikanischen Kunden zur Auswahl stehen.

Dazu kommen Beträge der gleichen Größenordnung für Traffic (10 bis 17 US-Cent pro GByte) und Storage (11 US-Cent pro GByte/Monat und pro Million I/O- Requests). Möglich wird das durch den intensiven Einsatz von Virtualisierung, bei Amazon mit Hilfe von Xen. Die AWS bieten direkten Zugang auf ein API, das andere Hersteller wie Red Hat [13] in ihre Produkte integrieren.

Bei HP dagegen klingt es fast so, als läute das Cloud Computing die Endzeit der IT-Ära ein: In seinen Unterlagen spricht der Gigant vom "End of State" und von Milliarden Usern, die auf Millionen Dienste zugreifen. Als Dienstleister definiert IBM die Cloud über ein Zugriffs- und Verteilungsmodell für IT-Ressourcen ("Service aquisition and delivery model for IT Ressources"). Der Benutzer braucht kein Verständnis für Infrastrukturen und Hardware mitzubringen, kann aber trotzdem Computerdienste in Anspruch nehmen, die für ihn transparent auf virtuellen Servern laufen.

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