Dauerbrenner OpenGL
Im Bereich 3D-Grafik setzt Linux vor allem auf OpenGL. Moderne Grafikkarten unterstützen so genannte Shader, mit denen Entwickler in der OpenGL Shading Language (GLSL) kleine Programme schreiben, die die Oberflächen der gerenderten Objekte realistischer erscheinen lassen - oder auch surrealer, je nach Vorliebe. Auch bei OpenGL gab es 2008 einen Versionssprung auf 3.0. Bisher hat nur Nvidia den Standard beinahe vollständig implementiert. Intel und ATI/AMD lassen noch auf sich warten. Vielleicht geben sich die anderen Hersteller auch zögerlich, denn viele sehen OpenGL 3.0 nicht unbedingt als großen Wurf an, gerade im Vergleich mit Direct-X 11. Auch die zähen Verbindungen der Khronos Group, die die Spezifikation pflegt, zur Community gelten als wenig förderlich für die Akzeptanz von OpenGL 3.0.
Interessant wird sicherlich die Entwicklung von OpenGL ES für Embedded-Systeme [7] vom Handy über das Internet-Tablet bis zur Handheld-Spielkonsole Open Pandora, die 2009 auf den Markt kommen sollen (Abbildung 1). 2000 Vorbestellungen gingen beim Hersteller innerhalb weniger Stunden ein [8].
Abbildung 1: Die Handheld-Spielkonsole Open Pandora soll 2009 auf den Markt kommen und mit Linux laufen.
Ewige Baustelle: Audio
Trotz der angesprochenen Konzentration auf Servertechnologien beschäftigt jeder große Linux-Hersteller auch ein paar Multimedia-Programmierer, die sich etwa um besseren Sound auf dem Desktop kümmern. Einer von ihnen ist Lennart Poettering von Red Hat, der vor Kurzem auf der Linux Plumbers Conference den Zustand von Linux-Audio als "mess" (riesiges Durcheinander) bezeichnet hat. Er ist Autor des neuen Sound-Daemon Pulseaudio, der mittlerweile in den meisten Distributionen standardmäßig läuft. Zunächst hat er dem "mess" noch ein Stück hinzugefügt, hofft aber langfristig mit der Unordnung aufzuräumen.
Im professionellen Linux-Audio-Feld hat sich aber längst der Audioserver Jack etabliert, der im Echtzeitmodus die nötigen niedrigen Latenzzeiten bringt. Es gibt auch ein Pulseaudio-Plugin, um sich mit Jack zu verbinden, aber da wird die Situation für den durchschnittlichen Anwender, selbst den Server-Admin, schon unübersichtlich. Darunter liegt die Alsa-Soundschicht, die selbst eine Vielzahl virtueller Devices anlegt. Für Programmierer gibt [9] einen guten Überblick der verschiedenen Sound-APIs.
Wer wirklich professionelle Audioprogramme verwenden will, kommt auch im Jahr 2009 nicht um Jack herum. Leider sucht man eine benutzerfreundliche Einbindung des Jack-Servers in aktuellen Distributionen vergebens. Meist muss der Benutzer wegen nötiger Rechte wieder auf den Root-Account ausweichen und gefährdet durch die Anfälligkeit des Realtime-Mode die Systemstabilität.
Eine Alternative dazu gibt es nicht, denn praktisch alle brauchbaren Audioprogramme verwenden heute die Jack-Schnittstelle. So auch das Vorzeigestück Ardour, ein Multitrack-Schnittprogramm, das es in der School of Audio Engineering in einer sonst identischen Version auf den Mac geschafft hat. Warum die Schule eine offensichtlich geeignete Software auf einem anderen als dem Entwicklungssystem einsetzt, muss offen bleiben.
Weil Lennart Poettering immer noch unzufrieden mit dem aktuellen Zustand von Linux-Audio ist, entwickelt er fleißig weiter Ideen, so sein Konzept des "glitch-free", also aussetzerfreien Pulseaudio-Servers [10]. Erster Code ist bereits im Subversion-Repository zu besichtigen. Hoffentlich hat Poettering mit seiner Mission Erfolg, sonst steht irgendwann doch noch ein komplettes Rewrite des Alsa-Subsystems an. Denn aussetzerfreier Sound ist mit Linux auch 2009 nicht selbstverständlich. (O. Frommel)
| Infos |
|---|
| [1] Blog von Mike Melanson: [http://blogs.adobe.com/penguin.swf] [2] Firefox 3.1 Beta 2: [http://www.linux-magazin.de/news/firefox_3_1_beta_2_demonstriert_neue_features] [3] Hilfe für Gnash: [http://www.linux-community.de/Internal/Nachrichten/LinuxFund.org-sammelt-Geld-fuer-Gnash-Player] [4] Theora 1.0: [http://www.xiph.org/press/2008/theora-release-1.0] [5] Probleme mit Ogg/Theora-Files: [http://lists.xiph.org/pipermail/ogg-dev/2008-November/001244.html] [6] Dirac: [http://diracvideo.org] [7] OpenGL ES: [http://www.khronos.org/opengles] [8] Open Pandora: [http://openpandora.org] [9] Sound-APIs: [http://0pointer.de/blog/projects/guide-to-sound-apis.html] [10] Glitch-free Audio: [http://0pointer.de/blog/projects/pulse-glitch-free.html] |
Diesen Artikel als PDF kaufen
Express-Kauf als PDF
Umfang: 2 Heftseiten
Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)
Als digitales Abo
Weitere Produkte im Medialinx Shop »
Versandartikel
Onlineartikel
Alle Rezensionen aus dem Linux-Magazin
- Buecher/07 Bücher über 3-D-Programmierung sowie die Sprache Dart
- Buecher/06 Bücher über Map-Reduce und über die Sprache Erlang
- Buecher/05 Bücher über Scala und über Suchmaschinen-Optimierung
- Buecher/04 Bücher über Metasploit sowie über Erlang/OTP
- Buecher/03 Bücher über die LPI-Level-2-Zertifizierung
- Buecher/02 Bücher über Node.js und über nebenläufige Programmierung
- Buecher/01 Bücher über Linux-HA sowie über PHP-Webprogrammierung
- Buecher/12 Bücher über HTML-5-Apps sowie Computer Vision mit Python
- Buecher/11 Bücher über Statistik sowie über C++-Metaprogrammierung
- Buecher/10 Bücher zu PHP-Webbots sowie zur Emacs-Programmierung
Insecurity Bulletin
Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...





