Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2009

Transparenz von Windows- und Linux-Systemen

Blick ins Getriebe

Der Linux-Code ist ein offenes Buch, der Windows-Quelltext ein eifersüchtig bewachtes Geheimis. Doch was bedeutet das für den Alltag des Systemadministrators?

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Von einem theoretischen Standpunkt aus lässt sich in Sachen Transparenz ein eindeutiges Urteil über Linux und Windows fällen: Hier das Open-Source-, dort das Closed-Source-Betriebssystem. Doch wie wirkt sich das in der Praxis des Systemadministrators aus?

Der Quelltext des Linux-Kernels ist frei lizenziert und unter vielen Adressen zum Download erhältlich. Die Diskussion über die Weiterentwicklung dieses Systemkerns findet auf der offenen Kernel-Mailingliste statt. Selbst was die Entwickler auf den eigentlich geschlossenen Kernel-Summit-Treffen besprechen, kann man in der Regel in Mail-Archiven und auf Websites nachlesen.

Theorie und Praxis

Allerdings überblickt nicht einmal ein Vollzeit-Kernelentwickler die Gesamtheit der Millionen Codezeilen, geschweige denn der durchschnittliche Sysadmin in seiner notorischen Zeitnot. Selbst den Kernel-Profis entgehen gelegentlich Schwächen des Linux-Kerns. Es lässt sich in fast jeder Ausgabe der Kernel-News im Linux-Magazin nachlesen: Immer wieder taucht vergessener, verwaister, veralteter oder defekter Code auf. So brachte etwa ein Fehler im Kernel zum Jahreswechsel 2008/2009 einzelne Server zum Absturz. Alter Code, der Schaltsekunden verwaltet, war die Ursache [1].

Quellen-Studium

Der Blick in den Quelltext mag die letzte Zuflucht bleiben, wenn unklar ist, was ein Programm im Detail an einer bestimmten Stelle macht. Doch im Alltag nimmt der Linux-Admin in der Regel auf andere Weise Einblick in Kernel und Software, nämlich über deren Schnittstellen und Protokolldateien.

Tools wie »lsmod«, »ps« und »top« liefern Informationen über Kernelmodule und Userspace-Prozesse, »lsof« ermittelt die letzte geöffnete Datei, die das Aushängen einer Partition verhindert. Wer dem Kernel noch näher kommen möchte, sieht sich im Pseudo-Dateisystem »/proc« um, das das Innere des Systemkerns nach außen kehrt. Wichtige Kernel-Meldungen sowie weitere Informationen von Daemons und Userspace-Programmen finden sich in verschiedenen Logfiles eines Linux-Systems.

Wie sieht das unter Windows aus? Stefanie Kühnast arbeitet im Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) und betreut dort unter anderem Windows-Server. Sie meint: "So unterschiedlich sind die Konzepte gar nicht. Beide Systeme versuchen, alle wesentlichen Logs an einem Ort zu konzentrieren: unter Linux »/var/log/*« unter Windows das Eventlog, zu finden im Startmenü unter »Systemsteuerung | Verwaltung | Ereignisanzeige«. Unter beiden System kann ein Entwickler aber ungestraft die Vorgaben ignorieren und seine Logs hinlegen, wo er möchte, solange seine Software dort Schreibzugriff hat."

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