Open Source im professionellen Einsatz

Wichtige Schnittstellen

Der Reifegrad proprietärer Standardsoftware-Lösungen ist im Vergleich zu BOSS oft höher. Auch bildet sie eine Vielzahl branchen- und landesspezifischer Details ab, da die Hersteller seit Jahren in Kooperationen mit Anwendern deren Anforderungen aufnehmen und in neue Releases einbringen. Auf diese langjährige Erfahrung kann der Open-Source-Bereich noch nicht zurückgreifen.

So mangelt es dort oft daran - wie aus Forenbeiträgen hervorgeht -, diese Anforderungen auch umzusetzen. Beispielsweise unterstützen noch nicht alle Anwendungen Schnittstellen zu Datev oder HBCI. Durch ein über viele Jahre gewachsenes Vertriebs- und Partnersystem bieten klassische Standardsoftware-Anbieter ihren Kunden meist zusätzliche Vorteile. Den Effekt bezeichnen Ökonomen als höhere direkte und indirekte Netzeffekte.

Ökonomische Theorie

An die Auswahl eines quelloffenen ERP-Systems können IT-Verantwortliche gleichwohl ähnlich wie an die Entscheidung für ein proprietäres System herangehen. Beispielsweise unterstützen Standard-Analyseverfahren wie Scoring-Modelle den Prozess, die individuellen Anforderungen zu ermitteln. Ein Vorteil einer Open-Source-Lösung ist, dass die Basisversionen - wie dargestellt - uneingeschränkt verfügbar sind. Dies ermöglicht einen detaillierten Einblick in die Funktionsweise und Technik des vorliegenden Systems. Diese Transparenz erleichtert die Bewertung, ohne dass hohe Kosten bei Fehl- oder Alternativentscheidungen anfallen. Die Total Cost of Exit bleibt so überschaubar.

Insgesamt besteht durchaus Anlass, um optimistisch zu sein, dass BOSS zukünftig eine wichtige Rolle auf dem ERP-Markt spielt. Jenseits der bisher dargestellten potenziellen Vor- und Nachteile für Anwender lohnt sich jedoch ein Blick in die ökonomische Theorie, um die Chancen für BOSS besser einschätzen zu können. So gelten auf Softwaremärkten besondere Spielregeln, die sich unter anderem aus der Existenz so genannter Netzeffekte ergeben [6]. Diese ergeben sich - vereinfacht ausgedrückt - dadurch, dass der Nutzen einer Software oder eines Standards nicht nur von der Funktionalität, sondern darüber hinaus von der Gesamtzahl der Anwender abhängt.

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