Open Source im professionellen Einsatz

Neues bei Debian

Debianopolis

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Dass Lenny noch immer nicht in Sicht ist, ist bei Debian vor Weihnachten zur Nebensache geraten. Statt besinnlicher Stimmung entbrannte auf der Debian-Entwickler-Mailingliste handfester Streit. Am Ende stellt Projektsekretär Manoj Srivastava enttäuscht seinen Posten zur Verfügung. Debian verliert mit Srivastava eines der letzten Mitglieder der alten Garde. Kaum ein anderer im Team an der Spitze des Projekts ist so lange dabei. Nachdem schon James Troup seinen Posten als Debian Account Manager aufgab, bleibt einzig Ryan Murray als Urgestein in der Führungsriege übrig.

Abbildung 1: Die Abstimmung zu freien und proprietären Bestandteilen führte zum Rücktritt des Projektsekretärs.

Abbildung 1: Die Abstimmung zu freien und proprietären Bestandteilen führte zum Rücktritt des Projektsekretärs.

Persönlich enttäuscht

Was ist passiert? Wochenlang tobte auf der Debian-Devel-Liste ein Glaubenskrieg zwischen Verfechtern freier Software und Pragmatikern, die möglichst schnell eine Lenny-Release sehen wollen. Wie zuvor bei Etch dreht sich der Streit um Firmware-Dateien, die für den Betrieb einiger Treiber nötig sind. Während Hardliner die Firmware-Files aus Debian tilgen möchten, fordern andere deren Verbleib.

Schnell ist klar, dass nur eine Generalabstimmung eine Entscheidung bringen kann. Für die gibt es im Anschluss etliche Vorschläge (Linux-Magazin 2/09, Seite 84). Aufgabe von Projektsekretär Srivastava ist es, alle Vorschläge zu sammeln und einen Wahlzettel zu verfassen, der sämtliche Optionen enthält, die genügend Befürworter gefunden haben. Auch muss er bewerten, ob ein Vorschlag gegen Regelungen der "Foundation Documents" verstößt und dann eine Mehrheit von drei zu eins Stimmen braucht.

Die Flut der Vorschläge führte zu einem Zettel mit vielen, teils kaum zusammenhängenden Optionen. Schnell flammte Kritik auf, die sich überwiegend gegen Srivastava richtet: Viele Entwickler zeigen sich mit der Bewertung der notwendigen Mehrheiten unzufrieden, andere beschweren sich über die Zusammensetzung. Pierre Habouzit treibt es auf die Spitze und forderte zum Boykott der Wahl auf, die er sinngemäß als schlechten Scherz bezeichnet [1].

Rechtfertigungsversuche

Srivastava versucht die Zusammensetzung des Ballots zu erklären und gibt den Schwarzen Peter zurück an die Entwickler: Er habe vor Wochen darauf hingewiesen, dass es möglich sei, einen Wahlzettel mit Kombinationen aus einzelnen Vorschlägen für die Abstimmung zu schaffen. Darauf hätte allerdings niemand reagiert, sodass er diesen Weg nicht weiter verfolgt habe [2]. 24 Stunden später schrieb er dann aber eine Mail, in der er seinen Rücktritt erklärt [3]: Er wisse, dass der Wahlzettel "fehlerhaft" sei, aber Fehler ließen sich korrigieren. Nicht korrigieren allerdings lasse sich das beschädigte Vertrauensverhältnis zwischen ihm und Teilnehmern an der Diskussion.

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Ausgabe 07/2013

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