Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2008
© Michael Kempf, Fotolia.com

© Michael Kempf, Fotolia.com

Biometrische Erkennung anhand des Tippverhaltens

Auf die Finger geschaut

Fingerabdrücke, Iris-Scans und Gesichtserkennung sind die wohl bekanntesten biometrischen Verfahren. Von Herstellern wie Psylock kommt Biometrie-Software, die Benutzer anhand des Tippverhaltens erkennt.

527

Innenminister jubeln, Datenschützern sträuben sich die Haare. Anbieter versprechen die ultimative Waffe gegen die vermeintlich kriminelle Anonymität im Web, Datenschützer befürchten Orwell-Szenarien. Nicht erst seit der Chaos Computer Club Wolfgang Schäubles Fingerabdruck in seiner Mitgliederzeitschrift veröffentlichte [1], kämpft die Branche gegen die zunehmende Skepsis der Benutzer (siehe auch "Recht"-Artikel in diesem Heft).

Die biometrische Erkennung anhand des individuellen Tippverhaltens scheint dagegen sicherer und komfortabler. Ein eigenes Lesegerät sei nicht notwendig und das Merkmal nicht kopierbar, sagen zumindest Wissenschaftler und Hersteller wie Psylock [2] aus Regensburg.

Assyrien

Einer der ältesten biometrischen Versuche (Kasten "Biometrie - Begriffe") datiert aus dem Assyrien des 8. Jahrhundert vor Christi [3]. Archäologie-Experten fanden ein tönernes Siegel mit einem Fingerabdruck und vermuten, dass Ahas, der König Judas, höchstpersönlich seinen Finger in den Ton drückte. Vielleicht war es aber auch Baruch, ein Schreiber des Propheten Jeremias. Zur endgültigen Klärung fehlt ein Referenzabdruck des Königs oder des Schreibers. Dieser Fall zeigt die drei Komponenten eines erfolgreichen biometrischen Verfahrens: Der Erfassung (Enrolment) des persönlichen Merkmals folgt das Erstellen von Datensätzen (Templates) und später dann der Vergleich des vorgezeigten Charakteristikums mit der Vorgabe (Matching).

Biometrie -
Begriffe

Biometrie ist die Wissenschaft von der Messung am Lebewesen (Griechisch Bios = Leben, metrein = messen).

Die biometrische Erkennung nutzt Biometrie, um Individuen anhand von Merkmalen zu erkennen. Sie steht dabei im Gegensatz zur Biometrik, die die statistische Beschreibung in der Biologie betreibt. Ziel der biometrischen Erkennung ist es, einen lebenden Menschen in Echtzeit zu identifizieren, während die Forensik an Leichen zwar ähnliche Methoden nutzt, aber etwas mehr Zeit dafür hat.

Biometrische Verfahren sind Mechanismen, die auf biometrischer Erkennung basieren und einen Menschen authentisieren. Meist benutzen sie spezielle Erkennungsgeräte wie einen Fingerabdruck- oder Iris-Scanner.

Biometrische Systeme sind die Kombination aus Hardware und Software, die der biometrischen Identifikation oder Verifikation der Identität dient, sie verwenden dafür biometrische Verfahren.

Mehr Grundlagen gibt es beim BSI [4], in der Biometrie-FAQ von Manfred Bromba [5] und in der Wikipedia [6]. Eine Webseite rund um Biometrie und Datenschutz [7] betreibt das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein.

Genetisch, zufällig, erlernt?

Die Wissenschaft unterscheidet biometrischen Merkmale nach zwei Kategorien: verhaltensbezogene (Unterschrift, Stimme, Tippverhalten) oder physiologische Merkmale (Fingerabdruck, Hand- oder Gesichtserkennung, Iris- oder Retina-Abbild). Unabhängig davon spielt eine wichtige Rolle, ob das Merkmal leicht messbar, ob damit möglichst viele Personen eindeutig unterscheidbar sind. Idealerweise bleibt das Merkmal auch über die gesamte Lebensspanne eines Menschen gleich.

Die Experten sprechen von genotypischen (genetisch bedingten), randotypischen (vom Zufallsprozessen beeinflussten) und konditionierten (erlernten) Merkmalen. Als genotypisch gilt beispielsweise die DNA eines Lebewesens, der Fingerabdruck hängt von Umwelteinflüssen im Embryonalstadium ab, das Verhalten an der Tastatur oder die Unterschrift geben gute Beispiele für konditionierte Merkmale. Tendenziell verändern sich letztere über die Jahre stärker, aber auch manche eher genotypische Merkmale wie die Stimme variieren stark im Laufe eines Lebens. Für den professionellen Einsatz spielt darüber hinaus eine gewichtige Rolle, ob sich das Verfahren unkompliziert im Alltag anwenden lässt. Hier sind Komfort, Genauigkeit, Verfügbarkeit, Kosten und die Akzeptanz durch den Benutzer gefragt.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

comments powered by Disqus

Ausgabe 11/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.