Manchmal hinkt die Computerwelt der Realität um Größenordnungen hinterher. Dass Software zum Beispiel meist bloß auf einem Betriebssystem läuft, überrascht manchen Linux-Einsteiger, wie gelegentliche Zuschriften an die Redaktion beweisen. Wie unkompliziert ist da doch die handfeste Realität: Wer sich ein Möbelstück kauft, muss nicht erst das Kleingedruckte entziffern, um zu erfahren, unter welchen Bedingungen es in welchen Gebäuden funktioniert. Sofa auspacken, hinstellen, draufsetzen, fertig - Usability par excellence.
Oder ist das doch wieder eine unzulässige Vereinfachung? Geht das neue Möbelstück überhaupt ins Zimmer? Wie passen Fernseher und Bücherregal zur neuen Sitzgarnitur? Maßband, Stift und Papier heißen die klassischen Helfer beim Innendesign, ein etwas modernerer ist wie in vielen anderen Bereichen der Computer. Mit Hilfe des Programms Sweet Home 3D ([1], Abbildung 1) ermöglicht er anschauliche Einrichtungsexperimente ganz ohne Möbelrücken.
Abbildung 1: Raumplanung per Drag&Drop: Ohne anstrengendes Möbelrücken demonstriert die Java-Software Sweet Home 3D, wie die Wohnung nach der Neugestaltung einmal aussehen könnte.
Innendesign
Der französische Programmierer Emmanuel Puybaret verspürte offenbar das Bedürfnis, vor der Einrichtung seiner Wohnung erst einmal virtuell hindurchzuschlendern. Mit einem Bachelor-Abschluss in Informatik und einem Master in Industrie- und Produktdesign weist er die passende akademische Ausbildung auf. Puybarets unter der GPL lizenziertes Programm Sweet Home 3D gibt einen deutlichen Hinweis auf die beiden Kernqualifikationen seines Erfinders, indem es professionelle Utensilien mit Bedienkomfort kombiniert.
Schöne Oberfläche
Das Programmfenster besteht aus vier Bereichen. Im rechten oberen zeichnet der Benutzer zunächst die Wände der in Frage kommenden Behausung ein. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein einzelnes Zimmer, eine Lagerhalle oder eine verwinkelte Wohnung handelt. Der Menüpunkt »Plan | Wände editieren« ermöglicht genauere Definitionen, etwa der Höhe und der Wandtexturen. Wer einen eingescannten Grundriss hat, importiert ihn als Hintergrundbild und fährt dann die darauf sichtbaren Begrenzungen mit dem Wandwerkzeug nach.
Der linke obere Bereich des Hauptfensters liefert die Ausstattung für die Wohnung. In den Abschnitten »Badezimmer«, »Küche«, »Schlafzimmer« und »Wohnzimmer« finden sich klassische Einrichtungsgegenstände für die jeweiligen Räume. Dazu gehören nicht nur Möbel, sondern auch ein Kamin oder andere Dekorationsgegenstände. Was sich hinter »Türen und Fenster« verbirgt, lässt sich auch ohne Innendesigner-Kompetenz leicht ahnen. »Verschiedenes« schließlich stellt Treppengeländer, Heizkörper, Gardinen und weitere Accessoires bereit.
Die Möbelstücke schiebt der Benutzer nun per Drag&Drop aus der Liste an den gewünschten Ort im daneben abgebildeten Grundriss. Per Mausklick auf eine der vier Ecken passt er noch die Dimensionen und die Ausrichtung an. Im linken unteren Bereich des Programmfensters entsteht eine Liste aus den verwendeten Möbeln. Ein Doppelklick auf einen Eintrag öffnet den Dialog aus Abbildung 2, in dem man neben der Größe auch Farben und weitere Details spezifiziert.
Abbildung 2: Sweet Home 3D bringt viele virtuelle Möbel mit, die sich im Detail konfigurieren lassen. Wem das nicht reicht, dem liefert die Community weitere Einrichtungsgegenstände en masse.
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