Open Source im professionellen Einsatz

Handbuch-Mangel

Lx-Office ist auf Anhieb intuitiv bedienbar, gut lokalisiert und bestätigt den ersten Eindruck, dass die meisten Funktionalitäten vorhanden sind, die man von einem ERP-System erwartet. Leider fehlt ein vollständiges, frei zugängliches Handbuch, das dem Anwender über die Problemstellen des Systems hinweghelfen könnte.

Außer Konkurrenz:
Kraft

Die KDE-Anwendung mit Namen Kraft [8] stammt von den deutschen Entwicklern Klaas Freitag und Johannes Spielhagen und beschreibt sich als "kleine Geschäftskorrespondenz für den KDE-Desktop". Freitag sträubte sich ein wenig, sein Programm in den Vergleich mit ausgewachsenen ERP-Systemen zu schicken. Dennoch hat der Novell-Angestellte für die DELUG-DVD dieser Magazin-Ausgabe eine Live-CD-Version mit Suse Studio gebaut.

Kraft 0.31 präsentiert sich schlicht und einfach: Mit dem Klick auf »Create Document« öffnet sich ein Auswahlfenster mit Dropdown-Menü. Die Mischung aus deutschen und englischen Ausdrücken irritiert zunächst, bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus: Es handelt sich um drei Optionen, die sich dem Anwender zunächst in Englisch »Offer«, »Acceptance of Order« und »Invoice« anbieten, darunter das Gleiche auf Deutsch. Das sprachliche Durcheinander findet sich gelegentlich wieder, beispielsweise die Angabe »Rechnung from 12. Dezember«.

Zur Adresseneingabe nutzt Kraft Bewährtes und importiert die Daten aus dem KDE-Adressbuch von Kontact. Wer kein mit Firmenbriefkopf bedrucktes Briefpapier verwendet, hinterlegt hier auch die Absenderadresse. Eingabefelder zu buchhaltungstechnisch relevanten Angaben wie Steuernummer oder Bankverbindung kann der Anwender selbst definieren und ergänzen. Die Vorlagenformate selbst sind nicht veränderbar, aber über die Kopf- und Fußzeilen lassen sich individuelle Texte ergänzen. Der Klick auf den Button mit dem Druckersymbol liefert eine Dokumentvorschau.

Das größte Plus: Für den steuertechnisch korrekten Rechnungsversand bringt ausgerechnet das kleinste Programm den professionellsten Mechanismus mit: Dank KDE-Einbindung liefert das Programm Kontact eine Standardeinstellung, in der sich E-Mails signieren und/oder verschlüsseln lassen. Außerdem sind die Rechnungen gesetzeskonform automatisch fortlaufend und lückenlos nummeriert.

Das größte Manko der aktuellen Version: Der Steuersatz ist mit 19 Prozent fest hinterlegt und addiert sich automatisch zu den Nettobeträgen hinzu, andere Möglichkeiten sind derzeit nicht vorgesehen. Laut Freitag soll sich dies mit der nächsten Release ändern.

Abbildung 3: Dank KDE-Integration verschickt Kraft per Kontact signierte Mails.

Abbildung 3: Dank KDE-Integration verschickt Kraft per Kontact signierte Mails.

Vtiger 5.0.4

Die Installation [5] der LAMP-Anwendung Vtiger in Version 5.0.4 verläuft einigermaßen reibungslos. Die deutsche Lokalisierung verlangt manuelles Kopieren im Verzeichnisbaum und einige Einträge in Textdateien [6]. Leider eignet sich die Weboberfläche des Systems nicht für die Darstellung bei einer Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln: Die ausgeklappten Menüpunkte am rechten Bildschirmrand verschwinden im Nirgendwo.

Bei einem ersten Blick auf die Oberfläche fällt die starke Vertriebsorientierung von Vtiger auf, bis in sprachliche Details hinein: In den Menüs »Marketing« und »Vertrieb« heißen die Kontakte neudeutsch »Leads«, zusätzlich stehen Organisationen und Personen zur Wahl. In allen dreien sind Beispieldateien angelegt, die sich einfach ergänzen lassen. Zunächst sind die für schnelle Kontaktaufnahme relevanten Daten wie Telefonnummer und E-Mail-Adresse zu sehen, auf Mausklick erscheinen die weiteren Datenfelder.

Abbildung 4: Bei der Rechnungserstellung bietet Lx-Office zahlreiche Optionen. Es eignet sich auch, um Softwarelizenzen abzurechnen.

Abbildung 4: Bei der Rechnungserstellung bietet Lx-Office zahlreiche Optionen. Es eignet sich auch, um Softwarelizenzen abzurechnen.

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