Open Source im professionellen Einsatz

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Farbe in Scribus

Das ganze Spektrum

Ansprechendes Design steht und fällt mit der Wahl ausdrucksstarker Farben. Layoutprogramme brauchen daher leistungsfähige Farbverwaltungsfunktionen. Die freie Anwendung Scribus hat dabei im Vergleich mit der kommerziellen Konkurrenz die Nase vorn.

Für Office-Dokumente reicht es in der Regel, die vordefinierten Farben der Textverarbeitung zu benutzen. Voraussetzung für professionelle Printprodukte ist jedoch eine leistungsfähige Farbverwaltung. Farben sind ein primäres Gestaltungsmittel beim Layouten. Zusammen mit den eingesetzten Schriften geben sie dem Layout seinen Charakter. Eine DTP-Software muss daher eine große Anzahl an Farbschattierungen managen.

Neben einer durchdachten Verwaltungsfunktion verfügen professionelle Zeichen- und Layout-Programme daher auch über mehr oder minder ausgeklügelte Mechanismen für das Mischen von Farben und bringen auch vordefinierte Paletten mit, die meist von kommerziellen Farbanbietern lizenziert sind.

Von Zeichenprogrammen unterscheidet sich Layoutsoftware dadurch, dass sie beim Start zunächst nur eine Minimalpalette anzeigt, die meist lediglich Schwarz, Weiß, Cyan, Magenta, Gelb, Rot, Grün, und Blau enthält. Weitere Farben muss der Anwender erst definieren. Dies ist bei Scribus [1] im Prinzip nicht anders, allerdings enthält seine Minimalpalette neben Grundfarben noch spezielle Schwarztönungen, nämlich Cool Black (kaltes Schwarz), Rich Black (Tiefschwarz) und Warm Black (warmes Schwarz).

Dies trägt der Druckpraxis Rechnung, in der schwarze Tinte oft nur ein sehr dunkles Grau erzeugt. Die speziellen Schwarzschattierungen mischen andere Druckfarben hinzu und erlauben so stärkere Kontraste, allerdings auf Kosten der Farbneutralität. Daher gibt es drei Varianten dieser verstärkten Schwarztöne.

Außerdem enthält die Palette die so genannte Registrierungsfarbe, die aus 100 Prozent aller vier Farben des CMYK-Farbraums besteht. Druckmaschinen benötigen eine Markierung außerhalb des druckbaren Bereichs, um die Druckplatten zu justieren. Diese gibt das Layoutprogramm in der Registrierungsfarbe aus, weil sie dann auf der Platte für jede der Druckfarben erscheint.

In Scribus lässt sie sich wie jede andere Farbe ohne Warnung bearbeiten, obwohl dies in der Praxis selten sinnvoll ist und zu Problemen beim Druck führen kann. Indesign und Quark Xpress verhindern dagegen diese Fehlbedienung.

Licht und Schatten

Neue Farben erzeugt Scribus in einem Farbdialog (Abbildung 1), mit dem sowohl Indesign- als auch Quark-Xpress-Anwender ohne Weiteres zurechtkommen. Farben lassen sich als CMYK-, RGB-, Web- und Schmuckfarben definieren. Allerdings passt das dort stets angezeigt HSV-Farbwählfeld (Hue, Saturation, Value - Farbton, Sättigung, Helligkeit) oben im Dialog nicht zu den CMYK- oder RGB-Farbreglern, die Scribus je nach ausgewähltem Farbmodell anzeigt.

Ähnlich wie etablierte DTP-Programme liefert Scribus fertige Farbpaletten mit. Aus Lizenzgründen handelt es sich dabei aber nur um frei verfügbare Zusammenstellungen, nicht um die bekannten Pantone-, HSK- oder Truematch-Paletten. Wie die Profi-Anwendungen zeigt Scribus bei aktiviertem Farbmanagement an, welche Farben sich mit den gewählten Profilen nicht drucken lassen.

Abbildung 1: Layout-tauglich: Wie die Profi-Programme warnt auch Scribus beim Mischen von Farben, wenn diese außerhalb des druckbaren Bereichs liegen.

Abbildung 1: Layout-tauglich: Wie die Profi-Programme warnt auch Scribus beim Mischen von Farben, wenn diese außerhalb des druckbaren Bereichs liegen.

Farbstark

Beim Umgang mit Farben und Farbpaletten zeigt sich Scribus flexibler als die etablierten Programme. So kann der Anwender im Farbenmanager die Standardpalette austauschen, aus Sicherheitsgründen jedoch nur, wenn kein Dokument offen ist (Abbildung 2). Die Software speichert auch vom Benutzer angelegte Farbpaletten. Darüber hinaus lassen sich Farben aus Dateien importieren, und zwar nicht nur aus Scribus-Dokumenten, sondern auch aus EPS-, Postscript- und Illustrator-Dateien sowie Open-Office.org-Farbpaletten (Dateiendung Soc). Dies hilft die Corporate Identity auch im Zusammenspiel mit anderen Programmen beizubehalten.

Abbildung 2: Wer nicht jede einzelne Farbe über den Mischer selbst definieren möchte, wählt in Scribus zwischen mehreren fertigen Farbpaletten.

Abbildung 2: Wer nicht jede einzelne Farbe über den Mischer selbst definieren möchte, wählt in Scribus zwischen mehreren fertigen Farbpaletten.

Eine Besonderheit von Scribus ist der automatische Import von Farbdaten aus Vektordateien. Indesign und Quark Xpress fügen lediglich im Quelldokument enthaltene Schmuckfarben zu ihren Farbpaletten hinzu. Da Scribus jedoch Vektorzeichnungen in native Scribus-Objekte umwandelt, die sich auch mit den eingebauten Vektorwerkzeugen bearbeiten lassen, importiert das Programm alle Farben aus der Datei. Der Name der Farbe zeigt, aus welchem Importdateiformat sie stammt.

Nach dem Löschen eines Vektorobjekts verschwindet die zugehörige Farbe allerdings nicht von selbst aus der Farbpalette, sodass diese im Lauf der Zeit anschwillt. Die Funktion »Unbenutzte entfernen« entsorgt aber alle nicht im Dokument referenzierten Farben.

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