Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2008

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

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Tofu 2.3


Todo-Liste für die Konsole

Quelle: [http://requiescant.tuxfamily.org/tofu/index.html]

Lizenz: MIT

Alternativen: Tudu

Jede Groupware oder PIM-Anwendung bietet Todo-Listen. Einen ganz anderen Ansatz als die umfangreichen grafischen Anwendungen wie Kontact oder Evolution verfolgt die leichtgewichtige, in Perl geschriebene Software Tofu. Sie verwaltet Tasklisten auf der Konsole. Die Befehls-, nicht Menü-gesteuerte Bedienung ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Das Programmarchiv liefert jedoch eine vollständige Manpage und ein Tutorial (Datei »PLAY«) mit.

Tofu teilt die Aufgaben in Stacks genannte Kategorien ein. Jeden Stack bildet die Software in einem eigenen Verzeichnis im Home des Benutzers ab, jede Task als darin abgelegte Textdatei. Neue Stacks erzeugt der Anwender mit Hilfe eines Perl-Skripts mit dem eigenwilligen Namen »playground«. Mit einer spezifischen Query-Syntax wählt der Benutzers Tasks aus, mit Action-Befehlen editiert er sie. Die Software unterscheidet zwischen den Prioritätsstufen »cool«, »warm» und »hot«. Marker unterteilen die Tasks eines Stack in Untergruppen. Zur Textbearbeitung greift Tofu standardmäßig auf Vi zurück. Der Benutzer kann den Editor-Aufruf aber im Perl-Code anpassen. Eine Erinnerungsfunktion bietet Tofu nicht.

**--- Tofu bietet auf der Konsole alle Funktionen einer guten Todo-Listenverwaltung - bis auf eine Benachrichtigung. Die Bedienung ist allerdings etwas anstrengend.

Logapp 0.10


Logging-Wrapper für Programme

Quelle: [http://sourceforge.net/projects/logapp/]

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Logger

Konsolenprogramme wie Make oder Subversion überfordern das menschliche Auge mit der Textflut, die sie erzeugen. Wer die Rückgabe dieser Programme schon zur Laufzeit überblicken möchte, sollte Logapp benutzen. Startet der Benutzer ein Konsolenprogramm mit Logapp als Wrapper, so landet der ausgegebene Text wie beim Einsatz von »tee« auf der Konsole und zusätzlich in einer Logdatei.

Anders als »tee« bereitet jedoch Logapp den Text vor der Anzeige auf. Der Kommandozeilenaufruf oder eine Konfigurationsdatei legen über reguläre Ausdrücke Schlüsselwörter fest, die Logapp einfärbt. Stdout und Stderr lassen sich zudem unterschiedliche Farben zuweisen. So findet der Anwender zum Beispiel beim Kompilieren mit Make leichter Fehlermeldungen. Auf Wunsch zeichnet die Software außerdem für jede Zeile die Microtime auf oder filtert den Text mit externen Anwendungen oder Skripten. Zudem rotiert sie Logfiles und beschneidet die Länge der Textzeilen für bessere Lesbarkeit.

***-- Logapp hilft bei geschwätzigen Konsolen-Tools wie Make zur Laufzeit die Übersicht zu behalten. Zusätzlich verwaltet die Software Logdateien, was den Vergleich beim Ausprobieren unterschiedlicher Szenarien erleichtert.

Elinks 0.11.5


Webbrowser für die Konsole

Quelle: [http://elinks.cz]

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Lynx, W3m

Konsolen-Anhänger schätzen Textkonsolen-basierte Browser schon deswegen, weil sie ihnen zuckende Werbebanner zuverlässig vom Leib halten. Auch weniger der Konsole zugeneigte Computerbenutzer ziehen sie heran, um im Internet Dokumentationen zu durchstöbern, wenn die grafische Oberfläche gerade nicht verfügbar ist. Mit Elinks existiert ein Konsolen-basierter Webbrowser, der CSS und Javascript interpretiert und so auch aktuelle Webseiten auf der Konsole lesbar wiedergibt.

Anders als die X11-basierten Verwandten steuert der Anwender Elinks mit Tastaturkürzeln, die sich an die für GNU-Tools gängigen Konventionen anlehnen. Außerdem aktiviert [F10] eine Leiste mit Pulldown-Menüs für Datei-Operationen, Ansichtsoptionen, Bookmarks und Einstellungen. Wer Gpm installiert, kann auch via Maus navigieren. Selbst auf das gewohnte Tabbed Browsing muss der Anwender bei Elinks nicht verzichten. Mit den entsprechenden Optionen kompiliert, versteht das Programm auch das SMB-Protokoll und startet bei Bittorrent-Links einen auf dem System installierten Torrent-Client.

****- Elinks stellt Webseiten wesentlich lesbarer dar als Lynx, der Urvater der textbasierten Browser. Von Bildern und Werbe-Popups abgesehen bildet der Webbrowser die Seiten verlustfrei ab.

Dstat 0.6.8


Systemanalyse-Tool

Quelle: [http://dag.wieers.com/home-made/dstat/]

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Sysstat, Net-Tools, Procps

Dstat vereint die Funktionen etlicher bekannter Systemanalyse-Tools wie Iostat, Ifstat, Vmstat oder Netstat. Es vereinfacht damit das gleichzeitige Überwachen wichtiger Systemparameter wie CPU-Auslastung, Speicherverbrauch, Swap-Aktivität oder Netzwerk-Traffic. Dstat fragt dabei alle Werte exakt im gleichen Zeitfenster ab, was genauere Last-Tests ermöglicht, als wenn mehrere Monitoring-Werkzeuge nebeneinanderher laufen. Welche Daten das Tool erfassen soll, teil der Anwender Dstat über Komandozeilenparameter mit. Ähnlich wie Vmstat gibt die Software die Messwerte in einem beim Start festgelegten Rhythmus zeilenweise aus, erleichtert die Lesbarkeit aber anders als der Monitoring-Klassiker durch farbliche Hervorhebung.

Wenn der Funktionsumfang von Dstat nicht ausreicht, lässt sich die Anwendung mit Python-Plugins erweitern. 14 Plugins, deren Funktionsumfang von der Batteriekontrolle über die Überwachung von MySQL- und Inno-DB-Datenbanken bis hin zur NFS- und Wifi-Analyse reicht, bringt Dstat bereits mit. Die Software schreibt die Daten auf Wunsch in eine CSV-Datei, die sich mit Gnumeric oder Open Office aufbereiten lässt. Vielen Distributionen liegt Dstat bei, die Homepage nennt zusätzliche Paketquellen.

****- Dstat vereinigt den Funktionsumfang mehrerer klassischer Monitoring-Tools. C- oder Python-Programmierer erweitern die Software dank der Plugin-Schnittstelle mit wenig Aufwand. Zudem erfasst sie - anders als mehrere nebeneinander laufende Programme - die Messwerte exakt zum gleichen Zeitpunk, was die Ursachenforschung erleichtert.

Ctunnel 0.2


Verschlüsselter Tunnel für TCP-Verbindungen

Quelle: [http://nardcore.org/ctunnel/]

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Stunnel, SSL Proxy

Die bekannteste Anwendung zum verschlüsselten Tunneln von Netzwerkports ist SSH. Mit Ctunnel geht diese Standardübung des Sysadmin-Alltags leichter von der Hand: Die Software leitet TCP-Ports ohne Remote-Login um. Ihr Programmcode ist nur 500 Zeilen lang, was sich positiv auf die Anfälligkeit für Sicherheitslücken auswirken dürfte.

Das unkomplizierte Tool arbeitet je nach Aufruf als Client oder Server (Parameter »-c« oder »-s«). Der Parameter »-l« spezifiziert den Port, auf dem Ctunnel auf eingehende Verbindungen lauscht, »-H« und »-f« geben an, an welchen Rechner und Port die Software die empfangenen Pakete weiterleitet. Der Parameter »-C« bestimmt den Verschlüsselungsalgorithmus. Das Tool unterstützt lediglich Stream-Cipher-Algorithmen. Es verwendet weder PEM-Schlüssel noch CA-Autorisierung.

Stattdessen gibt der Anwender beim ersten Aufruf ein 16-stelliges Passwort und einen ebenfalls 16-stelligen Initialisierungsvektor ein. Aus diesen Werten errechnet das Programm einen Schlüssel und legt ihn als ».passkey«-Datei im Homeverzeichnis des aufrufenden Anwenders ab. In der Kurzhilfe, die Ctunnel beim Aufruf mit »-h« oder ohne Parameter anzeigt, hat der Autor übrigens »-h« und »-H« durcheinandergebracht, die Beispiele in der Readme-Datei sind jedoch richtig.

***-- Ctunnel baut unabhängig von SSH und dem zugehörigen Hostkey verschlüsselte Tunnel auf. Das einfach zu kompilierende Programm, das Client und Server in einem Binary vereint, setzt als einzige Abhängigkeit das Entwicklerpaket von OpenSSL voraus.

Renameutils 0.10.0


Viele Dateien umbenennen

Quelle: [http://www.nongnu.org/renameutils/]

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Krename, File Rename Utils

Renameutils ist eine Toolsammlung, die das Umbenennen oder Verschieben großer Dateimengen erleichtert. Sie besteht aus den fünf Programmen Icp, Imv, Qcp, Qmv und Deurlname. Deurlname fällt dabei aus der Reihe: Es befreit Dateinamen von URL-kodierten Sonderzeichen, was besonders beim Spiegeln von Webseiten auf der Festplatte nützlich ist.

Die anderen Tools arbeiten flexibler: Qcp und Qmv lesen die Dateien in einem Verzeichnis und erstellen eine Textdatei mit einer Quell- und Zielspalte, die sie mit dem in der Umgebungsvariablen »$EDITOR« definierten Editor öffnen. Der Benutzer passt nun die Dateinamen oder Pfade in der Zielspalte an und ruft die Anwendung erneut auf. Qcp kopiert die Dateien entsprechend, Qmv verschiebt sie oder benennt sie um. Die Suchen-und-Ersetzen-Funktion eines leistungsfähigen Editors wie Vi oder Emacs erspart beim Bearbeiten der Textdateien viel Handarbeit. Nur das Spaltenlayout muss beim Editieren erhalten bleiben.

Die beiden verbleibenden Programme der Renameutils, Icp und Imv, benutzen keine Textdatei als Zwischenschritt. Vielmehr zeigen sie den Pfad und Namen jeder einzelnen Datei direkt zum interaktiven Bearbeiten an. Sie eignen sich damit weniger für viele Dateien, ersparen es dem Benutzer aber zumindest, den Namen der zu kopierenden oder zu verschiebenden Datei wie bei »cp« und »mv« mehrfach einzugeben.

***-- Im Tandem mit einem leistungsfähigen Editor beschleunigen die Renameutils das Kopieren, Verschieben und Umbenennen vieler Dateien erheblich. (U. Vollbracht/pkr)

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