Seit Tim Berners-Lees ersten Webseiten haben sich die Standards für eine gelungene Präsentation im Internet stark gewandelt: Mehr und mehr orientieren sich Internerpräsenzen an Desktopanwendungen statt an Printprodukten. Hinter dem Schlagwort Ajax verbergen sich Features wie Pulldown-Menüs, sortierbare Tabellen oder interaktive Eingabeseiten. Die wesentliche Verbesserung im Vergleich zu statischen Seiten ist dabei, dass die für das Neuladen der Seiten typischen Wartezeiten entfallen.
Langer Weg
Bis eine Webseite vollständig im Browser zu sehen ist, durchlaufen Browser und Webserver mehrere Schritte, die sich zusammen zu einer für den Seitenbesucher oft unangenehmen Wartezeit summieren (Abbildung 1):
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Der Browser sendet, ausgelöst durch einen Klick auf einen
Link oder die Eingabe einer URL, eine Seitenanfrage an den
Webserver.
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Der Server bearbeitet die Anfrage und liefert HTML-Text und
Grafiken aus. Bei hoher Last braucht er dazu oft einige Sekunden.
Wie schnell die Inhalte ankommen, hängt von der
Geschwindigkeit des Netzes ab. Die benötigte Zeit bleibt aber
selbst in schnellen Intranets noch spürbar.
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Schließlich liest der Browser die Antwort und zeigt die
Seite an. Für jedes einzelne Bild startet die gleiche
Schrittfolge noch einmal.
Zusammengenommen dauern diese drei Arbeitsschritte meist etliche Sekunden, bei hoher Serverlast eventuell Minuten. Bei HTML-Seiten ohne Ajax-Technologie laufen sie bei jeder noch so kleinen Änderung auf der Seite ab.
Im Vergleich zu Rich-Client-Anwendungen leidet der Komfort dabei arg. Verzögerungsfrei aufklappende Menüs, mit einem Mausklick neu sortierbare Tabellen, Tooltipps oder Drag&Drop sind auf der Basis der zähen Seiten-Reloads nicht praxistauglich umsetzbar. HTML-Seiten, die diese Features zur Verfügung stellen, sollten daher wie lokale Programme weitgehend autonom, also ohne Rückgriff auf eine Serververbindung arbeiten.
Abbildung 1: Pingpong-Spiel: Die Kommunikation zwischen Browser und Webserver, die bei Seiten ohne Ajax Voraussetzung für jede Veränderung der angezeigten Seite ist, setzt sich aus mehreren Kontakten zwischen Client (Browser) und Server zusammen und dauert in der Praxis meist etliche Sekunden.
Ohne Rückfrage
Um den Komfort zu verbessern, gehen mehr und mehr Webanwendungen dazu über, die Benutzereingaben direkt im Browser auf dem Computer des Seitenbesuchers zu verarbeiten. Von den verschiedenen Techniken, Anwenderdaten im Browser zu verarbeiten, haben sich nur zwei auf breiter Front durchgesetzt: Javascript und Flash. Beide stehen auf mehr als 90 Prozent aller Rechner zur Verfügung. Webentwickler können sie deshalb mit gutem Gewissen einsetzen. Andere Lösungen haben mit Ausnahme des auch noch verbreiteten Java-Plugins, nie ähnlich plattformübergreifende Verbreitung gefunden.
Vom Konzept her schlagen Flash und Javascript völlig unterschiedliche Wege ein. Das proprietäre Flash-Plugin führt binäre Flash-Applikationen im Browser aus. Das Plugin unterscheidet sich in seiner Einbindung in die Webseite nicht wesentlich von einer Bitmap-Grafik, bietet dem Benutzer jedoch eine interaktive Anwendung. Die grafischen Möglichkeiten des Flash-Plugins sind ausgezeichnet. Um sie zu nutzen, führt allerdings kaum ein Weg an den Adobe-Tools vorbei. Gleichwertige Open-Source-Alternativen sind nicht in Sicht.
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