Von Amts wegen
Kommt ein Beamter zu spät zum Dienst und sagt zu seinem Vorgesetzten: „Entschuldigen Sie bitte, ich habe verschlafen.“ Der Vorgesetzte schaut ihn groß an und fragt verblüfft: „Was, zu Hause schlafen Sie auch noch?“
Kommt ein Beamter zu spät zum Dienst und sagt zu seinem Vorgesetzten: „Entschuldigen Sie bitte, ich habe verschlafen.“ Der Vorgesetzte schaut ihn groß an und fragt verblüfft: „Was, zu Hause schlafen Sie auch noch?“
Witze dieser Art gibt es Hunderte. Wie bei denen über Ostfriesen oder Schwaben entstehen sie aus Vorurteilen, die im Einzelfall berechtigt, aber über die ganze Randgruppe betrachtet natürlich falsch sind. Sich über die vermeintliche Faulheit oder Entscheidungsschwäche von Beamten lauthals zu belustigen sollten insbesondere Mitarbeiter von IT-Firmen unterlassen. Denn die öffentliche Hand ist ein sehr potenter Kunde und sichert so manchen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft.
2007 steigerte die Mehrheit der Bundes- und Landesbehörden ihre IT-Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Nach einer Befragung durch die Beratungsfirma Infora nahm das Vergabevolumen an IT-Unternehmen in neun von zehn Fällen zu. 62 Prozent der befragten 78 Beschaffungsstellen verzeichneten einen Anstieg zwischen sechs und zehn Prozent, bei weiteren 14 Prozent lag er sogar darüber.
Neue Serversysteme standen 2007 besonders hoch im Kurs – zwei Drittel der Verwaltungen beschafften welche. 54 Prozent der befragten Behörden betrauten IT-Anbieter mit der Entwicklung von Individualsoftware, auf Platz 3 rangieren Netzwerklösungen. Beratungsaufträge und Arbeitsplatzrechner liegen mit 28 beziehungsweise 26 Prozent deutlich abgeschlagen dahinter.
Linuxer dürfen die Entwicklung mit kaum verhaltener Freude verfolgen: Zum einen gehen im Servergeschäft aus technischen Gründen nur wenige Wege am freien Betriebssystem vorbei. Zum anderen agieren Verwaltungen bei der Software-Auswahl (und auch sonst) prinzipbedingt merklich nachhaltiger als die oft fremdkapitalisierte und damit auf Quartalszahlen schielende Privatwirtschaft.
Eine öffentliche Verwaltung überlegt beispielsweise viel eher ernsthaft eine Linux-Client-Migration als jede Firma, bei der das Controlling sofort den Return of Investment berechnen will. Dem öffentlichen Auftraggeber ist es tendenziell fast ebenso wichtig, welche Lizenzgebühren er in fünf, zehn und 15 Jahren bezahlen muss, wie die Umstellungsgebühren in den nächsten drei Jahren. Darum punktet Linux dort ungleich besser als im Mittelstand.
Die schöne Logik greift sich freilich nur Bahn, wenn die bereits vorhandene IT-Landschaft keinen kompatibilitätsbedingten Strich durch die Rechnung macht: Flächendeckendes Active Directory oder Fachverfahren-Software, deren Hersteller sich querlegen, sind hier nur zwei Be- und Verhinderungsgründe. Manchmal geben auch nur das Betriebssystem auf dem heimischen PC des verantwortlichen Beschaffers und dessen Unwilligkeit, im Amt ein anderes zu benutzen, den Ausschlag.
Wer meint, das letzte Beispiel wäre wohl ein schlechter Witz, nehme lieber diesen hier: Fragt ein Passant vor dem Rathaus den Bürgermeister: „Sagen Sie mal, wie viel Leute arbeiten denn da drin eigentlich?“ Antwort: „Nun, maximal die Hälfte!“
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