Abbildung 1: Ausverkauft: Mehr als 230 Teilnehmer aus Europa und Übersee füllten am 11. und 12. September die Säle der Nagios-Konferenz in Nürnberg.
(Bild: © Netways)
Ungeachtet der aktuellen Finanzmarkt-Turbulenzen hätte das Kleingeld sicher auch für eines der bekannten kommerziellen Monitoring-Systeme gereicht. Trotzdem entschied sich eine der größten Banken Amerikas, JP Morgan Chase, für Nagios [1]. Den Ausschlag gab ein Argument, das häufig schwerer wiegt als die außerdem gesparten Lizenzkosten: Flexibilität. Nagios erlaubt es seinen Anwendern, das Setup in einem Maß anzupassen und zu erweitern, wie das Kauf-Software höchstens erreicht, indem der Anwender teure Consultants für Customizing bezahlt und sich dadurch zwangsweise an den Hersteller bindet.
Nagios dagegen gestattet den Eigenbau der Wunschlösung. Im Falle des Bankenriesen rüstet sich die Software so für das Application Transaction Monitoring sehr großer Plattformen und die Qualitätsansprüche einer Großbank.
Flexibilitäts-Plus
Ähnliche Beispiele kundenspezifischer Lösungen durchzogen viele Konferenzbeiträge. Auch der Eröffnungsvortrag von Nagios-Schöpfer Ethan Galstad, der sich wie immer Stand und Perspektiven seiner Software widmete, sprach diesen Vorteil an. Allerdings war dieses Jahr nicht zu übersehen, dass die Gründung der kleinen Firma Nagios Enterprises offenbar so viele Kapazitäten band, dass keine Zeit für spektakuläre Neuerungen blieb.
Gleichwohl deuten sich vage einige interessante Entwicklungen an. So ist die Kombination von Nagios mit anderer Systemmanagement-Software im Gespräch, die ein Produkt hervorbringen könnte, das sich eher mit Funktionsmonstern wie IBMs Tivoli oder BMC Patrol messen könnte. Auch die Einbeziehung der Business-Perspektive in die Überwachung findet sich auf der Agenda. Dabei steht weniger der Ausfall einer einzelnen Komponente im Fokus als vielmehr dessen Auswirkungen auf laufende Geschäftsprozesse. Anregungen für zahlreiche technische Detailverbesserungen erbrachte eine offene Diskussion des Chefentwicklers mit Konferenzteilnehmern.
Um Verbesserungen ging es schließlich auch im Vortrag des Maintainers der Nagios-Plugins Ton Voon über die auf Nagios-Grundlage entwickelte Monitoring-Lösung Opsview [2], die ebenfalls unter der GPL steht und sich zum Ziel setzt, einige der derzeitigen Beschränkungen ihres Vorbilds zu umgehen, besonders was die Performance in großen Umgebungen angeht.
Eine weitere Forderung aus dem Business-Umfeld, die ihrer umfassenden Realisierung in Nagios noch harrt, ist das Reporting. Zwei Vorträge aus dem Haus des Konferenzveranstalters wiesen hier interessante Wege. So verglich Bernd Erk freie Reporting-Software und demonstrierte die Kopplung seines Favoriten Jasper [3] mit Nagios zu einem Tandem, das automatisch optisch und inhaltlich anspruchsvolle Berichte generiert. Die neueste Version des Netways Grapher [4] zaubert dagegen in Echtzeit attraktive Charts mit geringem administrativen Aufwand aus dem Hut.
Themenvielfalt
Gleich mehrere Vorträge beleuchteten das Datenbank-Monitoring am Beispiel von MySQL, PostgreSQL, MS SQL Server und Oracle. Weitere Themen des reichhaltigen Angebots, das erstmals Stoff für drei parallele Tracks bot und zu jeder Zeit mindestens ein Angebot in englischer Sprache bereithielt, waren unter anderem die Hochverfügbarkeit von Nagios-Installationen, das Monitoring virtueller Umgebungen oder die Anbindung an Ticketing-Systeme.
Hervorgehoben sei die gewohnt perfekte Organisation, die für vielfältige Begegnungsmöglichkeiten in angenehmer Atmosphäre sorgte.