Open Source im professionellen Einsatz

© scx.hu

PDFs unter Linux bearbeiten

Endstation PDF?

PDF-Dateien lassen sich unter Linux leicht erzeugen, aber schwer nachträglich bearbeiten. Wann der Import in Inkscape und wann der Einsatz von PDF-Annotatoren wie des kommerziellen Cabaret Stage oder des freien Flpsed die bessere Lösung ist, untersucht diese Bitparade.

Abbildung 4: Ohne fehlerträchtigen Export und Import fügt die kommerzielle Software Cabaret Stage bestehenden PDFs neue Text- und Grafikelemente hinzu.

Abbildung 4: Ohne fehlerträchtigen Export und Import fügt die kommerzielle Software Cabaret Stage bestehenden PDFs neue Text- und Grafikelemente hinzu.

PDFs unter Linux schreiben ist leicht: Die Druckfunktion so gut wie jeder Anwendung erzeugt eine Postscript-Datei und Ps2pdf aus dem Ghostscript-Paket wandelt Postscript in PDFs um. Inzwischen bieten Programme wie Open Office, Scribus und Inkscape eine eigene PDF-Exportfunktion.

Umkehrfunktion

Wesentlich schwieriger ist es aber, eine Linux-Anwendung zu finden, die bestehende PDFs editiert. Lange Zeit blieb dies kommerziellen Mac- und Windows-Programmen wie dem Illustrator und Acrobat von Adobe, den Ursprüngen des PDF-Formats, vorbehalten. Auch kommerziellen Programmen anderer Hersteller fiel der Import des verbreiteten Adobe-Dateiformats schwer, obwohl die Spezifikation seit Jahren offen liegt [1], die Entwickler also nicht auf Reverse-Engineering angewiesen sind.

Ein Meilenstein für die freie Softwarewelt war daher der auf Poppler [2] basierende PDF-Importfilter in Inkscape 0.46 [3]. Damit lassen sich PDFs in Inkscape wie normale Zeichnungen bearbeiten, der Benutzer kann sowohl Text als auch Grafik mit leistungsfähigen Werkzeugen verändern. Die Software wandelt die PDF-Datei zunächst in ihr natives SVG-Format um. Dabei ergaben sich im Test durchweg bessere Ergebnisse als bei der Umwandlung in SVGs mit Pstoedit [4]. Eine auf Cairo [5] basierende Exportfunktion erzeugt daraus wieder ein PDF.

Langer Weg

Dass bei diesem zweimaligen Formatwandel alle Details des extrem umfangreichen PDF-Formats erhalten bleiben, sollte niemand ernsthaft erwarten: PDFs nach der aktuellen Spezifikation 1.7 dürfen beispielsweise 3D-Daten (vergleiche Artikel "Räumlicher Container" in der Rubrik "Know-how") oder Javascript enthalten. Beide fehlen nach dem Import und erneuten Export.

Aufschluss über die Qualität des Importfilters gibt ein für die Druckerei bestimmtes, von Adobe Indesign geschriebenes PDF einer Linux-Magazin-Seite. Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis brauchbar aus (Abbildung 1). Inkscape importiert die Farbverläufe im Seitenkopf ohne Abstriche, Abbildungen hat die Software nach Rückfrage beim Öffnen in das Dokument eingebettet. Bei der Schrift tritt jedoch ein grundsätzliches Problem zu Tage: Da diese auf dem Linux-System fehlt, hat Inkscape sie durch eine Standardschrift ersetzt, obwohl der Font im PDF eingebettet ist.

Abbildung 1: Grafische Elemente importiert der neue PDF-Importfilter in Inkscape 0.46 ohne erkennbaren Unterschied, die im PDF eingebetteten Schriftdateien übernimmt er aber nicht.

Abbildung 1: Grafische Elemente importiert der neue PDF-Importfilter in Inkscape 0.46 ohne erkennbaren Unterschied, die im PDF eingebetteten Schriftdateien übernimmt er aber nicht.

Mit PDFs, die Text enthalten, kann Inkscape daher nur sinnvoll umgehen, wenn alle benutzten Schriften auf dem System installiert sind. Schlimmer noch ist, dass der Fließtext nicht in einem zusammenhängenden Block vorliegt, sondern dass Indesign ihn beim Export in Blöcke wechselnder Größe teilt. Wer den Text bearbeiten möchte, muss daher in Inkscape einen neuen Textrahmen erstellen und den Text per Zwischenablage aus dem Adobe Reader holen.

Wesentlich weniger als der Import überzeugt allerdings der PDF-Export. Er kommt mit den zahlreichen Farbverläufen des Testobjekts nicht klar (Abbildung 2). Allerdings gilt dies nur für den Export über »Speichern unter«. Der Druck in eine Datei mit PDF als Ausgabeformat liefert ein besseres Ergebnis.

Abbildung 2: Anders als der Import kommt der PDF-Export in Inkscape mit den Farbverläufen der Linux-Magazin-Seite nicht zurecht, das Drucken in eine PDF-Datei funktioniert jedoch fehlerfrei.

Abbildung 2: Anders als der Import kommt der PDF-Export in Inkscape mit den Farbverläufen der Linux-Magazin-Seite nicht zurecht, das Drucken in eine PDF-Datei funktioniert jedoch fehlerfrei.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 3 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook