Die Arbeit am Computer beginnt mit dem Start einer Anwendung. Puristen schwören hier auf das Terminal-Fenster, das den unschlagbaren Vorteil hat, Fehlermeldungen sichtbar zu machen. Besonders Windows-Umsteiger befremdet es aber, Programme so zu starten. Wem der Namen eines Binary nicht einfällt, kommt schwer weiter.
Starthilfe
Ein Startmenü ist also auch unter Linux nützlich. Neuere Fassungen bieten mehr Komfort als der seit Urzeiten bekannte einfache Menübaum. So hat Open Suse 10.2 mit Kickoff [1] ein auf Usability-Untersuchungen basierendes KDE-Startmenü entworfen, das dem Prinzip "Alles auf einen Blick" folgt (Abbildung 1). Die Übersicht wahrt es dennoch, da es mit den Icons am unteren Menürand fünf sinnvoll gewählte Kategorien zur Verfügung stellt (Favoriten, Anwendungs-Baum-Menü, History und Abmelden). Kickoff ist in KDE 4 zum Standard-Startmenü avanciert.
Abbildung 1: Suse 10.2 stellte ein auf Usability-Forschung beruhendes KDE-Startmenü vor.
Umschifft
Besonders stolz sind die Entwickler, dass sie dem Hauptärgernis traditioneller Baum-Menüs ein Schnippchen geschlagen haben: Öffnet der Anwender mehrere Ebenen und klickt dann aus Versehen neben das Menü, schließt er bislang den ganzen Baum und muss erneut bei der ersten Ebene beginnen. Bei Kickoff funktioniert das Navigieren durch die Menü-Ebenen daher anders: Hier klappt kein neuer Menü-Ast aus, sondern die bisherige Ebene wandert animiert links aus dem Bild. Durch einen Klick auf den linken Rand gelangt der Benutzer zur vorigen Ebene zurück.
Die Schöpfer des alternativen KDE-4-Anwendungsstarters Lancelot ([2], Abbildung 2) haben daran Folgendes auszusetzen: Wenn immer nur eine Menü-Ebene sichtbar ist, erspart dies dem Anwender zwar Fehlklicks, erschwert ihm aber auch die Orientierung in der Hierarchie. Lancelot übernimmt für das Navigieren durch die Baumstruktur daher das Prinzip des Apple-Dateimanagers, das für jede geöffnete Verzeichnisebene eine neue Spalte öffnet, die bisherigen aber eingeblendet lässt. Auch im KDE-4-Dateimanager Dolphin ist eine entsprechende Ansicht enthalten.
Zwar wird das Startmenü durch mehrere offene Spalten sehr breit, doch die klare Spaltenstruktur führt das Auge. Praktisch ist auch die von Webseiten her bekannte Pfadanzeige oberhalb des Menüs (Markierung in Abbildung 2). Alles in allem wirkt daher Lancelot noch funktionaler als das im Vergleich zu traditionellen Startmenüs schon stark verbesserte Kickoff. Das ist für den Linux-Desktop daher bedeutsam, weil schon Windows XP die Wahl zwischen einem klassischen und einem erweiterten Startmenü bietet.
Abbildung 2: Apple als Usability-Trendsetter: Das Spaltenprinzip beim Navigieren durch die Baumstruktur hat sich Lancelot vom Mac-OS-X-Dateimanager abgeschaut.
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