Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2009

Bücher über Kollektive Intelligenz und Tests mit Selenium

Tux liest

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Das Linux-Magazin hat sich ein Buch zum ungewöhnlichen Thema kollektive Intelligenz angesehen, das nicht nur Theorie, sondern auch praktische Programmieraufgaben enthält. Der zweite Titel behandelt das automatisierte Testen von Webanwendungen mit dem Tool Selenium.

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Wenn ein Online-Shop unter dem Motto "Das könnte Sie auch interessieren" Artikel vorstellt, dann nutzt das Portal dazu Daten aus dem Kaufverhalten bisheriger Kunden. Die Technik, aus bekannten Vorlieben (den bereits betrachteten Artikeln) auf unbekannte zu schließen, heißt kollaboratives Filtern, ein Beispiel für kollektive Intelligenz.

In der Informatik steht dieses Schlagwort für Verfahren, die aus großen Mengen statistischer Daten auf bisher Unbekanntes schließen. Sie stellt Toby Segaran in seinem Buch "Kollektive Intelligenz" im Verlag O\'Reilly vor.

Das Buch führt den Leser dabei von einfachen Bayes-Klassifikatoren in trainierbaren Spamfiltern bis zu komplexen Strategien maschinellen Lernens wie genetischen Algorithmen, neuronalen Netzen oder Support-Vektor-Maschinen. Alle Rechenverfahren unterfüttert der Autor mit Python-Codebeispielen.

Handfeste Aufgaben

Info


Toby Segaran:

Kollektive Intelligenz analysieren, programmieren und nutzen

O\'Reilly, Köln, 2008

400 Seiten, 45 Euro ISBN 978-3-89721-780-5

Das Buch nennt außerdem eine Reihe von Internetportalen, die anonymisierte Daten ihrer Benutzer in XML-Form über offene APIs zur Verfügung stellen. Segaran nutzt sie als Testmaterial für den entwickelten Programmcode. Da jedes Kapitel zudem mit Übungsaufgaben schließt, vermittelt es, grundlegende Python-Kenntnisse beim Leser vorausgesetzt, Wissen zum Anfassen. Wer ein konkretes Projekt plant, wird die Codebeispiele zu schätzen wissen. Doch auch für Leser, die sich bloß überblickshaft informieren möchten, bringen sie mehr als langatmige Erklärungen.

Der Autor setzt keine besonderen mathematischen Kenntnisse voraus. Wer grundlegende Programmierkenntnisse hat, kann gut folgen. Das Buch bietet einen interessant gewählten Querschnitt des Themas und vergisst beim Erläutern der Rechenverfahren nie, konkrete Anwendungen vorzustellen. Außer einer nutzbringenden Einstiegslektüre für den Programmierer eines Online-Shops spricht es daher auch Leser an, die einfach wissen möchten, wie Rechner dazu in der Lage sind, Börsenkurse oder einfach nur das Wetter vorherzusagen.

Testroboter fürs Web

Info


Michael Kain:

Selenium

Open Source Press, München 2008

220 Seiten, 25 Euro

ISBN 978-3-937514-57-4

Selenium [http://selenium.openqa.org] heißt eine Sammlung von Programmen, die das Testen von Webanwendungen per Browser automatisieren. Das gleichnamige Taschenbuch aus dem Verlag Open Source Press beginnt mit einem Überblick der Selenium-Komponenten, von denen die wichtigsten die Selenium IDE zum Aufnehmen und Abspielen von Tests sowie die zentrale Javascript-Bibliothek Selenium Core sind.

Anschließend gibt es ein wenig Hintergrund zum Testen von Software. Leser, die rasch zum praktischen Teil vordringen möchten, finden mit Kapitel 3 einen Schnelleinstieg. Nach der simplen Installaltion der Selenium IDE als Firefox-Erweiterung geht es hier bereits an das Aufnehmen, Abspielen und Modifizieren erster Tests. Mit Bedacht ausgewählte Screenshots unterstützen die Anleitung.

Danach präsentiert der Autor das Quelltext-Format, in dem Selenium die Tests abspeichert: Selenese heißt die Sprache, eine erstaunlich gut lesbare Mischung aus HTML, XPath und weiteren Zutaten. Kapitel 4 kommt angenehm umstandslos zur Sache und verweist gleichzeitig auf weiterführende Literatur im Web.

Portionsweise Auszüge aus der Selenese-Kommandoreferenz geben dem Leser Befehle für Links, Formulare, Auswahlen und Cookies an die Hand, eines nach dem anderen. Die so genannte Assertions (Behauptungen) beschreiben das Soll-Verhalten der Web-Anwendung, beispielsweise die Ausgabe bestimmter Zeichenketten oder das Vorhandensein definierter HTML-Elemente und -Attribute.

All das beschreibt Michael Kain kurz, aber griffig. Der Zielgruppe Webentwickler, die bereits fortgeschrittene Kenntnisse in Javascript, HTML/XML und DOM besitzen, verschafft das schlanke Buch schnell Zugang zum Testwerkzeug Selenium. Zum Schluss gibt der Autor einen Ausblick auf Schnittstellen für Programmiersprachen wie PHP, C# und Ruby sowie auf das Testen umfangreicher Websites mit Hilfe mehrerer Rechner und der Komponente Selenium Grid.

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