Open Source im professionellen Einsatz

Applikationsserver

Die Stichworte Applikationsserver und Laufzeitumgebung sind schon mehrfach gefallen. Dabei handelt es sich um umfangreiche Java-Programme, die die Anfragen von Browsern über das Netz entgegennehmen, an die Webanwendungen weiterleiten und deren Antworten wieder an den Browser zurückliefern. In produktiven Umgebungen stehen diese Server typischerweise in zweiter Reihe hinter einem oder mehreren Apache-Webservern, die unter anderem für die Lastverteilung, die Auslieferung von statischem Code oder für die Ver- und Entschlüsselung der Kommunikation zuständig sind.

Wer eine Java-Webanwendung entwickelt, kennt seine Zielumgebung entweder sehr genau (zum Beispiel bei Inhouse-Entwicklungen) oder gar nicht. Im diesem Fall bleiben dann alle Erweiterungen bestimmter Anwendungsserver außen vor. Nicht in allen Umgebungen ist dies möglich: Wer für SAP-Systeme programmiert, kommt um die Spezifika nicht herum.

Anwendungen, die für reine Webcontainer entwickelt sind, lassen sich am einfachsten in verschiedene Laufzeitumgebungen installieren. Webcontainer bieten nicht alle Services der umfangreicheren J2EE-konformen Server. Sie genügen jedoch für Anwendungen, die sich selbst um Datenbankzugriffe oder die Benutzerauthentifikation kümmern.

Entgegen dem Java-Prinzip "Compile once - run everywhere" spielt manchmal leider auch die Implementierung des Applikationsserver für ein bestimmtes Betriebssystem eine Rolle. Der Autor dieses Artikels weiß aus eigener leidvoller Erfahrung: Bei einer Anwendung, die in Tomcat oder Websphere unter Windows lief, kam es bei Websphere unter Linux zu Problemen.

Diese Inkompatibilitäten haben dem angeblich von der Plattform abstrahierenden Java insgesamt viel Kritik eingebracht. Wer jedoch schon einmal eine komplexe Anwendung auf andere Plattformen portiert hat, weiß, dass es sich dabei um eine schwierige Aufgabe handelt. Die Probleme zu kurieren, die mit Java-Webanwendungen auf nicht getesteten Plattformen auftreten, erweist sich im Vergleich als relativ einfach.

Tomcat, JBoss, Bea, Websphere & Co.

Typische Vertreter von Open-Source-Applikationsservern sind Tomcat ([5], Abbildung 2) und Jetty [6], beides reine Webcontainer, die auch in vielen kompletten Servern den Part des Webcontainers übernehmen. JBoss [7] ist ein kompletter, offen entwickelter J2EE-konformer Applikationsserver. Red Hat hat die dahinterstehende Firma inzwischen aufgekauft. Ebenso erging es Bea [8]. Lange Zeit Markt- und Technologieführer, ist Bea inzwischen Teil von Oracle. Wie die Zukunft des Bea-Servers in Konkurrenz zum Oracle-eigenen Applikationsserver aussieht, gilt als ungewiss.

Abbildung 2: Nach der erfreulich unkomplizierten Installation zeigt Tomcat, so heißt die Referenzimplementierung des Java-Webservers der Apache-Foundation, einen Begrüßungsbildschirm mit Links zur Dokumentation und zu Beispielanwendungen.

Abbildung 2: Nach der erfreulich unkomplizierten Installation zeigt Tomcat, so heißt die Referenzimplementierung des Java-Webservers der Apache-Foundation, einen Begrüßungsbildschirm mit Links zur Dokumentation und zu Beispielanwendungen.

IBM kam mit seinem Applikationsserver Websphere ziemlich spät auf den Markt. Am Anfang nicht wirklich produktiv einsetzbar, läuft er jetzt auf allen IBM-Plattformen und hat einen hohen Marktanteil. Von Websphere gibt es auch eine Community-Edition [9]. Sie enthält aber eine völlig andere, modernere Technologie als die kommerziellen Fassungen: Sie nutzt den Apache-Applikationsserver Geronimo [10], dessen Code zum überwiegenden Teil von IBM stammt. Abbildung 3 zeigt die Web-Administrationskonsole von Geronimo. Sun selbst schickt seinen Server unter dem Namen Glassfish [11] ins Rennen - ebenfalls unter Open-Source-Lizenz.

Abbildung 3: Geronimos Web-Adminkonsole bietet Zugriff auf grundlegende Administrationsfunktionen und zusätzlich einen Überblick über den Systemstatus.

Abbildung 3: Geronimos Web-Adminkonsole bietet Zugriff auf grundlegende Administrationsfunktionen und zusätzlich einen Überblick über den Systemstatus.

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