Open Source im professionellen Einsatz

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Die freie Terminalserver-Software X2go in neuer Version

Der Sun-Blocker

Das Open-Source-Projekt X2go steht kurz vor der Version 3. Zu Smartcards, Suspended Sessions und LDAP sind neue Clients, Seamless Windows und Pakete für Debian Lenny hinzugekommen.

X2go steht strahlend da. Ein freier, flotter und flexibler Terminalserver für beliebige Clients, mit modernen Authentifizierungstechniken samt Kartenleser, USB-Tokens, zentraler Benutzerverwaltung im LDAP und integrierten Administrationstools in der KDE-Systemverwaltung. Das ist in weiten Teilen realisiert, bald erscheint Version 3 [1].

Sun Ray

Inspiriert ist X2go von der Sun-Ray-Produktreihe [2], mit der der Hersteller seit dem Jahr 2006 Thin-Client-Fans beeindruckte. Die zweite Release der Sonnenstrahlen umfasste schlanke Geräte, an denen sich Benutzer per Smartcard anmelden und nach dem Login auf einem zentralen Terminalserver arbeiten [3]. Besonders schick neben den Multimedia- und Sicherheits-Features erwies sich dabei das Sitzungsmanagement, von Sun "Hot Desktop Mobility" oder "Hot Desking" getauft.

Wenn Benutzer A seine Chipkarte aus dem eingebauten Kartenleser entfernt, dann unterbricht die Software automatisch die Sitzung, der Thin Client ist für den nächsten User verfügbar. Schiebt A jetzt an einem beliebigen anderen Rechner seine Smartcard in einen Leser, präsentiert ihm der Server sofort die eben unterbrochene Sitzung.

Sun geht mit gutem Beispiel voran, mehrere Tausend Mitarbeiter der Sun-Zentrale in Heimstetten bei München arbeiten so im Büro oder vom Home Office aus ausschließlich auf den Terminalserver. Die zugehörige Serversoftware läuft sowohl auf Solaris als auch auf Linux und vermittelt wie NX auch den Zugriff auf andere Windows- und Linux-Terminalserver [4]. Energie sparen lässt sich so auch: Nach eigenen Angaben hat allein die Zentrale in den letzten Jahren mehr als 800000 Euro Stromkosten eingespart.

Ein ähnliches Allroundsystem wünschten sich auch die Linuxer, und weil die Sun-Rays nur mit der speziellen Hardware funktionieren, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Open-Source-Welt loslegte.

Freie Sonne

Oleksandr Shneyder und Heinz Graesing, System-Admins der Stadt Treuchtlingen, entwickelten in ihrer Freizeit einen freien Terminalserver, der im Gegensatz zu Suns Konzept auch Laptops und beliebige Clients unterstützt und durch eine intelligente Kombination vorhandener GPL-Software mit eigenen Entwicklungen besticht: X2go.

Die Entwickler integrierten Tools wie PXE-Boot und Debootstrap [5], Nomachines freie NX-Libraries ([6], [7]) und Tools wie Fuse [8] und SSHFS [9] mit Desktop-Utilities und -Erweiterungen für Gnome und KDE. Über PAM-Bibliotheken kennt X2go Smartcards und die Authentifizierung via USB-Stick (Abbildung 1). Dank der Fähigkeit des NX-Servers, Sitzungen zu pausieren (Suspend) und wiederaufzunehmen (Resume), ist so schon seit Version 2 eine Arbeitsweise à la Sun Ray möglich.

Abbildung 1: X2go-Benutzer melden sich mit Smartcard, USB-Stick oder perPasswort am System an. Für die Demoversion haben die Entwickler schicke Karten mit passenden Bildern aus dem KDE-Usermanager erstellt.

Abbildung 1: X2go-Benutzer melden sich mit Smartcard, USB-Stick oder perPasswort am System an. Für die Demoversion haben die Entwickler schicke Karten mit passenden Bildern aus dem KDE-Usermanager erstellt.

Inzwischen läuft X2go auf den Clients und Servern von Linux4afrika [10] in Tansania, Mosambik und Paraguay sowie an zahlreichen deutschen Schulen (siehe Kasten "Linux4afrika und X2go")

Linux4afrika und
X2go

Das Projekt Linux4afrika [10] des Freiburger Vereins FreiOSS.net hat bereits im Frühjahr 2008 von Edubuntu auf X2go umgestellt. Hans-Peter Merkel, einer der Leiter des Projekts, schreibt dazu:

"Mit der neuen X2go-Version des Linux4afrika-Musterservers ist der Verein nun in der Lage, auch größere Netze als die üblichen Classroom-Lösungen aufzubauen. Das integrierte LDAP bietet sich sehr gut an, um unser Projekt von Schulen auch auf Universitäten auszuweiten. Hier fallen im täglichen Betrieb aber zusätzliche Authentifizierungs-Aufgaben an. Echte Linux-Clients können sich inzwischen ebenfalls am Linux4afrika-LDAP-Server anmelden, Pakete aus dem Standard-Repository machen dies mit wenigen Änderungen der Konfigurationsdateien möglich. Ein Einsatz in solch einer Umgebung verlangt aber auch den Betrieb in einer heterogenen Betriebssystem-Landschaft. Deshalb arbeiten die Entwickler derzeit verstärkt an der Einbindung von Windows-Clients.

Weil die meisten unserer Anwender die Gnome-Oberfläche favorisieren, hat Heinz Gräsings Team schnell auf die Anfrage reagiert und die Anpassungen für den Local-Device-Support auch in Gnome implementiert.

Der neueste Ableger von Linux4afrika in Südamerika, Linux4paraguay [17], wird erster Nutznießer der X2go-Technik jenseits des Atlantiks. Ende 2008 erhalten auch Mosambik und Äthiopien erste Lieferungen der neuen Musterlösung."

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