Dotnet und OOXML
Selbstverständlich bemüht sich Novell auch um Interoperabilität mit der Software des Partners Microsoft. Den kommenden Enterprise-Server sieht Dyroff auch als attraktives Angebot für Kunden, die eine Plattform für ihre ASP.net-Anwendungen suchen - das Novell-Produkt Mono mache das möglich.
Samba wird sowohl in Version 3 als auch in 4 im SLES enthalten sein, bis das Upstream-Projekt selbst die beiden Zweige vereinigt. Das Enterprise-Suse kann dank Samba-4-Bibliotheken auf Shares in einer Windows-Domain zugreifen, die bewährte Version 3 dient zum Betrieb von Datei- und Druckdiensten. Linux als Windows-Domain-Controller wird es nicht vor dem Merger geben.
Ein weiteres Detail: Die Novell-Entwickler haben den Gnome-Dateibrowser im Suse Linux Enterprise Desktop (SLED) so erweitert, dass er auf Microsofts Sharepoint-Server zugreifen kann. Open Office, das in der Novell-Edition schon länger OOXML-Dokumente öffnen kann, wird aus dem Upstream auf Version 3.0 aktualisiert.
Mit diesen Details möchte der Hersteller Kunden entgegenkommen, die wegen der Lizenzkosten bereits Arbeitsplätze mit Linux und Open Office ausgestattet haben, aber ansonsten Microsoft-Dienste und -Formate weiter betreiben. Ebenso wichtig bleibt für diese Zielgruppe der Evolution-Anschluss an Exchange. In virtualisierten Szenarien soll sich SLES als "perfekter Gast" auf VMware, Xen und Microsofts Hyper-V erweisen. In der Just-Enough-OS-Ausgabe dient es als Basis für virtuelle Appliances, die sich in Zukunft auch über den Service Suse Studio erzeugen lassen, der sich derzeit im Alphastadium befindet. Das Ziel: Suse Linux Enterprise überall. Die strategische Vorgabe "Ubiquity" bedeutet, vom Mainframe bis zum kleinen Mobilgerät soll SLES/SLED allerorten laufen. Lediglich unterhalb der Intel-basierten 7-Zoll-Netbooks zeigt Novell kein Interesse.
Warten auf den großen Entwicklungssprung
Das nächste Enterprise-Linux aus dem Hause Red Hat dagegen ist laut Produktmanager Daniel Riek wohl Anfang 2010, aber nicht mehr 2009 zu erwarten: "Eine solche Major Release muss technologisch ein wirklich großer Sprung sein." Darunter versteht er einen neuen Memory-Manager, einen neuen Scheduler, deutlich verbessertes Powermanagement und den Einsatz einer neuen GCC-Version.
Daneben sieht Red Hat als Linux-Dateisystem der nächsten Generation Ext 4 vor. Nach der - konservativen - Einschätzung des Linux-Distributors ist die Alternative Btrfs zur geplanten Fertigstellung von RHEL 6 noch nicht produktionsreif. Auch bei den anderen Punkten wartet die Firma offenbar noch die Upstream-Entwicklung ab, bevor sie die Software in ihre nächste Major-Ausgabe packt.
In der Zwischenzeit wird Red Hat in Minor Releases aber einiges tun, um die Business-Kundschaft mit frischer Technologie zu versorgen. Als nächste Aufgabe in der Hardware-Unterstützung steht Intels neue Mikroarchitektur Nehalem an, mit der der Chiphersteller mit AMDs Barcelona-CPU gleichziehen möchte. Riek betrachtet 2009 als das Jahr, in dem 64-Bit-x86-Rechner die Features großer Unix-Server bieten. Der Nehalem-Support soll mit den RHEL-Releases 5.3 und 4.8 geliefert werden.
Als nächste Neuerung plant Red Hat den Wechsel der Virtualisierungstechnologie von Xen zu KVM (siehe Artikel zur Virtualisierung). Im Gegensatz zu Xen sei KVM "eine langfristige Architektur, die upstream von der Kernel-Community gepflegt wird", erläutert Riek. Den Übergang soll die Bibliothek Libvirt [5] glätten. Die LGPL-Software verwaltet das Gastbetriebssystem und verdeckt dabei als Abstraktionsschicht die Implementierungsdetails der Virtualisierungslösung.
Auf dieser Basis plant Red Hat für die erste Jahreshälfte 2009 eine Betriebssystem-Release mit dem Arbeitstitel Ovirt [6]. Ziel der Entwicklung, die derzeit mit dem Community-Linux Fedora stattfindet, ist ein abgespecktes Betriebssystem-Image von rund 100 MByte, das nur als Host für KVM und Libvirt dient - für Kunden, die einfach nur virtuelle Systeme auf Hardware bringen möchten. Ovirt (Abbildung 2) ist GPL-lizenziert, eine stabile Version soll in RHEL eingehen.
Abbildung 2: Im Ovirt-Projekt entwickelt Red Hat ein schlankes Betriebssystem, das lediglich Träger für die Virtualisierungslösung und die passenden Management-Tools sein soll.
Virtualisierung ist eine Option für Kunden, die ungern eine bewährte Kombination von Anwendung und Betriebssystem-Release ändern. Da auch sie neue Hardware anschaffen, mit der ein älteres Linux nicht umgehen kann, macht Red Hat hier Angebote. Bereits jetzt erhalten RHEL-Versionen vier Jahre lang Updates der Hardware-Unterstützung. Als Neuerung gibt es eine Garantie in Sachen Virtualisierung: Eine RHEL-Release ist während ihres Lifecycle von sieben Jahren auf jedem veröffentlichten Red-Hat-Hypervisor lauffähig. Das heißt beispielsweise, RHEL 3 wird als Gast auf Ovirt funktionieren.
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