Open Source im professionellen Einsatz

Beispiele für die Produktwahl

Eine Liste von Open-Source-Projekten zusammenzustellen, die sich für den Unterricht eignen, ist praktisch nicht möglich - zu groß ist einerseits die Zahl in Frage kommender Themen, andererseits die Zahl der verfügbaren Projekte. Ein Blick auf Sourceforge und vergleichbare Seiten verweist zu praktisch jedem Thema auf passende Software. Für einen Unternehmenseinsatz sind jedoch die allermeisten nicht geeignet.

Wenn also schon keine erschöpfende Zusammenstellung möglich ist, so können doch einige Beispiele die Auswahl auch in anderen Themengebieten vereinfachen. Die jeweils genannten Projektnamen sind dabei nur als prominente Exempel zu verstehen - meist sind weitere Alternativen verfügbar. Alle Beispiele beziehen sich auf den wirtschaftswissenschaftlichen Bereich - für andere Disziplinen mag die Aufstellung nur bedingt übertragbar sein.

Den Beispielen ist darüber hinaus eines gemeinsam: Nicht eine lose Gemeinschaft weltweit verstreuter Feierabend- Entwickler steuert die Projekte, sondern es sponsert schwerpunktmäßig ein Unternehmen, das selbst durchaus kommerzielle Interessen verfolgt. Dieses Konzept ist in der Open-Source-Welt nicht unumstritten, allerdings hat es sich als Erfolgsmodell erwiesen, wenn es um die gezielte Entwicklung von produktiv einsetzbarer Software geht. Dafür ist eine Reihe von Gründen verantwortlich:

Klare Zielsetzungen: Red Hat und Canonical (Ubuntu) beispielsweise haben im Bereich der Betriebssysteme mit ihren Linux-Distributionen bewiesen: Ein kommerziell agierendes Unternehmen setzt seinen steuernden Einfluss so ein, dass das Produkt möglichst schnell den von ihm als bedeutsam erachteten Qualitätskriterien entspricht. Wichtige Funktionen werden implementiert, auch wenn sich kein Entwickler aus eigener Initiative dazu berufen fühlen sollte.

Dokumentation: Das größte Problem vieler Open-Source-Projekte ist die mangelhafte Dokumentation, Systementwickler mit Interesse an der Erstellung und Pflege einer aktuellen und hilfreichen Dokumentation haben Seltenheitswert. Ein Unternehmen als Treiber eines solchen Projekts hat die Möglichkeit, dafür Mitarbeiterkapazität einzuplanen. Das ist im unmittelbaren Unternehmensinteresse, weil es die Einsetzbarkeit der Software bei neuen Anwendern fördert und so Servicepotenzial schafft.

Entwicklungskapazität: Viele Feierabendprojekte starten mit großem Enthusiasmus, versanden dann aber recht schnell, wenn die tägliche Mühe der Softwarepflege die Adrenalinschübe der ersten Versionen dämpft. Eine Sortierung zum Beispiel der Sourceforge-Projekte nach dem Datum des letzten Beitrags zeigt das sehr deutlich. Auch hier haben Unternehmen bessere Möglichkeiten: Eine gut kalkulierte Planung und die Auswahl der richtigen Mitarbeiter sind eine tragfähige Grundlage für eine langfristige Projektarbeit.

Betriebssysteme

Das Reizthema Betriebssysteme verliert in den letzter Zeit aus zweierlei Gründen an Bedeutung: Einerseits lehnen sich die Alternativen der weitverbreiteten Windows-Familie, im wesentlichen Apple und Linux, sehr an die den Anwendern bekannte Oberfläche an (zumindest sind entsprechende Linux-Konfigurationen verfügbar). Der Lernaufwand beim Wechsel zwischen diesen Systemen ist häufig auch nicht größer als der beim Wechsel beispielsweise von XP zu Vista. Andererseits ist heute davon auszugehen, dass praktisch alle Studierenden zu Hause Zugriff auf einen Rechner haben - das ist meist ein Windows-System. Den Umgang mit dem Computer an sich müssen sie also nicht mehr üben.

Wenn die Hochschule in dieser Situation ein weniger verbreitetes, aber durchaus mit Vorteilen versehenes Betriebssystem behandelt, dann kann das den Studierenden neue Erkenntnisse bringen und Denkanstöße liefern. Schließlich steigt inzwischen auch in den Unternehmen der Anteil der Arbeitsplätze, für die Windows nicht mehr zwingend notwendig ist.

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Ausgabe 07/2013

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