Open Source im professionellen Einsatz

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Drei Videoschnittprogramme im Test

Filmsalat

Camcorder und digitaler Videoschnitt haben die Technik der Filmprofis für Privatanwender zugänglich gemacht. Manches kleine Kunstwerk, das auf Youtube aus der Masse herausragt, zeugt davon. Doch die Schnittprogramme Kdenlive, Openmovieeditor und Avidemux haben es bis zur Oscarverleihung noch weit.

Ein Foto ist schnell geschossen. Zur Qualitätsoptimierung ist es naheliegend, ein Motiv mehrfach abzulichten. Bei Videos sieht das anders aus: Niemand dreht eine viertelstündige Produktpräsentation so oft in voller Länge, bis alle Details gefallen. Professionelle Videos entstehen daher wie Fernsehfilme stets durch das Zusammenfügen von Einzelszenen und mit Hilfe gezielter Schnitte.

Diese Bitparade vergleicht die Schnittprogramme Kdenlive [1], Openmovieeditor [2] und Avidemux [3]. Cinelerra [4] sprengt den Rahmen der reinen Schnittprogramme (vergleiche Kasten "Außer Konkurrenz: Cinelerra") und eignet sich wegen seiner Komplexität nur für Anwender mit viel Durchhaltevermögen.

Kdenlive

Abbildung 1: Gutes Konzept: Mit der Oberfläche von Kdenlive geht das Schneiden zügig von der Hand. Die Software enthält – abgesehen von ausgefallenen Spezialeffekten – alle wirklich benötigten Features.

Abbildung 1: Gutes Konzept: Mit der Oberfläche von Kdenlive geht das Schneiden zügig von der Hand. Die Software enthält – abgesehen von ausgefallenen Spezialeffekten – alle wirklich benötigten Features.

Kdenlive ([1], Abbildung 1) gibt es für Ubuntu 8.04 und Open Suse 11.0 in Version 0.6.0 über die Repositories unter [5]. Das Kompilieren der SVN-Version automatisiert ein nützliches GUI-basiertes Kommander-Skript [6]. Die Oberfläche dieser Version ist etwas übersichtlicher und fußt auf QT 4. Zumindest mit der QT-4-Version von Ubuntu ist sie jedoch wegen dauernder Abstürze nicht sinnvoll zu gebrauchen.

Leider ist die Liste der im Test zutage getretenen Probleme damit nicht zu Ende: Kdenlive erzeugte unter Suse 11.0 sowohl in der bei Packman [7] verfügbaren Version 0.6.0 als auch bei der selbst kompilierten 0.7.1 Beta nur leere Dateien. Das Rendern des endgültigen Films überlässt Kdenlive dem Multimedia-Framework MLT [8], das wiederum Ffmpeg [9] benutzt. Auch des Kompilieren dieser Komponenten mit der aktuellen SVN-Version sorgte nicht für Abhilfe.

Die Oberfläche der Software lehnt sich an das kommerzielle Programm Adobe Premiere [10] an und erinnert an einen analogen Schneidetisch: Links oben befindet sich das Materiallager, das in vier Karteikartenreitern eingebundene Videodateien, Übergangs- und andere optische Effekte sowie im Reiter »Effektmagazin« alle bereits auf den aktiven Videoclip angewandten Effekte zum Feintunen enthält. Ein Vorschaufenster zeigt entweder das aus den Videospuren der Zeitleiste entstandene Ergebnis, den aktiven Clip oder das Ergebnis des Firewire-Grab mit Ffply oder Dvgrab an.

Schneiden-Werkzeug

Der virtuelle Schneidetisch in Kdenlive funktioniert intuitiv: Der Benutzer lädt im Reiter »Projektliste« zunächst einen oder mehrere Filmdateien von einem Dateityp, den Ffmpeg versteht. Dann zieht er ihn auf eine der Videospuren im unteren Fensterdrittel. Mit dem Schneiden-Werkzeug stutzt er den Clip zurecht. Die Teilclips lassen sich auf den Videospuren frei verschieben. Bewegt der Benutzer dieses Werkzeug über eine Videospur, dann zeigt die Vorschau den Frame an dieser Stelle, was das Schneiden erheblich erleichtert.

Mehrere Spuren braucht der Benutzer erst für das Überlagern mehrerer Clips, zum Beispiel bei Übergangseffekten. Dazu legt er den Videoschnipsel, zu dem Kdenlive überblenden soll, mit Überlappung auf die Spur unter dem zuvor angezeigten Video. Ein Rechtsklick auf das obere Video fügt den Effekt über den Kontextmenüpunkt »Übergang« hinzu.

Kdenlive beherrscht vier Typen von Übergängen: Crossfade, Schieben, Klappen und Wischen. Für Wischeffekte (»Wipe«) stehen viele Formen wie Spiralen oder rotierende Zeiger zur Verfügung. Wer nicht gerade effektbetonte Musikvideos erstellt, ist mit diesem Repertoire gut bedient. Neben Übergängen kennt Kdenlive noch über 20 weitere Effekte. Die Palette reicht von einer Helligkeits- und Gamma-Anpassung über Unschärfe- und Rausch-Effekte bis hin zu Verfremdungen wie einem Negativ- oder Schwarzweiß-Effekt. Auch knapp 20 Audiofilter gibt es, darunter Equalizer, Hall, Reverb und Flanger, Tonhöheverschiebung und Lautstärken-Normalisierung.

Kein Effekte im eigentlich Sinn ist Kdenlives Bluescreen-Filter. Er stellt ein vor einem einfarbigen Hintergrund gefilmtes Objekt frei, ersetzt also den Hintergrund durch einen transparenten Bereich, in dem ein anderes Video, ein Standbild oder ein farbiger Hintergrund durchscheint. Wenige freie Programme beherrschen diese Technik.

Alles in allem präsentiert sich Kdenlive, wenn es denn funktioniert, als angenehm zu bedienende Software mit einem sinnvoll gewählten Funktionsumfang.

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