Vergleichbar schlimme Ebbe herrscht in den öffentlichen Kassen des Sonnenstaats: 15 bis 17 Milliarden Dollar fehlen und Demokraten und Republikaner können sich nicht auf ein verbindliches Haushaltsbudget einigen, das am 1. Juli fällig war. Um die Schulden zu eliminieren, verfügte Ex-Terminator Arnold Schwarzenegger, 22000 Teilzeitstellen im öffentlichen Dienst zu killen. Zudem sollen 200000 Staatsbedienstete einstweilen nur noch den gesetzlichen Mindestlohn von 6,55 Dollar pro Stunde bezahlt bekommen.
Wie die lokale Tageszeitung „Sacramento Bee“ aber nun berichtet, kann die Buchhaltung des Bundesstaates die neuen Gehaltsschecks mit den erheblich niedrigeren Beträgen jedoch nicht ausstellen – die Software schießt quer. Das in erwürdigem Cobol verfasste Buchhaltungssystem stammt offenbar aus einer Zeit, als Programmierer solche unsozialen Egalisierungsalgorithmen mangels Anwendungsmöglichkeit schlicht nicht in ihren Arsenalen vorhielten.
Die Umprogrammierung des Systems werde mehrere Monate beanspruchen, teilt der kalifornische Schatzmeister John Chiang seinem Chef Schwarzenegger nun mit. So lange bekommen die beim Staat Angestellten ihre alten, höheren Bezüge glücklich weiter. Aus Arnis Sicht jedoch bedrohen wie in seinen Terminator-Filmen wild gewordene Maschinen die Menschheit – nur kommen sie nicht aus der Zukunft, sondern aus dunkler, informationstechnischer Vergangenheit.
Anwendungen, die im 1960 standardisierten Cobol (Common Business Oriented Language) programmiert sind, stehen in dem Ruf, sie seien meist undokumentiert. Auch wären sie, obwohl sich Cobol an die natürliche englische Sprache anlehnt, schwer zu warten. Hinzu kommt, dass Cobol-Programmierer diesseits des Rentenalters seltener anzutreffen sind als Schauspieler in der Politik. Für den Sparminator schaut's nicht gut aus, wenn sich ihm eine sozial derart aufmunitionierte Maschine in den Weg stellt.
Und was droht uns in Europa von Subjekt-orientierter Software? Bahnfahrkarten-Automaten, die erhöhte Ticketpreise nicht an die Kunden weitergeben? Rückwärts laufende Gaszähler in Wohnungen? Einarmige Banditen, die bei Hartz-IV-Empfängern die Gewinnquote erhöhen? Handy-Klingeltöne für unter 16-Jährige Software-bedingt für null Euro? Jeder Geldautomat ein kleiner Robin Hood?
Alle Firmen, die ihre Reichtümer quasi-monopolistisch scheffeln, und die öffentlichen Händchen, die dem armen Manne notorisch in die Tasche greifen, müssten aus purem Selbstschutz nur noch gut dokumentierte Open-Source-Software in gängigen Programmiersprachen benutzen (siehe Titelthema dieses Hefts). Wie sonst sollten sie ihre potenziell sozialrevolutionär marodierenden Systeme austrocknen?!
Hasta la Vista, Baby? Von wegen!