Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2008

Bücher über das Programmieren in C#

Tux liest

Es mag überraschen, ein Buch über Visual C# im Linux-Magazin besprochen zu sehen. Die Bücherseite begleitet in dieser Ausgabe jedoch den Start der Serie zu Mono, der freien Umsetzung von Microsofts Dotnet. Wer Literatur zu dessen Hauptsprache C# sucht, kann sich nicht nur auf Open-Source-Bücher verlassen.

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Ein Umfang von deutlich über 1000 Seiten scheint bei Büchern zu Visual C# Pflicht zu sein. "Visual C# 2008: Grundlagen und Profiwissen" von Walter Doberenz und Thomas Gewinnus ist hier keine Ausnahme. Auf rund 1440 Seiten erläutern die Autoren fast den gesamten Umfang der Programmiersprache

Die ersten rund 600 Seiten dürften für Mono-Nutzer die größte Bedeutung haben. Dort lernen sie den Umgang mit Grundlagen wie Arrays, Strings, Klassen und Methoden, ebenso Fortgeschrittenes wie Delegates, Language Integrated Query (LINQ), XML und Ausnahmen.

GUI-Programme mit C#

Info


Walter Doberenz und Thomas Gewinnus:

Visual C# 2008

Hanser, München, 2008

1440 Seiten, 60 Euro

ISBN 978-3-446-41491-4

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der GUI-Programmierung mittels »Windows.Forms«. Die Unterstützung von Version 2.0 dieser Schnittstelle ist für die bevorstehende Release 2.0 von Mono geplant. Teil zwei führt zudem in die asynchrone Programmierung mit Threads ein. Auch in diesem Abschnitt kann man sich also Anregungen für die Programmierung mit Mono/C# unter Linux holen.

Den dritten Teil widmen die Autoren allerdings der Windows Presentation Foundation (WPF), dem designierten Nachfolger von »Windows.Forms«. Unterstützung hierfür ist auf absehbare Zeit in Mono nicht geplant, weshalb dieser Teil des Buches für reine Linux-Nutzer kaum Relevanz haben dürfte. Aber immerhin, an die 1000 Seiten Informationen verbucht der Leser bis hierher bereits auf der Habenseite. Zudem ist der WPF-Teil relativ kurz - ab Seite 1167 geht es schließlich um ASP.Net.

In Kauf nehmen muss man, dass sich das Buch alleine auf Visual C# bezieht und entsprechend viele Spezifika dieser Umgebung und des zugrunde liegenden Betriebssystems im Text zu finden sind. Der Leser sollte also immer wieder seine Filter einschalten. Er kommt nicht darum herum, die Anwendbarkeit mancher Information auf Mono und Linux durch Recherche im Web oder besser noch am eigenen Rechner zu überprüfen.

Das Buch ist verständlich geschrieben und, wie die Zahl der Seiten ahnen lässt, wirklich umfassend. Und wem das nicht reicht, der kann mit dem "Visual C# Kochbuch" derselben Autoren noch einmal 1100 Seiten nachlegen.

Ausschließlich Mono

Info


Kaan Candar:

Mono.Net goes Linux

Franzis, München, 2007

620 Seiten, 50 Euro

ISBN 978-3-7723-7105-9

Bereits 2007 ist im Verlag Franzis das Buch "Mono.Net goes Linux" erschienen. Es befasst sich ausschließlich mit Mono und führt in diese Umgebung am Beispiel von C# ein. Ginge die Entwicklung in der Mono-Welt nicht so rasant vor sich, könnte man dieses Buch als den idealen Einstiegspunkt bezeichnen.

Der Autor schlägt den Bogen von der Installation des Mono-Frameworks über eine kompakte, dennoch leicht verständliche und recht umfassende Einführung in die Sprache C# bis hin zu Themen wie der Programmierung grafischer Oberflächen, der Verarbeitung von XML und dem Datenbankzugriff. Sogar die Entwicklung verteilter Anwendungen streift er. Der Text ist aufgelockert durch viele kommentierte Beispiele.

Das Buch richtet sich laut Umschlagtext nicht an Einsteiger - es ist in der Professional-Serie von Franzis erschienen. Wer über ein einigermaßen solides Grundwissen in C++ oder Java verfügt, dürfte mit diesem Titel aber keine Probleme haben. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Buch immer nur so aktuell sein kann wie sein Erscheinungsdatum. So erfährt etwa die Language Integrated Query (LINQ) - ein Feature von C# 3.0 - mangels Verfügbarkeit einer ausgereiften Implementierung zum Erscheinungszeitpunkt kaum Beachtung. In Zukunft dürfte LINQ aber einiges an Bedeutung gewinnen, sodass man seine Gegenwart im Buch schmerzlich vermisst.

Programmiersprachen erweitern im Laufe ihrer Entwicklung den Sprachumfang. Lieb gewonnene Features bleiben dabei natürlich weiter nutzbar. Die Informationen in "Mono.Net goes Linux" sind also nicht wirklich veraltet, nur eben weniger vollständig, als man sich dies beim Neueinstieg wünschen würde. Es bleibt zu hoffen, dass es bald eine Neuauflage gibt. In der Karlsruher Uni-Bibliothek beispielsweise ist das Buch regelmäßig vorgemerkt. (mhu)

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