Open Source im professionellen Einsatz

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Aus dem Alltag eines Sysadmin: Uptimed

Das Untoten-Komplott

Wer kann am längsten? Den Wettbewerb um bootfreie Standhaftigkeit gewannen Linux-Systeme früher locker. Heute helfen Uptime-Statistiken dem Admin beim Monitoring und Finden vertrackter Fehler.

Inhalt

68 | OTRS selber modifizieren

Das bekannteste Ticketsystem im Einsatz: Im Rechenzentrum der
Bundeswehr-Uni in München passen die Admins nicht nur
OTRS-Vorlagen an, sondern auch dessen Quelltext.

Vorbei sind die schönen Zeiten, als Server mit 1000 Tagen Uptime als Prestigeobjekte taugten, mit denen ich die Kollegen aus der Windows-Truppe neidisch machte. Wenn ich mich heute mit einem solchen Langläufer erwischen ließe, käme bestimmt die Frage, ob ich Angst vor Kernel-Updates hätte. (Die Antwort lautet: Ja! Ich benutze nämlich exotische Raid-Controller, was mir zuletzt beim Umstieg auf 2.6.27 schmerzlich auf den grazilen Fuß gefallen ist.)

Uptime kein Maßstab mehr

Security-Freaks wissen zu erzählen, welche schaurigen Exploits wahrscheinlich auf einem System funktionieren, das ein Jahr oder zwei niemand gebootet hat. Schiere Aufschneiderei kann heute also nicht der Grund sein, warum viele Admins Uptimed [1] einsetzen. Dieser Daemon protokolliert die Uptimes eines Systems über eine längere Zeitspanne. Als sinnvoll erweist er sich vielmehr für Geräte, die vom sonstigen Monitoring ausgeschlossen sind, aus räumlichen oder aus Sicherheitsgründen - da ist zum Beispiel genau zu erfahren, wann die Stromversorgung zuletzt versagt hat oder eine Hardwarekomponente abgenippelt ist.

Über die Konfigurationsdatei »/etc/uptimed.conf« kann ich Uptimeds Verhalten steuern. Mit dem Eintrag

LOG_MAXIMUM_ENTRIES=20

begrenzt das Tool die Liste der gespeicherten Uptimes auf lesbare 20 Einträge. Mit

LOG_MINIMUM_UPTIMED=12h

lege ich fest, dass der Daemon erst dann einen Eintrag schreibt, wenn der Rechner mindestens zwölf Stunden Uptime erreicht hat. Das ist sinnvoll, um die Intermezzi zwischen kurz aufeinanderfolgenden Reboots zu unterdrücken, die zum Beispiel beim Reparieren oder Neukompilieren und Ausprobieren neuer Kernelmodule (ja, mein Raid-Controller ...) entstehen.

In der Konfigurationsdatei kann ich auch Meilensteine auslegen und mich per E-Mail benachrichtigen lassen, wenn der Server einen davon erreicht.

Zeigesüchtig

Abbildung 1: Der zum Uptimed-Paket gehörige Client listet die Laufzeiten von Charlys zur Unzuverlässigkeit neigendem VDR auf. Die kurzen Uptimes, die Uprecords hier meldet, sind aber einem Testbetrieb geschuldet.

Abbildung 1: Der zum Uptimed-Paket gehörige Client listet die Laufzeiten von Charlys zur Unzuverlässigkeit neigendem VDR auf. Die kurzen Uptimes, die Uprecords hier meldet, sind aber einem Testbetrieb geschuldet.

Zum Uptimed-Paket gehört auch ein Client namens Uprecords, der die gesammelten Werte formatiert auf der Konsole ausgibt. Der Übersichtlichkeit halber habe ich in Abbildung 1 die Ausgabe mit »uprecords -s -m3« auf die letzten drei Einträge begrenzt. Dass ich dafür meinen Video Disk Recorder hergenommen habe, kommt nicht von ungefähr. Er bleibt seit einiger Zeit gelegentlich stehen, Uptimed soll mir dabei helfen, nach einem Muster oder einer Regelmäßigkeit in diesen Abstürzen zu suchen. Es gibt aber leider keine, also wird es wohl doch, wie vermutet, ein defektes Hardwareteil sein. (jk)

Infos

[1] Uptimed: [http://podgorny.cz/moin/Uptimed]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.

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