Neues bei Debian
Debianopolis
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Große Rochade bei Debian: Der alte Debian Project Leader (DPL) sorgte Stunden vor dem Ende seiner Amtszeit für eine Personal-Überraschung. Damit hat er dem Gusto seines Nachfolgers Vorschub geleistet. Bisher war James Troup alleiniger Debian Account Manager (DAM), hatte also als Einziger die Berechtigung, Benutzerzugänge auf den Entwicklermaschinen des Projekts anzulegen.
Abbildung 1: Schneller Schachzug: Kurz vor seinem Abgang ernannte der alte DPL noch rasch einen neuen Accountmanager. Der neue DPL fand das gut und ernannte gleich noch einen. (Bild: © Tryfonov, fotolia.com)
Jeder, der offizieller Debian-Entwickler werden wollte, musste das Wohlwollen Troups erlangen. Vor allem musste er darauf warten, dass Troups die Benutzerzugänge zu den Debian-Maschinen anlegte. Genau das geschah aber zögerlich. Manche Debianer bezeichneten den DAM schon als Single Point of Failure.
Zwar hat das Projekt versucht die Lage zu entschärfen. So wurde Jörg Jaspert zum Aushilfs-DAM ernannt, der die Berichte der New-Maintainer-Ausbilder lesen und für ausreichend erklären konnte. Für James Troup war damit einzig das Anlegen der Accounts als Aufgabe übrig geblieben. Auch das funktionierte jedoch nicht. Die neuen Maintainer waren mit ihrem "Zeugnis" zwar berechtigt, einen Debian-Account zu bekommen, das Anlegen desselben dauerte oft aber immer noch mehrere Wochen.
Nicht nur der New-Maintainer-Prozess, auch die Pflege des GnuPG-Keyring ließ zu wünschen übrig. Sam Hocevar, DPL der vorigen Amtszeit, fragte Troup darum letzten Winter, wie er sich die weitere Zusammenarbeit vorstelle. Eine fruchtbare Antwort blieb aus.
Am 17. April, wenige Stunden vor dem Ende seiner Amtszeit, griff Hocevar zu einer unkonventionellen und drastischen Maßnahme. Er erklärte auf der Devel-Announce-Mailingliste kurzerhand Jörg Jaspert zum vollwertigen DAM [1]. Juristisch steht ihm das zu - durch die Autorität, die die Debian-Verfassung [2] ihm verleiht: Debian Account Manager gelten als Delegierte des DPL und in der Wahl seiner Delegierten ist der DPL frei.
Diese Last-Minute-Aktion zog Gerüchte nach sich, dass der neue DPL Steve McIntyre sie nicht gutheißen würde. McIntyre widersprach aber bald. Er setze sogar noch einen drauf und ernannte mit Christoph Berg einen weiteren DAM. Damit zeichnen drei Entwickler für die Accountverwaltung verantwortlich.
Kurz nach der Ernennung Jasperts gab es eine regelrechte Schwemme von New-Maintainern, die schon monatelang gewartet hatten. Zum ersten Mal seit Jahren wartet kein Bewerber mehr auf seinen Zugang zu den Entwicklermaschinen, wenn er den ganzen Zulassungsprozess inklusive DAM-Approval erfolgreich durchlaufen hat.
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