Wie gut sich ein Text liest, hängt nicht nur von der Formulierung ab, auch die Typographie (Schriftart, Zeilenabstand oder Spaltenlänge) spielt eine wichtige Rolle. Dabei greifen Wahrnehmungsphänomene, deren sich der Leser normalerweise nicht bewusst ist. Daher sind Faktoren, die die Lesbarkeit erleichtern, für den Layout-Laien nicht immer einsichtig. Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit haben sie dennoch.
Das Satzsystem Tex hat den Ruf, Text in Profiqualität auszugeben. Von Textverarbeitungen ist bekannt, dass sie den Ansprüchen professioneller Printprodukte nicht genügen. Doch wie schlägt sich auf diesem Gebiet die freie Publishing-Software Scribus [1]?
Ohne Löcher
Für guten Lesefluss ist es wichtig, dass der Grauwert des Textes möglichst gleichmäßig ausfällt. Mit Grauwert ist die Verteilung von Schwarz und Weiß gemeint, wie sie ein kurz- oder weitsichtiger Betrachter ohne Brille wahrnimmt (Abbildung 1). Je weniger Lücken oder Verdichtungen es hier gibt, desto leichter fällt es dem Auge, den Text abzutasten. Daher gilt Blocksatz im Vergleich zu links- oder rechtsbündig ausgerichtetem Flattersatz als besser lesbar. Dass dies nicht immer so sein muss, zeigt sich, wenn beim Blocksatz durch das Strecken der Textzeilen zu große Abstände zwischen den Wörtern entstehen.
Schon viel besser
Abbildung 1 zeigt links einen Blocksatz, wie ihn Scribus in der stabilen Version 1.3.3.12 erstellt. Die rechte Spalte nutzt zwei neue, ab der noch instabilen Entwicklerversion 1.3.4 verfügbare Features: einen neuen Zeilenumbruch-Agorithmus und die so genannte Glyphenskalierung. Nach eigenen Angaben haben die Entwickler dieses Konzept aus Pdflatex übernommen [2], in dem das Feature ebenfalls zur Verfügung steht. Arbeitete das alte Verfahren lediglich mit einer Vergrößerung des Wortabstands, um die Zeilen nach dem Umbruch zu füllen, prüft die Software nun noch, ob ein Verschieben des Umbruchs durch verringerten Wortabstand bessere Ergebnisse liefert.
Abbildung 1: Nicht mehr so löchrig: Ab der instabilen Version 1.3.4 verschwinden im Blocksatz die übergroßen Wortabstände, wie die farbigen Abstandskeile und der mit Unschärfe sichtbar gemachte Grauwert beweisen.
Außerdem kittet Scribus die Lücken zwischen den Wörtern, indem es die einzelnen Buchstaben (Glyphen) geringfügig in die Breite skaliert. Der mit einem Unschärfefilter bearbeitete Bereich des Textes verdeutlicht die Verbesserung: Der Grauwert fällt rechts ruhiger aus. Die farbigen Keile oben in der Abbildung zeigen, dass Scribus die Wortabstände an vielen Stellen weniger dehnt.
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