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30 | Baylon zu fünft
Fünf Programmier-Päpste versuchen sich daran,
Fußnoten in einem Text in die richtige Reihenfolge zu bringen.
42 | Webprogrammierung
Wer bringt eine Musikdatenbank am einfachsten ins Web? PHP und Python/Django treten an.
45 | Lisp und Smalltalk
Es geht auch anders: Die vermeintlichen Oldtimer-Sprachen beweisen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind.
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Software ist eine ernste Sache. Die Zeiten der frühen Homecomputer sind vorbei, als die Kästen zu nicht viel anderem taugten als zum Daddeln mit raubkopierten Spielen in Klötzchenästhetik, die man auf dem Schulhof tauschte.
Moderne Programme sind dafür zuständig, dass die elektronische wie die papierene Post ankommt, die Finanzströme an den Börsen der Welt hektisch pulsieren und die Züge rechtzeitig fahren. In der Software-Industrie verdienen zahllose Entwickler ihre Brötchen, auch wenn nur wenige Vorzeigeexemplare für ihren außerordentlichen Reichtum berühmt sind.
Spielerischer Ernst
Dennoch hat das Linux-Magazin für die folgenden Seiten neun professionelle Programmierer zum Spielen eingeladen - allesamt gestandene Mannsbilder, darunter einige Firmengründer und Unternehmer. Sie waren aufgefordert, mit Spaß und Kreativität zu zeigen, was die Programmiersprache ihrer Wahl kann.
Die erste Aufgabe erfordert einen ausgeklügelten Sortieralgorithmus, um durcheinandergewürfelte Fußnoten in einem Text in die richtige Reihenfolge zu bringen. Die zweite Aufgabe, quasi als Kür, beschreibt eine Anwendung, die Musik-Alben in einer Datenbank mit Web-Oberfläche verwaltet.
Die Programmier-Prominenz nahm die Herausforderung gerne an. Randal Schwartz ergriff gar selbst die Initiative und schlug der Redaktion vor, das zweite Beispiel nicht in Perl, sondern in Smalltalk umzusetzen.
Mitten im Ernst ihrer Software-Karriere erhielten die Entwickler auf diese Weise eine hochoffizielle Rechtfertigung, ihrem Spieltrieb zu frönen. Für einige Stunden spielte der Spaß am Gerät die Hauptrolle, der traditionell als wichtigste Motivation für Tüftler in Sachen Hard- oder Software gilt. Linus Torvalds hat dieses Motto gar zum Titel seiner Autobiographie als Linux-Erfinder erhoben: "Just for fun" [1].
Leider reichte bei einigen Sprach-Communitys die Spielfreude offenbar nicht aus, um einen eigenen Programmier-Papst zu entsenden. Und so muss dieser Heft-Schwerpunkt leider beispielsweise ohne Ruby und der Kombination von C# undMono auskommen.
Lesen und Schreiben
Nicht nur selbst zu programmieren, sondern auch den Quelltext anderer zu lesen und zu verstehen mache den guten Entwickler aus, schreibt Eric S. Ramond in seinem Hacker-Howto [2]. Zudem empfiehlt er, sich möglichst mit allen Sprachfamilien zu beschäftigen, um verschiedene Ansätze des Programmierens im Repertoire zu haben. Die Redaktion wünscht in diesem Sinne viel Vergnügen mit den Code-Spielereien auf den nächsten Seiten.
Als "kalt, präzise und methodisch" gelte das Programmieren landläufig, beklagt der Lisp-Fanatiker Paul Graham in seinem Aufsatz "Hackers and Painters" [3] und widerspricht entschieden: Programmierer möchten, genauso wie Künstler, etwas Schönes erschaffen - aus reiner Lust am "Machen". Es ist diese Freude am Gestalten, die einen Entwickler produktiv macht. Und das wiederum freut den Investor Graham, denn er verspricht sich von ungewöhnlich kreativen Entwicklern außergewöhnliche Dividenden. Auch der bunte Code-Spielplatz in dieser Ausgabe des Linux-Magazins wirft als angenehme Nebenwirkung bestimmt etwas Nützliches ab - wenn auch keine Reichtümer.