Open Source im professionellen Einsatz

25. Chaos Communication Congress

Ausverkauft

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Den Ausverkauf ihrer digitalen Bürgerrechte hatten besorgte Kongressteilnehmer sicherlich zunächst im Sinn, immerhin lautete das selbstironische Kongressmotto "Nothing to hide". Doch erst einmal sahen sie sich geschlossenen Ticketschaltern und überfüllten Sälen konfrontiert.

This room is full. Wer zu spät kommt oder einen mühsam ergatterten Platz kurzzeitig aufgibt, muss vor der Tür warten, erklärte ein handgeschriebenes Schild. Der Andrang der 4230 Besucher beim 25. Chaos Communication Congress war einfach zu groß. Die Rekordmarke veranlasste die Veranstalter gar dazu, den Verkauf von Dauertickets ab dem zweiten Tag einzustellen.

Zwischen den Kulissen

Rund 260 Helfer, Chaos-Engel genannt, unterstützten die Organisatoren, ebenso wie die diversen Teams von Freiwilligen. Dazu gehören das Network Operation Center (NOC), die eigene Netzpolizei Chaos-CERT, die Telefonzentrale POC oder die Video-Crew. Die Forschungsgemeinschaft elektronischer Medien (FEM), ein mit der Technischen Universität Ilmenau verschwägerter Verein, rückte mit elf Helfern an. Sie streamten die rund 100 Vorträge ins Netz - praktisch für alle, die keinen Zugang fanden - und zeichneten etwa 130 Stunden Videomaterial auf [1]. So viel Engagement, wie Jahr für Jahr in die Veranstaltung fließt, so gut ist jedes Mal die Stimmung auf den drei Etagen am Berliner Alexanderplatz (Abbildung 2).

Abbildung 2: Stimmungsvoll wartet „Heart of Gold“ vor dem Tagungsgebäude. Kunst und Schönheit erhebt der CCC stets zum Kongressthema.
    (Bild: © Kaspar Metz)

Abbildung 2: Stimmungsvoll wartet „Heart of Gold“ vor dem Tagungsgebäude. Kunst und Schönheit erhebt der CCC stets zum Kongressthema. (Bild: © Kaspar Metz)

Typisch für den Kongress: Wer etwas zu zeigen hat, sucht sich in den Gängen oder im Hackcenter einen Platz und erklärt seine Arbeit. Hielt Mitch Altman mit seinem Fernseh-Sabotagegerät TV-B-Gone letztes Jahr noch einen Workshop in einem separaten Raum, lud er nun zwischen Vortragssälen zum Basteln ein und erklärte Lötwilligen ohne Zwang und Schwere, was es mit Dioden und Drahtknipsern auf sich hat.

Hackerbiotope vernetzen

Mehr Orte, an denen solche Basteleien entstehen, so genannte Hackerspaces, wünschten sich Podiumsteilnehmer in einem Vortrag (Abbildung 1). Sie begreifen sich als Teil einer weltweiten Bewegung, die dafür eintritt, lokale und dauerhafte Treffpunkte für Technik-Enthusiasten und andere Kreative zu schaffen. Die Onlineplattform Hackerspaces.Org lädt zum Erfahrungsaustausch. Die Berliner C-Base, eine Mischung aus Hackertreffpunkt und Untergrundclub [2], gilt ebenso wie das Wiener Metalab als Archetyp eines Hackerspace [3].

Sie inspirierte dann auch Nick Farr vor zwei Jahren dazu, die Idee auf andere Kontinente zu tragen. Zwei CCC-Vorträge folgten, denn der Amerikaner vermisste in seinem Land vergleichbare offene Treffpunkte für Computer- und Kreativfans. Schließlich gründete er in der amerikanischen Hauptstadt Hac DC. Jacob Applebaum, auch auf dem Podium, berichtete von der ähnlichen Initiative Noisebridge aus San Francisco.

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Ausgabe 07/2013

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