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44 | Projekteküche
Mac4Lin bringt Fensterdekoration, GUI-Stil, Schriftarten und das
Dock von Mac OS X auf den Linux-Desktop. PDFsan bearbeitet PDFs nach einem neuartigen Lizenzmodell.
48 | Tooltipps
Todo-Listen auf der Konsole verwalten, Programmausgaben
einfärben, massenweise Dateien umbenennen und Ports verschlüsselt tunneln.
52 | Bitparade
Drei Videoschnittprogramme im Vergleich - die besten freien Lösungen in einem heiklen Softwaresegment.
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Ein Stoßseufzer in der Redaktion: Das Videoschnittprogramm Kdenlive ist schon wieder abgestürzt. Ein wichtiges Subsystem, Ffmpeg bietet in der installierten Fassung eine benötigte Funktion nicht, das Programm bemerkt das jedoch nicht beim Übersetzen, sondern erst, als der Tester einen Dialog öffnet. Wieso war die Minimalversion der Komponente eigentlich nicht in der Dokumentation als notwendig aufgeführt? Der verzweifelte Kollege hört sich bei Entwicklern und Community um. Letztere, das Ffmpeg-Team, tut auf seiner Website kund, keine Releases anzubieten, dafür aber tagesaktuellen Zugriff auf ihr Subversion-Repository zu erlauben [1].
Unkooperativer Code
Schade, denn Peter Kreußel hätte sich gerne mehr mit den Features von Videoschnittprogrammen befasst statt sich mit ihrer Installation aufzuhalten (siehe Beitrag "Bitparade: Drei Videoschnittprogramme im Test" auf Seite 52). Schade, denn die Kollegen aus der Newsredaktion hätten das Interview mit Sebastian Nystrom, Chef von Nokias neuem Spielzeug QT Software [2], lieber mit einem Linux-Programm statt mit der proprietären Apple-Software Imovie geschnitten. Apple ändert nämlich manchmal ohne Vorwarnung die mitgelieferten Codecs. Allem Anschein nach bleibt Multimediasoftware unter Linux wohl bis auf Weiteres Software von Entwicklern für Entwickler.
Intels Chefpromoter für Linux brachte indes die Sichtweise der Anwender auf den Punkt: "Wir dürfen in der Community nicht nur Software für uns selbst schreiben", sagte Dirk Hohndel auf dem Linux-Kongress (siehe Bericht auf Seite 22). Anwendungen und Geräte sollten auch von Eltern, Kollegen außerhalb der IT oder in Schulen einsetzbar sein. Von normalen Benutzern eben.
Gute Lösung
Die Forderung ist unter Entwicklern bekannt, aber unpopulär. "Mich interessiert vor allem die Technik", sagt etwa Linus Torvalds. Das ist verständlich und sein gutes Recht, schon weil es sich um Open Source handelt. Dass dies in Bezug auf Kompetenz und fachliche Qualität keine Einschränkung bedeuten muss, haben viele offene Projekte bereits unter Beweis gestellt.
So gibt es viele gute Groupwarelösungen für Linux - nur reden sie weder untereinander noch mit den brandneuen Linux-Mobiltelefonen. Da gibt es Treiber und Patches für fast jede WLAN-, Audio- und Grafikkarte, aber dennoch gleicht das Aufspielen einer neuen Distro-Release manchmal einer Expedition in unerforschte Regionen. Auch erfahrene Anwender zittern, ob die neue Software ihre alte Hardware unterstützt.
Genug genörgelt. Wer sich als Teil eines Ökosystems begreift, sollte die verschiedenen Rollen akzeptieren, die dies mit sich bringt. Da sind die Entwickler, die Distributoren, die Anwender. Wenn die mit genügend gegenseitigem Verständnis zusammenarbeiten, lassen sich die Ausflugsvideos auch unter Linux schneiden. Irgendwann oder bald. (pkr)