Open Source im professionellen Einsatz

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Zertifizierungsprogramme für Admins im Überblick

Aufs richtige Pferd setzen

CPU-Geschwindigkeiten, Festplattenkapazitäten und Netzwerklatenz - alles messbar. Das Wissen und die Erfahrung eines Admin sind nicht so einfach festzustellen. Oder doch? Zertifizierungsprogramme unterschiedlicher Anbieter sollen Klarheit schaffen. Ein Vergleich.

Die Geister scheiden sich, ob Zertifikate IT-Spezialisten mehr als Schmuck über dem Schreibtisch dienen oder ob sie tatsächlich nützlich für das berufliche Vorankommen sind. Fairerweise lässt sich bei allen renommierten Zertifizierungsprogrammen feststellen, dass ihre Anbieter mit großem Ernst an die Sache gehen und Absolventen einiges leisten müssen, um die von einigen begehrten Urkunden in Händen zu halten. Dennoch unterschieden sich die Herangehensweisen, Ziele und nicht zuletzt die Preise der Programme erheblich.

Das Linux-Magazin hat mit einem Querschnitt der Anbieter gesprochen, die Zertifikate für IT-Profis mit einem Schwerpunkt auf Linux und ähnlichen Betriebssystemen ausstellen. Dazu gehören das Linux Professional Institute (LPI), Red Hat Global Training Services, die BSD Certification Group und als Abrundung noch ein Cisco-Schulungsanbieter, der die geachteten, aber auch gefürchteten Netzwerk-Schulungen offeriert.

Eine Reihe weiterer Zertifikate ist am Markt erhältlich, fast jeder Schulungsanbieter stellt nach der Teilnahme an einer Weiterbildung eine Urkunde aus. Der Überblick beschränkt sich daher auch nur auf die eigentliche Zertifizierung; alle Anbieter haben natürlich auf Nachfrage des Linux-Magazins darauf hingewiesen, dass derjenige den begehrten Nachweis am effektivsten erringt, der sich vorher im gleichen Hause oder bei akkreditierten Partnern hat schulen lassen.

Mit Brief und Siegel

Immerhin: Alle Anbieter erlauben es, die Prüfung abzulegen, ohne an den oft um eine Größenordnung teureren Schulungen teilzunehmen. Zumeist erlauben sie es auch, an höheren Prüfungen teilzunehmen, ohne den zugrunde liegenden Level bereits erreicht zu haben. Allerdings verleihen dann nicht alle Anbieter auch den vollen Titel. Zudem sind einige Zertifikate nur eine gewisse Zeit offiziell gültig. Danach verlangen die Zertifizierer einen Auffrischkurs.

Die Anbieter betreiben einigen Aufwand, damit ihre Zertifikate den Examinierten und ihren Arbeitgebern etwas nützen. In einem "Job Task Evaluation Process" definieren sie den Prototyp einer Jobbeschreibung, die ein Absolvent ausfüllen können soll. Dies führt in den meisten Fällen zu einer dreistufigen Hierarchie: Der untere Level qualifiziert zu unterstützenden Tätigkeiten, der mittlere und häufigste zu einem klassischen Admin-Job. Einige Programme runden ihr Angebot nach oben für Teilnehmer ab, die noch weiter gehende Ambitionen haben. Diese Experten, Spezialisten oder Architekten dürfen sich dann in der einen oder anderen Fachrichtung profilieren, etwa für Hochverfügbarkeit, Network Deployment oder das Datacenter.

Die Anbieter nutzen die Methoden der Psychometrie. Diese Teildisziplin der Psychologie sorgt dafür, dass nicht nur die Inhalte der Fragen stimmen, sondern dass die Prüfung sie auch richtig stellt.

E LPI

Eine der bekanntesten Linux-Zertifizierungen bietet das Linux Professional Institute (LPI, [1]). Für Außenstehende ist die Struktur der in Kanada ansässigen Organisation nicht einfach zu durchschauen: Einerseits Non-Profit-Organisation, aufgebaut wie ein Open-Source-Projekt, gibt es andererseits eine Reihe von kommerziell operierenden Unternehmen, die Prüfungen und Prüflinge verwalten. Das LPI bietet nur Examina an; Vorbereitungskurse und Lernmaterialien vertreiben Dritte. Es gibt mehrere akkreditierte Schulungspartner.

Durch seine Community-Nähe ist das LPI oft auf Messen präsent. Dort legen Kandidaten Prüfungen auf Papier ab, die lokale Helfer gesammelt nach Kanada zur Auswertung schicken (Abbildung 1). Die (etwas teurere) Alternative sind kommerzielle Prüfzentren: Dort stehen Computer, die Multiple-Choice-Fragen vorlegen - oft unter proprietären Betriebssystemen. Neben Mehrfachauswahl von Antworten zu Fragen aus dem Admin-Alltag sind gelegentlich auch Lückentexte mit Befehlsnamen oder Kommando-Aufrufen auszufüllen.

Abbildung 1: LPI und BSD bieten an die Prüfungen auf Papier zu absolvieren. Manchmal gibt es auf Messen sogar vergünstigte Teilnahmegebühren.
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Abbildung 1: LPI und BSD bieten an die Prüfungen auf Papier zu absolvieren. Manchmal gibt es auf Messen sogar vergünstigte Teilnahmegebühren. (Bild: © PhotoCreate, Fotolia.com)

Die erste Stufe der Zertifizierung LPIC-1 umfasst zwei Teilprüfungen, die Grundlagen der Systemadministration abfragen. Sie ist besonders bei Quereinsteigern und Studienabsolventen beliebt und weist nach, dass der Inhaber als Junior-Admin unter Anleitung Aufgaben übernehmen kann. Ab Ausgabe 08/06 hat das Linux-Magazin alle LPIC-1-Themen in einer monatlichen Serie behandelt.

Das LPIC-2-Zertifikat gibt es ebenfalls nach zwei absolvierten Prüfungen. Wer diese Urkunde in Händen hält, dem vertrauen kleine und mittlere Unternehmen schon mal den Betrieb der internen IT an. In größeren Unternehmen sind oft Spezialisten für einzelne Sachgebiete gesucht. An diese Zielgruppe wendet sich das LPIC-3-Programm, das gegenwärtig noch entsteht. Eine bestandene Prüfung 301 berechtigt zum Führen des Titels "LPIC-3 Core", erwartet aber, dass der Kandidat weiterführende Fachexamina ablegt, sobald sie verfügbar sind.

Laut Klaus Behrla, Geschäftsführer der LPI Central Europe GmbH, werden die LPI-Zertifikate nicht zuletzt wegen ihrer großen Verbreitung von immer mehr Unternehmen anerkannt und gefordert. Für ihn gelten die ersten beiden Stufen als solider Nachweis von Grundlagen, Inhabern von LPIC-3-Urkunden attestiert er gar Top-Chancen.

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