Java Server Pages
Das Servlet-API ermöglicht für sich genommen keine Trennung von Webdesign und Programmierung. Dass eine Model-View-Controller-Architektur in der Praxis viele Vorteile bietet, erkannten jedoch auch die Software-Architekten von Sun. Sie kreierten daher 1999 eine neue Technik zum Erzeugen dynamischer Webseiten, die Java Server Pages (JSP). Sie kehren das Prinzip des Servlet-API um: Nicht das Servlet erzeugt nun die Webseite, sondern die Webseite erzeugt das Servlet. Eine JSP sieht vereinfacht ausgedrückt aus wie eine HTML-Seite mit eingebettetem Java-Code. Die Laufzeitumgebung erzeugt daraus dynamisch ein Servlet. Webseiten mit wenig Programmlogik lassen sich so einfacher erstellen.
Wie bei anderen Sprachen ergibt sich auch bei Java Server Pages das Problem, dass HTML-Seiten mit einem steigenden Anteil an eingebettetem Programmcode unübersichtlich werden und schwer zu pflegen sind. Um die Trennung von Seitendesign und Programmlogik weiter zu verbessern, erfand Sun die so genannten Taglibs. Dabei handelt es sich um vom Entwickler definierte, den Standard-HTML-Tags ähnliche XML-Elemente, die in den Java Server Pages den Code von häufiger benötigten Funktionen vertreten und die der Parser erst zur Laufzeit in Java-Code umsetzt.
Bei den JSPs gibt es wie auch bei den Servlets mehrere API-Versionen. Mit jeder Fassung wuchs die Funktionalität und dadurch auch die Komplexität. So gibt es inzwischen eine eigene Mini-Skriptsprache innerhalb der JSPs, die so genannte Expression Language. Häufig benötigte Tags für Funktionen wie Flusskontrolle oder Textformatierung stellt die Standard-Taglib (JSTL) zur Verfügung.
Wie immer beschränkt sich Sun auch hier auf die Festlegung der Spezifikation, inzwischen zum größten Teil mit Beteiligung einer offenen Community. Implementierungen sind Sache der Applikationsserver. Für Open-Source-Anhänger erfreulich ist, dass die Apache Foundation die Referenzimplementierungen pflegt.
Java Server Faces
Ein weiteres, relativ neues API sind die Java Server Faces (JSF). Ihr Programmiermodell lehnt sich an Standards aus der Programmierung von lokalen Desktopanwendungen an. Die Oberfläche setzt sich aus verschiedenen GUI-Elementen zusammen, ein Listener-Interface verarbeitet die durch den Benutzer ausgelösten Ereignisse.
Diese schwer überschaubare Vielzahl an APIs hat Java den Ruf eingebracht, schwer beherrschbar zu sei. In der Tat ist es schwierig, den sich sehr schnell weiterentwickelnden Spezifikationen zu folgen. Wer dies als abschreckend empfindet, sollte aber bedenken, dass die Technologien oft das Leben eines Webentwicklers, der sich mit ihnen auskennt, stark erleichtern. Der Entwickler muss außerdem nicht alle APIs gleichzeitig nutzen. Frameworks abstrahieren schließlich sogar komplett von den Java-APIs.
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