Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2008

Netzwerk-Monitoring mit Nagios und Mapping für Open Streetmap

Tux liest

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Alles im Blick dank Open Source: Was Nagios fürs Netzwerk erledigt, möchte Open Streetmap für das Straßennetz schaffen. Das Linux-Magazin hat sich die passenden Bücher angesehen.

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Eine fast zu schöne Szene: Ein sich bei einer Tasse Kaffee genüsslich vor seinem Nagios-Cockpit räkelnder Admin, der das ganze Netz im Überblick hat und auf jede Störung sofort reagieren kann. Dass der Weg dahin steil und dornig ist, weiß jeder, der sich schon einmal durch die überbordende Online-Dokumentation des Monitoring-Tools gekämpft hat.

Durchblick im Netz

Gut, dass es Wegweiser wie das Nagios-Buch von Wolfgang Barth gibt, dessen zweite Auflage jetzt erschienen ist. Auf über 700 Seiten vermittelt der Autor tiefe Einblicke in die Konfiguration der funktionsreichen Software, stellt die reichhaltigen Möglichkeiten der Visualisierung vor und gibt Hilfestellung für Einsatzarten wie die Überwachung von Windows-Servern, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und SAP-Systemen. Ein eigener Buchteil widmet sich dem Thema Entwicklung und erläutert unter anderem, wie man Nagios-Plugins für spezielle Anforderungen selbst schreibt.

Neu in der zweiten Auflage ist die Behandlung von Nagios 3, doch auch die Version 2 kommt nicht zu kurz. Die Installation der Linux-Software beschreibt Barth distributionsübergreifend und geht auf Besonderheiten der einzelnen Distributionsfamilien ein. Bei der Konfiguration beschränkt er sich anfangs auf eine schlichte Variante, sodass auch der Nagios-Neuling schnell zu einem lauffähigen System gelangt. Ausführlichere Darstellungen von Möglichkeiten und Features der Software liefert er in späteren Buchteilen nach.

Kaum ein Admin wird sich durch das gesamte Buch arbeiten. Um es als Nachschlagewerk benutzen zu können, hilft der umfangreiche Index. Die im ganzen Buch vorhandene Marginalspalte hätte hierfür ein Übriges getan - leider bleibt sie nahezu ungenutzt. Auch hätte sich mancher Leser bei einem grafisch orientierten Tool wie Nagios mehr und bessere Abbildungen gewünscht.

Auch wenn Gutes immer noch besser gemacht werden könnte: Summa summarum ein schwer verzichtbares Buch für Admins von Netzwerken und Rechenzentren und in seiner Art auf dem deutschen Markt einmalig.

Info


Wolfgang Barth:

Nagios; 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Open Source Press, München, 2008

734 Seiten, 45 Euro

ISBN 978-3-937514-46-8

Mit GPS-Gerät in der Hand

Ein Buch über ein Projekt, dessen Mitglieder mit GPS-Empfängern durch die Straßen laufen, um eine freie Weltkarte zu kartographieren. Wer braucht das? Ein Blick in das bei Lehmanns Media erschienene "OpenStreetMap" von Frederik Ramm und Jochen Topf zeigt schnell, dass das Projekt in letzter Zeit Erstaunliches vollbracht hat. Wer sich die Karten von großen Städten in Deutschland auf [http://openstreetmap.org] ansieht, stellt kaum einen Unterschied zu den großen Brüdern wie Google oder Mapquest fest. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich eine Reihe von Fragen, die das Buch in vier Abschnitten beantwortet.

Was Open Streetmap ist, erläutert die übersichtliche Einführung, gefolgt von einer Einladung zum Mitmachen: Die Autoren erklären, wie jeder Daten sammeln, hochladen, auszeichnen und mit Hilfe vorgestellter Werkzeuge zur freien Weltkarte hinzufügen kann. Sowohl bei GPS-Geräten als auch bei den Map-Features stellt das Buch eine gute Auswahl vor und gibt Praxistipps.

Dieser Band erklärt zudem die wichtigsten Editoren, um Karten zu bearbeiten und GPS-Traces zu verwalten, erläutert Lizenzfragen und vermittelt Hintergründe über die verschiedenen Renderer, die Vektordaten in Karten umrechnen. Daneben finden sich Beispiele, wie sich Karten in Websites einbinden lassen, und Beschreibungen der APIs, um eigene Anwendungen zu entwickeln.

Der letzte Abschnitt wendet sich an Entwickler, die mehr als nur Karten aus Open Streetmap machen wollen. Topf und Ramm beschreiben dazu Datenmodelle, Tools zum Konvertieren sowie Webdienste, selbst Routenplanung und Navigation thematisieren sie. Das Buch schließt mit einem kurzen Anhang über die Grundbegriffe der Geodäsie.

Die 240 Seiten sind sorgfältig zusammengestellt, nur die 32 Farbtafeln in der Buchmitte sind etwas unpraktisch, weil sie viel Blättern erfordern. Der Inhalt jedoch motiviert ungemein, gleich GPS und Fahrrad klarzumachen und die Welt zu kartographieren - frei. (mhu)

Info


Frederik Ramm, Jochen Topf:

OpenStreetMap

Lehmanns Media, Berlin 2008

288 Seiten, 30 Euro

ISBN 978-3-86541-262-9

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