Open Source im professionellen Einsatz

Selbstlose Landvermesser

Das normalerweise umfangreiche und teure Erfassen der Daten übernimmt bei Openstreetmap eine Heerschar von Freiwilligen, die in der Regel weder extra ausgebildet sind noch auf spezielles Hightech-Equipment zurückzugreifen. Das steht zwar komplett konträr zu eingespielten Abläufen kommerzieller oder amtlicher Geodatenanbieter, entspricht aber dem typischen Prosumer-Ansatz des Web 2.0.

Die wahre Stärke von Openstreetmap und ähnlichen Projekten liegt in der großen und aktiven Community, die das gemeinsame Ziel einer weltweiten, freien Wiki-Karte antreibt. Damit hat Openstreetmap tatsächlich das Potenzial, künftig sowohl quantitativ als auch qualitativ neue Meilensteine der Verfügbarkeit digitaler Geodaten zu setzen. Schon heute geraten die Genauigkeit und Aktualität im Bereich der Fußgänger- oder Fahrradnavigation beeindruckend, zumindest solange Benutzer sich in Großstädten und deren Gürteln bewegen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Openrouteservice bietet auch Routingfunktionen für Fahrradfahrer und Wanderer, in manchen Umgebungen sogar schon Indoor-Routen.

Abbildung 5: Openrouteservice bietet auch Routingfunktionen für Fahrradfahrer und Wanderer, in manchen Umgebungen sogar schon Indoor-Routen.

Marktwirtschaftlich unmöglich

Die dafür notwendigen umfangreichen Geodaten unter marktwirtschaftlichen Bedingungen zu erfassen und zu betreuen wäre für ein Unternehmen unverhältnismäßig aufwändig und sehr schwer erfolgreich zu vermarkten. Im idealen Prosumer-Modell steigt dagegen die Qualität der Informationen in einem ständigen Wiederholungszyklus von Überprüfen und Verbessern kontinuierlich.

Dass die Commons Based Peer-Production [5] funktioniert, hat bereits die Online-Enzyklopädie Wikipedia gezeigt, Collaborative-Effort-Projekte wie OSM profitieren jetzt auch von Erfahrungen, die die Online-Enzyklopädie in den letzten Jahren machte. Getreu dem Wiki-Begründer Ward Cunningham folgt auch Openstreetmap dem Prinzip: Do the simplest thing that could possibly work. Jeder darf mitmachen, jeder kann Daten, die er für wichtig hält, einpflegen, seine oder andere Daten verändern, verbessern oder auch löschen. Eine strikte Organisation oder Bürokratie existiert nicht, die Registrierung per E-Mail-Anmeldung reicht völlig.

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