Open Source im professionellen Einsatz

Greg Kroah-Hartman über Neues von seinem Linux-Treiber-Projekt

In die Höhe wachsen

Im Linux-Treiber-Projekt suchen Hunderte Freiwillige nach Hardware, für die es keinen Treiber gibt. Ihr Ziel ist es, den fehlenden Code zu entwickeln und ihn im offiziellen Linux-Kernel zu platzieren. Gerade züchtet das Projekt einen eigenen Code-Baum mit allen Treiberpatches, an denen es gerade arbeitet.

Als das Projekt im Januar 2007 an den Start ging, fiel mir die Vorstellung schwer, wie die Menge der ganz unterschiedlichen Geräte zu bewältigen sein würde. Aber es stellte sich heraus, dass eine erfreulich große Zahl an Entwicklern bereit ist mitzumachen - nämlich Code für den Linux-Kernel zu schreiben - unentgeltlich, egal für welche Firma. Wir sind jetzt über 300.

Arbeit gesucht

Gegenwärtig stehen wir eher vor dem Problem, dass es zuwenig Hardware gibt. Linux unterstützt mehr Geräte und mehr Prozessoren als jedes andere Betriebssystem. Fehlende Treiber zu finden, ist da gar keine leichte Aufgabe.

Es gibt zwei Hardwareklassen, die Linux oft Schwierigkeiten bereitet: WLAN- und Video-in-Geräte. Außerhalb des Treiber-Projekts sind bereits viele Entwickler unterwegs, um die Probleme zu lösen. So befinden sich WLAN-Treiber inzwischen in mehreren guten Händen. Bei Herstellern gibt es leider Ausnahmen, die sich Linux hartnäckig verweigern. Die betroffenen Geräte unterstützt Linux dann erst ein halbes Jahr später, weil das Reverse Engineering so lange dauert.

Hauptsächlich beschäftigt sich unser Projekt jetzt mit der Review von Treibern, die es aus dem einen oder anderen Grund nicht in den Kernel geschafft haben. Die Entwickler passen den Code an und bringen ihn durch den Submission- und Review-Prozess in den Kernel. Auf diesem Weg befinden sich zurzeit zehn Objekte, darunter ein PCI-Treiber für Kolter-I/O-Karten, den Bernhard Kuhn schon 1999 im Linux-Magazin beschrieben hat [1]. Folgende Hardware darf hoffen: Die 1-GBit-Ethernet-Karten von Alacritech und die ET1301- und 131x-Serien von Agere, Framebuffer von Via, Video-Devices von Firesat und Sesoray, Messkarten von Meilhaus und generische USB-Messhardware sowie Motorsteuerungen von Oregon Micro.

Einiges läuft auch nicht so gut im Projekt. Eine ganze Reihe von Treibern, die wir auf Wunsch von Firmen schreiben, stecken fest. Wir haben zwar viele Freiwillig, nur sind die manchmal etwas langsam. Einige verschwinden nach halb fertiggestelltem Code von der Bildfläche, andere haben einfach Schwierigkeiten beim Zusenden der Hardware, weil sie rund um die Welt verstreut wohnen.

Online

Auf Linux-Magazin Online [http://www.linux-magazin.de] führen die Suchworte »Greg Video« zu einem Video-Interview mit Greg Kroah-Hartman. Es entstand Ende April am Rande einer Messe in Hannover.

Einen Baum pflanzen

Um diese Probleme anzugehen, gibt es jetzt Entwickler-Snapshots aller Treiber in einem öffentlichen Entwickler-Baum namens »linux staging« [2]. Er entstand aus dem Bedarf nach einem Ort für die Treiber, die im Kernel-Baum noch nicht aufgenommen sind, an die die Leute aber herankommen können, wenn sie helfen wollen. Diese Treiber finden Eingang in die Nightly Builds der nächsten Kernelversion. Die Stabilität des aktuellen Kernels gefährden sie also nicht. Andererseits können Anwender trotzdem diese Treiber benutzen, um ihre Hardware zum Laufen zu bekommen.

Und: Das Projekt ist weiterhin offen für alle Geräte ohne Linux-Support. Die neue Art, Projekte abzuwickeln, verhindert die früheren Probleme. (ake)

Infos

[1] Bernhard Kuhn, "Ein- und Ausgänge im Griff": Linux-Magazin 10/99, S. 34

[2] Snapshot des Linux-Treiber-Projekts: [http://git.kernel.org/?p=linux/kernel/git/gregkh/staging.git]

Der Autor


Greg Kroah-Hartman arbeitet bei Novell vollzeit am Linux-Treiber-Projekt [http://www.linuxdriverproject.org] und wirkt als Maintainer für den Suse-Kernel.

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