Spam ist strafbar, legales E-Mail-Marketing dagegen braucht heute jedes Unternehmen. Was meist als einfaches Mailinglisten-Management anfängt, gerät mit wachsender Anzahl der Adressaten schnell zum anstrengenden Marathon, bei dem viele Firmen unter ihren Möglichkeiten bleiben. 85 Prozent der Unternehmen verschenken so wertvolles Potenzial, weil sie ihren Mailings zu wenig Bedeutung beimessen, sagt eine Studie von Return Path [1].
Wenn Majordomo und Mailman nicht reichen
Es reicht eben nicht, einfach ein paar Tausend Kundenadressen in einen Verteiler zu kippen und diese ab sofort anschließend regelmäßig mit Mails zu beglücken. Wer Massen von individualisierten Nachrichten bewegen will, der kommt mit den bewährten Mailinglisten-Managern Mailman [2] oder Majordomo [3] nicht allzu weit. Kunden und ihre Spamfilter erwarten mittlerweile personalisierte E-Mails, die auf den Adressaten zugeschnitten sind (siehe Kasten "Checkliste E-Mail-Marketing").
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Für professionell wirkende Newsletter oder Massenmailings spielen sowohl die Netiquette als auch praktische und rechtliche Anforderungen [6] eine wichtige Rolle:
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Hat der Link zum Newsletter auf der eigenen Website einen
prominenten Platz? Ein versteckter Newsletter wird schwer gefunden und daher auch seltener abonniert.
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Ist die eigene Datenschutzrichtlinie sowohl im Newsletter als
auch auf der Website gut erkennbar verlinkt? Auch wenn die
Richtlinie nur selten gelesen wird, gibt sie vorsichtigen Kunden ein Gefühl von Sicherheit.
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Ist deutlich erkennbar, dass das Abonnement des Newsletter
kostenlos ist? Hier sind die Feinheiten in den Formulierungen
wichtig: »Newsletter kostenlos abonnieren« klingt
attraktiver als »Newsletter bestellen«. Ist eine anonyme Anmeldung möglich?
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Liegt die ausdrückliche Zustimmung des Adressaten vor?
Erfolgte die Anmeldung per Double-Opt-In? Single-Opt-In wird von
immer mehr Gerichten nicht mehr als ausreichende Zustimmung bewertet.
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Wer ist der Absender? Ein persönlicher Kontakt als
Ansprechpartner im Newsletter wirkt höflich und schafft Nähe und Vertrauen zwischen Kunden und Anbieter.
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Entspricht die Anbieterkennzeichnung den gesetzlichen
Vorschriften? Das Telemediengesetz [7] beispielsweise schreibt auch für Newsletter ein Impressum vor.
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Sind die ausgehenden Mails korrekt personalisiert? Ist eine
neutrale Alternative für die anonymen Abonnenten vorgesehen?
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Ist die Mail so gestaltet, dass der werbliche Charakter klar
hervorgeht?
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Steht der Adressat im »To:«-Header? Viele
Antispam-Programme betrachten lange Listen von Empfängern in
»CC:« oder gar in »>BCC:« versteckte Adressaten als ein Kriterium für Spam.
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Ist alles getan, um nicht im Spamfilter hängen zu bleiben?
Häufig hilft es, wenn der Abonnent den Newsletter-Absender ins
persönliche Adressbuch aufnimmt. Darüber hinaus sollten
Sonderzeichen wie »E«, »$« und
»!« sowie stark werbliche Sprache nicht im Betreff auftauchen.
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Steht in jeder E-Mail ein personalisierter Link, über den
sich der Empfänger einfach vom Newsletter abmelden kann? Ist
die Abmeldung für die Empfänger so einfach wie
möglich gestaltet? Verweist die Bestätigungsseite auf den
RSS-Feed? Viele Leser lassen sich noch beim Abmelden damit auffangen.
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Ist sichergestellt, dass nicht erreichbare Adressen gleich
aussortiert werden? Zu viele Versuche, eine Adresse zu erreichen,
können ebenso zur Einstufung als Spam führen, vor allem
bei Reputations- oder P2P-basierten Systemen wie Razor, Pyzor oder Ironport.
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Dabei hilft das freie E-Mail-Marketing-System Open EMM [4] von Agnitas [5] mit vielen nützlichen Funktionen, das gerade in Version 5.5 erschienen ist. Beliebig viele Empfänger, Empfängergruppen oder Mailinglisten erhalten damit E-Mails mit persönlicher Anrede und individuellen Inhalten.
Unternehmen verschicken automatisch terminierte Mails wie Geburtstagsgrüße, Informationen über die neuesten Software-Updates oder Veranstaltungshinweise an ausgewählte Kunden. Rückläufer wie Hard- und Softbounces lassen sich übersichtlich auswerten. Über umfangreiche Formularfunktionen erlaubt es die Software den Kunden selbst, Mailinglisten und Newsletter zu abonnieren oder zu kündigen.
Nach erfolgreicher Installation von Open EMM (siehe Kasten "Open-EMM-Installation") besucht der Admin mit einem Browser den Server. Open EMM verwendet standardmäßig Port 8080 und als Default-Benutzer »admin«. Das voreingestellte Passwort »openemm« ändern vorsichtige Admins sofort nach der Anmeldung unter »Einstellungen | Benutzer«.
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Vor der eigentlichen Installation gilt es, einige Abhängigkeiten aufzulösen: Open EMM braucht die Pakete »mysql-server« in einer neueren Version als 4.1 sowie »python-mysql«. Wer Open EMM mit Sendmail verwenden will, benötigt auch »sendmail-cf« auf dem Rechner. Außerdem verlangt Open EMM Suns Java JDK 5 oder neuer.
Open EMM herunterladen und entpacken
Anwender, die eine aktuelle, auf Red Hat basierende Distribution (Red Hat Enterprise Linux, Fedora Core oder Centos) nutzen, haben Glück und können die Installation dem mitgelieferten Install-Skript [4] überlassen.
Wer aus dem Quelltext installiert, muss die benötigte Gruppe und den Benutzer von Hand anlegen, am Besten mit »groupadd OpenEMM« und »useradd -m -g OpenEMM -d /home/OpenEMM -c "OpenEMM 5.5.0" OpenEMM«. Für das Entpacken des Tarballs folgt ein wenig mehr Handarbeit:
cd /tmp
wget http://downloads.sourceforge.net/ OpenEMM/OpenEMM-5.5.0-bin.tar.gz
cd /home/OpenEMM
tar xzvf /tmp/OpenEMM-5.5.0.bin.tar.gz
chown - R OpenEMM:OpenEMM .bash* *
chown root:root bin/smctrl
chown root:root conf/bav/bav.rc
chmod 6755 bin/smctrl
chmod 0600 conf/bav/bav.rc
mkdir -p /usr/share/doc/OpenEMM-5.5.0
mv USR_SHARE/* /usr/share/doc/OpenEMM-5.5.0
Je nach Distribution braucht Open EMM jetzt noch Schreibzugriff auf »/var/log/mail«, »/var/log/mail.log« oder »/var/log/maillog«. Dann gilt es, eine etwaige Firewall auf den Ports 25 (wenn Open EMM Sendmail verwendet) oder 8025 (für den eingebauten SMTP-Daemon) sowie die Ports 8044 und 8080 zu öffnen. MySQL-DB initialisieren
Auch die Datenbank will für Open EMM vorbereitet sein:
cd /usr/share/doc/OpenEMM-5.5.0
mysqladmin -u root -p create OpenEMM
mysql -u root -p OpenEMM < OpenEMM.sql
Um jetzt Open EMM zu starten, reicht es, sich als Nutzer »openemm« einzuloggen und im Verzeichnis »/home/OpenEMM/bin/« vor dem eigentlichen Programmstart mit »OpenEMM.sh« entweder »sendmail-enable.sh« oder »sendmail-disable.sh« auszuführen.
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Die Module
Open EMM besteht aus zehn Modulen, die sich miteinander kombinieren lassen (Abbildung 1). Für den Versand einfacher Massenmails reichen »Mailings«, »Kampagnen«, »Empfänger« und »Mailinglisten«. Das Modul »Schablonen« verwaltet wiederkehrende Teile wie Layout- oder Textbausteine, auf die der Benutzer bei zukünftigen Mailings zurückgreift.
Abbildung 1: Open EMM besteht standardmäßig aus zehn flexibel miteinander kombinierbaren Modulen, Formulare und Aktionen inbegriffen.
Mit »Zielgruppen« lassen sich die Adressaten dank vorher definierter Kriterien präzise auswählen. Mit wenigen Mausklicks können Unternehmen so beispielsweise nur die Frauen im Adressbuch anschreiben. Open EMMs »Aktionen« benutzen Firmen, deren Mailempfänger sich selbst an- und abmelden oder die individuelle Links innerhalb der Mail erhalten sollen.
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