Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2008

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Im Bereich der 3D-Grafik genießt freie Software einen guten Ruf. Neben Blender gibt es weitere hochwertige Projekte: Makehuman erstellt realistische Menschen-Bilder in 3D, und Art of Illusion hilft mit einer intuitiven Benutzeroberfläche beim Einstieg in die Welt der Animationsfilme.

624

Es muss nicht immer Blender [1] sein. Obwohl sich das freie 3D-Programm (siehe Abbildung 1) seinen Ruf als Prestigeprojekt der freien Software-Community durch große Leistungsfähigkeit redlich erarbeitet hat, gibt es in manchen Teilbereichen in der Welt des 3D-Rendering auch Projekte, die ihm den ersten Platz streitig machen.

Abbildung 1: Mit Blender wurden bereits mehrere beeindruckende Animationsfilme produziert. Die leistungsfähige Software ist seit 2002 frei und bei Rendering-Profis und engagierten Nutzern populär.

Blender

Dass Blender hohen technischen Ansprüchen genügt, ergibt sich schon aus seiner Herkunft: Die Firma Neogeo begann bereits 1995 mit der Programmierung von Blender, zunächst für den eigenen Gebrauch. Die Entwicklung schritt so gut voran, dass Blender-Chefentwickler Ton Roosendaal 1998 das unabhängige Unternehmen Not A Number gründete, um das Programm zu vermarkten. Es handelte sich dabei zwar weiterhin um proprietäre Software, die jedoch - damals in diesem Softwarebereich noch ganz außergewöhnlich - bereits kostenlos vertrieben wurde.

Das ökonomische Konzept mit einer nur um wenige Funktionen erweiterten kommerziellen Variante ging jedoch trotz vielversprechender Anfänge nicht auf und Not A Number verlor seine Investoren. Um die Existenz von Blender zu retten, sammelte Ton Roosendaal in nur sieben Wochen die für den Kauf des Quellcode nötigen 100000 Dollar und gab das Programm daraufhin im Jahr 2002 unter der GPL frei. Er gründete außerdem die Stiftung Blender Foundation, die sich seither um die Weiterentwicklung kümmert.

Seit jeher sorgt zumindest bei Einsteigern die gewöhnungsbedürftige Oberfläche von Blender für Ressentiments. Der Umgang mit dem Programm setzt die Kenntnis zahlreicher wenig intuitiver Icons und Tastenkürzel voraus und transportiert in Sachen Usability noch immer den Geist der 90er Jahre [2].

Es besteht kein Zweifel, dass es sich lohnt, sich in die unzähligen Features von Blender einzuarbeiten. Das beweisen ansehnliche Ergebnisse wie die damit produzierten Animationsfilme "Elephants Dream" [3] und "Plumíferos" [4]. Mit "Peach" [5] befindet sich bereits ein weiteres aufwändiges Blender-Erzeugnis in Arbeit, das wie Elephants Dream unter freier Lizenz erscheinen soll.

Menschen machen

Wie erwähnt gibt es neben Blender weitere freie Software, die in der Welt der dreidimensionalen Cumputergrafik mitspielt. Makehuman [6] hat sich auf die Modellierung realistischer menschlicher Figuren spezialisiert. Das in C++ geschriebene Programm steht Windows-, Mac-OS- und natürlich Linux-Anwendern zur Verfügung. Fertige Pakete finden Nutzer des freien Betriebssystem allerdings nur für Mandriva vor. Für alle anderen heißt es selbst kompilieren.

Makehuman besteht aus drei Teilpaketen in dieser Installationsfolge: Animorph gefolgt von der grafischen Oberfläche Mhgui, bevor schließlich die Makehuman-Engine selbst an der Reihe ist. Makehuman liegt in der Version 0.9.1 vor. Die Oberfläche gibt sich deutlich einsteigerfreundlicher als die von Blender, wer seinen virtuellen Traumkörper formen möchte, kommt schnell ans Ziel.

Der Startbildschirm von Makehuman stellt einen menschlichen Rohling - das bezieht sich nicht auf den Charakter des dargestellten Menschen - zur Verfügung, den vier zweidimensionale Regler verformen (Abbildung 2). Eine Vielzahl von Reglern und Einstellungen, die so genannten Channels, definieren Merkmale, die sich auf die Physiognomie des erzeugten Körpers auswirken.

Abbildung 2: Makehumans einfache Benutzeroberfläche erlaubt auch Laien das Modellieren realistischer menschlicher 3D-Modelle.

Der oberste Regler »Age/Sex« stellt das Alter und die Ausprägung geschlechtsspezifischer Korpermerkmale stufenlos ein. Darunter legt der »Body Mass«-Channel Muskulatur und Gewicht fest. Über den »Breast«-Regler definiert man Größe und Ausbildung der Brust und über »Body Shape« reguliert der Schöpfer die Statur und Größe seines 3D-Modells.

Eine gegenseitige Beeinflussung der vier Channels sorgt für realitätsnahe menschliche Formen. Wählt man beispielsweise unter »Age/Sex« eine weibliche Statur aus, wirkt sich der Gewichtsregler unter »Body Mass« besonders auf typisch weibliche Problemzonen aus. Ebenso hängt beispielsweise die Brustform vom Alter und dem Gewicht ab.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Bewegende Bilder

    Künstliche Welten: Der Open-Source-Renderer Blender macht sie möglich - egal ob es sich um die täuschend echte Simulation eines geplanten Produkts oder einen Kurzfilm mit scheinbar lebendigen Charakteren handelt. Version 2.42 bringt viele neue interssante Effekte.

  • Modelling 2.50

    Die für Januar angekündigte Blender-Version 2.50 rüstet modisch auf: Ein neues Stoff-Modul sorgt für realistischen Faltenwurf, das erweiterte Partikelsystem ermöglicht ansprechende Frisuren.

  • Bunny-Release: Blender 2.46 rückt der Realität näher

    Nach gut einem halben Jahr Arbeit gaben die Entwickler der freien 3D-Software Blender die Version 2.46 frei. Sie profitiert vor allem von den Erfahrungen aus der Produktion des freien Films Big Buck Bunny.

  • Blender 2.47 behebt Fehler

    Die Entwickler der 3D-Animationssoftware Blender haben eine Bugfix-Release veröffentlicht.

  • Schreib mal wieder

    Software-Entwickler schreiben die meiste Zeit Code, und das ist natürlich in Ordnung. Doch ganz ohne aktuelle Anleitung weiß der Benutzer mit der besten Software nichts anzufangen. Die Ironie dabei ist, dass sich der Entwickler die Programmierarbeit hätte schenken können, wenn keiner seine Software benutzt.

comments powered by Disqus

Ausgabe 01/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.