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Linux-Magazin 10/2008

Diagramme mit dem Google-Chart-API

Torte statt vieler Worte

Diagramme machen naturgemäß optisch mehr her als spröde Zahlenkolonnen. In der grafischen Aufbereitung erkennt das Auge außerdem leicht Muster und Tendenzen. Das Chart-API des Webgiganten Google visualisiert Daten mit wenig Aufwand.

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Serverlast-Logs, Ausschussraten in der Produktion oder Besucherstatistiken einer Webseite sind als Diagramm viel leichter lesbar als in Tabellenform. Oft scheitert das Erzeugen eines Diagramms aber am Aufwand. Hier hilft Googles Chart-API [1] aus der Klemme. Der Webdienst des Suchmaschinenriesen nimmt Daten und Einstellungen über die Aufruf-URL entgegen und liefert eine PNG-Grafik zurück. Der Einsatz eines sperrigen Protokolls wie SOAP bleibt dem Anwender ebenso erspart. Dass die URL sämtliche Daten transportiert, schränkt allerdings die Datenmenge ein. Der Aufruf

http://chart.apis.google.com/chart?chs=500x200&cht=p3&chd=t:33,22.23,11.27,9.94,9.1,14.46&chl=Deutschland|...|D%C3%A4nemark|Restliche+Länder&chtt=Marktanteile+im Europäischen+Schiffbau

erzeugt das Diagramm aus Abbildung 1. Als PNG lässt es sich leicht in eigene Webseiten einbinden. Der Webserver muss dabei nicht einmal das Bitmap mit dem Diagramm ausliefern, der Google-Dienst generiert es auf Wunsch bei jedem Seitenaufruf on Demand. Der Webdesigner gibt dafür lediglich eine Adresse mit den kodierten Daten als Bild-URL an.

Abbildung 1: Googles Chart-Webdienst eignet sich besonders für Diagramme im Internet. Wer sie aktualisieren möchte, braucht nur die in die aufrufende URL eingebetteten Daten anzupassen.

Angefragt

Anfragen an das Chart-API beginnen mit der URL »http://chart.apis.google.com/chart«. Nach einem Fragezeichen folgen, durch »&« voneinander getrennt, die Parameter in der Form »Schlüsselwort=Wert«. Sie enthalten Informationen über den Diagrammtyp, die eigentlichen Daten sowie Größe, Beschriftung und Farben des Diagramms. Ein gültiger Aufruf muss mindestens den Typ und die zu visualisierenden Daten enthalten.

Den Typ legt der Parameter »cht« fest. Neben 2D- und 3D-Tortendiagrammen stehen unter anderem Balken-, Linien-, Radar- und Streudiagramme sowie Landkarten und QR-Barcodes, ein weitverbreitetes maschinenlesbares Format, zur Auswahl. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen Beispiele für Google-Chart-Diagramme.

Abbildung 2: Balken- und Liniendiagramme mit wenigen Datensätzen gelingen mit Google Chart schneller als mit einer Tabellenkalkulation.

Abbildung 3: Außer Balken- und Liniendarstellung kennt Google Chart auch einige exotischere, aber dennoch nützliche Diagrammtypen.

Datensätze

Die eigentlichen Daten transportiert der Parameter »chd« in der Form »chd =Kodierung:Daten«. Im einfachsten Fall überträgt die Textkodierung »t« die Werte im Klartext als kommaseparierte Liste (»chd=t:33,22.23,11.27,9.94,9.1,14.46«). Leider lässt sich dieses Verfahren nicht immer nutzen, da es auf Werte zwischen 0 und 100 beschränkt ist. Außerdem sprengt die URL schnell die maximale Länge von etwa 1000 Zeichen, die Browser, Proxies oder Firewalls und das Google-API verarbeiten können. Voraussetzung für umfangreichere Charts ist daher eine Kodierung der Daten.

Für die stärkste Komprimierung sorgt die Kodierung vom Typ »s«. Hier transportiert ein einzelner Buchstabe Werte zwischen 0 und 61. »A« bis »Z« stehen für 0 bis 25, »a« bis »z« für 26 bis 52, »0« bis »9« für 53 bis 61. Prozentwerte zwischen 0 und 100 oder noch größere Wertebereiche sind also entsprechend zu skalieren. Dafür ergibt der lediglich sechs Zeichen lange Datenstring »chd=s:hWLKJO« das gleiche Diagramm wie in Abbildung 1.

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